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Ingolstädter CSU reagiert verärgert auf deutliche Worte des Landeschefs – Kritik kam völlig unerwartet

Geschlossene Front gegen Seehofer

Ingolstadt
erstellt am 29.05.2012 um 21:40 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 20:12 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Es rumort in der CSU. Ministerpräsident Horst Seehofer hat mit seiner im DK geäußerten Kritik an der Ingolstädter Stadtspitze und deren Politikstil für viel Unmut in den Reihen der CSU gesorgt – auch auf der Hochzeitsfeier des Oberbürgermeisters am Samstag.
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Ingolstadt: Geschlossene Front gegen Seehofer
 
Ingolstadt
Die Ingolstädter CSU-Spitze ist sauer. Sauer auf den eigenen Chef. „Es ist neu, dass der Landesvorsitzende die Arbeit der Grünen und der SPD macht“, klagt CSU-Fraktionschef Joachim Genosko. Bürgermeister Albert Wittmann sagt: „Wir wissen überhaupt nicht, wie er dazu kommt!“ Und OB Alfred Lehmann? Der will gleich gar nicht über den Landeschef sprechen. „Der OB gibt diesbezüglich keine Auskunft“, lässt er über seinen Pressesprecher verlauten.

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte im Gespräch mit dem DONAUKURIER Kritik an „dem Politikstil von oben herab“ geäußert und bemängelt, dass die Bevölkerung in Sachen Bebauung des Gießereigeländes nicht transparent genug informiert worden sei. Außerdem habe er Schwierigkeiten mit Politikern in seiner Partei, die „die repräsentative Demokratie so definieren, dass sie in den Jahren, in denen sie die Verantwortung wahrnehmen, einfach losgelöst von den Wünschen der Menschen Politik machen.“ Der DK hatte in der Samstagsausgabe darüber berichtet.

Die Kritik des Landeschefs hat die Ingolstädter CSU offenbar völlig unerwartet getroffen. „Er hat zuvor niemanden von uns persönlich angesprochen“, sagt CSU-Fraktionschef Genosko. Besonders die Art und Weise habe ihn verwundert: „Es war bisher nie Stil unserer Partei, so etwas über die Zeitung auszutragen.“ Der Artikel sei auf der Hochzeitsfeier des Oberbürgermeisters am Samstagabend natürlich immer wieder Thema gewesen, erzählt Bürgermeister Wittmann. Kein Wunder: Schließlich war Seehofer selbst Gast auf der Hochzeitsfeier. Offenbar saß der Ärger bei Wittmann und Genosko aber zu tief, um persönlich mit ihm zu sprechen.
 
„Ich hatte keine Gelegenheit dazu“, sagt Genosko knapp. Und Wittmann: „Es war unpassend, an diesem Abend darüber zu diskutieren.“ Schließlich sollte eigentlich mit der Hochzeitsfeier des OB ein anderes Thema im Mittelpunkt des Abends stehen. Doch der Ärger über die unerwartete Schelte kam immer wieder auf. „Es ist heiß diskutiert worden in vielen Ecken – und da ging es nicht um Braut um Bräutigam“, erzählt Bürgermeister Sepp Mißlbeck. Dass sein Freund Seehofer genau diesen Zeitpunkt, den Tag der Hochzeitsfeier des Oberbürgermeisters, gewählt hat, hält er für „unglücklich“. Außerdem glaubt er, dass „die Kritik in einem kleineren Kreis besser aufgehoben“ wäre.

„Seehofer ist während der Feier bestimmt von vielen Seiten darauf angesprochen worden“, vermutet Wittmann. Wahrscheinlich habe der Ministerpräsident die Feier auch deswegen früh verlassen, mutmaßt der Bürgermeister weiter. Schließlich sei keiner in der Ingolstädter CSU begeistert über die deutlichen Worte gewesen: „Es gibt hier niemanden, der ihm Recht gibt“, betont Wittmann. Und weiter: „Seehofer trifft auf eine geschlossene Front.“

Genosko sieht keinen Grund, an dem bisher eingeschlagenen Weg zu zweifeln. „Ich bleibe bei meinen Aussagen“, sagt der Fraktionschef. Der Fehler liege nicht bei der Ingolstädter CSU, sondern bei Seehofer: „Der Landesvorsitzende ist offensichtlich nicht gut über die Ingolstädter Kommunalpolitik informiert.“

Entspannter als die Kollegen von der CSU und den Freien Wählern sieht Achim Werner (SPD) die Lage: „Ich fand die Attacke lustig“, sagt er. Aber nicht, weil er sie für berechtigt hält, sondern weil Seehofer selbst für genau den Politikstil stehe, den er kritisiert: „Eine brutalere Von-oben-herab-Politik als die im Landtag gibt es überhaupt nicht!“ Im Vergleich dazu sei „die Ingolstädter CSU geradezu harmoniesüchtig.“

Genosko und Wittmann sehen nun „jede Menge Gesprächsbedarf“ mit Seehofer – allerdings, wie beide betonen, im kleinen Kreis. Denn, so Wittmann: „Wir wollen Kritik nicht aus der Zeitung erfahren.“

 

Von Katja Tölle
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