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Begegnungsstätte für Deutsche und Türken

erstellt am 18.05.2008 um 21:48 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 19:38 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Der am Wochenende oft geäußerte Wunsch, das neue islamische Kulturzentrum in Ingolstadt solle nicht nur zu einem Gebetshaus, sondern auch zu einer Begegnungsstätte für Deutsche und Türken, für Muslime und Christen werden, ist bereits gestern bei der Eröffnung in Erfüllung gegangen.
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Denn unter den über 2000 Besuchern waren auch hunderte Deutsche zur Einweihungsfeier und zum Tag der offenen Tür in die größte Moschee Bayerns gekommen, die nach zweieinhalbjähriger Bauzeit fast fertig ist. Vor allem der prächtige Gebetsraum und die beiden hohen Minarette des Kulturzentrums an der Manisa Straße beeindruckten die Gäste.

Wie ein roter Faden zogen sich der Integrationsgedanke und der Aspekt des friedlichen Zusammenlebens der unterschiedlichen Kulturen durch die Reden der Ehrengäste. So sagte Idris Yüksel, Vorsitzender der türkisch-islamischen Gemeinde Ingolstadt (Diyanet): "Dieses Kulturzentrum soll auch zum Symbol der Integration werden, zum Symbol der Jugenderziehung, nicht zum Symbol von Ab- und Ausgrenzung." Der Großmufti von Istanbul, Professor Mustafa Cagrici, sah sogar eine "neue Epoche" nach "1000 Jahren blutiger Szenen" zwischen Deutschen und Türken starten. "Beide Seiten zeigen heute einen starken Willen, zusammenzuleben", betonte der oberste islamische Rechtsgelehrte des Landes. Und der türkische Generalkonsul in München, Ali Rifat Köksal, befand: Die Moschee sei ein "Zeichen der Toleranz gegenüber anderen Kulturen".

Deutsche und Türken vereint in der Moschee: Tausende machten sich am Sonntag ein Bild von dem prachtvoll gestalteten Gebetsraum im muslimischen Kulturzentrum an der Manisa Straße. Das Gotteshaus darf nur ohne Schuhe betreten werden. - Fotos: Rössle
Begonnen hatte die Einweihungsfeier vor dem zweistöckigen Gotteshaus mit der türkischen und deutschen Nationalhymne, bevor ein Rezitator aus Istanbul Verse aus dem Koran vorlas. Den Reigen der Ansprachen, die Bekir Alboga von der türkisch-islamischen Union für Religion (Ditip) übersetzte, begann Idris Yüksel.
 
Er dankte allen, die bei der Errichtung der über 5,5 Millionen Euro teuren Moschee geholfen haben – unter anderem dem Oberhaupt der Stadt Ingolstadt, Alfred Lehmann, Diplom-Ingenieur Mohammed Suleiman und Architekt Björn Sieh. "Schon beim Bau haben wir interkulturellen Dialog betrieben", sagte der Vorsitzende des türkisch-islamischen Kulturverein unter Hinweis auf die vielen beteiligten Firmen aus der Region. Yüksel informierte, dass noch "die eine oder andere Arbeit" in dem Kulturzentrum zu leisten sei. So seien ein Jugendklub sowie Versammlungs- und Sporträume geplant. "Damit möchten wir den Dialog der Kulturen und Religionen fördern."
 
OB Alfred Lehmann erinnerte daran, dass "die türkischen Muslimen, die ab den 60er Jahren als Gastarbeiter nach Ingolstadt gekommen waren, ihre religiösen Pflichten zunächst in ihren Wohnungen, in angemieteten Räumen oder Fabrikhallen verrichtet haben". Die ständig steigende Zahl der Mitglieder des türkisch-islamischen Kulturvereins – heute sind es über 540 – habe schließlich den Bau des Gemeindezentrums nötig gemacht. Lehmann betonte: "Wir können stolz darauf sein, dass es auch von den Bürgern Zeichen der Unterstützung und kein Wort des ernsthaften Widerspruchs gegeben hat". Lobend erwähnte er, dass Ingolstadts Partnerstadt Manisa einen wesentlichen Beitrag zu der Moschee geleistet habe. Anerkennung sprach er auch der islamischen Gemeinde aus: "Sie hat immer wieder deutlich gemacht, dass sie das Grundgesetz in unserem Land respektiert und sich stets dafür eingesetzt, dass vor allem Kinder und Jugendliche in unserer Stadt integrieren."

Dekan Thomas Schwarz von der evangelischen Kirche Ingolstadt und Josef Blomenhofer, Dekan der katholischen Kirche in Ingolstadt, sprachen sich für die Fortführung des Dialogs zwischen Muslime und Christen aus.

Bei der Feier am Sonntag, die wegen des starken Regens mittendrin von draußen in den mit rund 700 Besuchern überfüllten Gebetsraum verlegt werden musste, sprachen auch Mustafa Temel, türkischer Religionsattaché aus München, Süleyman Coban, Bürgermeister von Manisa (er war mit einer siebenköpfigen Delegation gekommen), Mufti Namik Hisar und Ditip-Präsident Sadi Arslan. Lieder von türkischen Kindern und der Tanz von zwei Derwischen aus Ankara zu Klängen der Sufi-Musikgruppe bereicherten das dreistündigen Programm.

teleschau vom 18. Mai 2008 - 001
 
Von Karlheinz Heimisch
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