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500 Jahre Braugeschichte gehen zu Ende

erstellt am 16.01.2008 um 22:23 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 19:37 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) 500 Jahre nach ihrer Gründung hat die älteste Ingolstädter Brauerei zum Jahresende offenbar den Betrieb eingestellt. Bei Ingobräu wird kein Bier mehr gebraut.
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Was sich in den vergangenen Monaten immer mehr abzeichnete, ist zum Jahreswechsel offenbar bittere Realität geworden: Auf dem Firmengelände von Ingobräu im Norden der Altstadt wird seit dem 31. Dezember 2007 kein Bier mehr gebraut. "Die haben den Betrieb eingestellt", sagt Erich Starkl, bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten in Regensburg auch für Ingolstadt zuständig. Dies bestätigen auch auswärtige Brauereivertreter sowie Ingolstädter Wirte. Wie es hieß, soll für die veraltete Ammoniakkühlanlage auch die Betriebserlaubnis erloschen sein.

 

Ihre letzten neun Kisten Kupfersud von Ingobräu (links) hat die Firma Hörl auf Lager. Meistersud aus dem Traditionshaus gibt es dagegen nicht mehr, dafür versorgt jetzt eine Brauerei aus Grafing die Region. Gestern empfing Lagerleiter Josef Bräu die erste Palette (rechts).
Bereits im vergangenen Sommer musste Ingobräu die Produktion von Weißbier nach einem Lebensmittelskandal einstellen. In einigen Proben dieser Biersorte hatte das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Würzburg mikrobielle Verunreinigungen festgestellt. Das Bier sei "für den menschlichen Verzehr nicht geeignet", hieß es in dem Bericht.

 Ebenfalls im vergangenen Jahr musste Ingobräu auch die Produktion des Meistersud einstellen. Die Ingolstädter Brauerei hatte die beliebte Biersorte über Jahre hinweg hergestellt, allerdings nur als Lizenznehmer für die Region. Lizenzgeber war die Brauerei Wildbräu in Grafing bei München. "Ingobräu hat die Lizenz nicht mehr", erklärte Braumeister Götz Berlenz auf Anfrage des DK. Der Grafinger Wildbräu hat gestern die ersten Paletten seines Meistersud in die Region geliefert. Diese Biersorte, deren Etikett dem früheren Ingolstädter Meistersud sehr ähnlich sah, wird über Getränkemärkte vertrieben.

Bitter sieht es für die verbliebenen Beschäftigten von Ingobräu aus. Nach Angaben von Starkl haben sie im November und Dezember 2007 schon keine Löhne und Gehälter mehr bekommen. Auch das Weihnachtsgeld sei nicht gezahlt worden, so der Gewerkschaftsvertreter. Derzeit laufen nach Angaben Starkls wieder Prozesse vor dem Arbeitsgericht. Bereits vor knapp einem Jahr war Ingobräu wegen ausstehender Zahlungen in die Schlagzeilen geraten. Ein Dutzend Mitarbeiter hatte daraufhin ein Ultimatum gestellt und den größten Teil seines Geldes erhalten. Mitte 2007 beschäftigte Ingobräu noch 30 Mitarbeiter, von denen aber noch im vergangenen Jahr ein Teil entlassen wurde.

Der finanzielle Engpass zwang die älteste Ingolstädter Brauerei im abgelaufenen Jahr auch dazu, mehrere Gaststätten und Gebäude zu veräußern. So wurden unter anderem wie berichtet die Neue Welt, aber auch, und das ist neu, der Engelwirt sowie der ehemalige Schwarze Adler (jetzt Potatoes) an der Schmalzingergasse abgegeben. Veräußert werden soll auch seit geraumer Zeit das komplette Firmengelände an der Harderstraße. Mehrmals hieß es, dass ein Abschluss mit Investoren unmittelbar bevor stehe.

Wie zu erfahren war, bekam Ingobräu auch immer wieder Druck von den Stadtwerken und der städtischen Wasserversorgung wegen offener Rechnungen. Der kommunale Versorger hat mehrfach "mit dem Säbel gerasselt", wie sich ein Insider ausdrückt, und die Sperrung angedroht. Aber tatsächlich abgedreht wurde der Wasserhahn bisher nicht.

Mit dem Ende der Bierherstellung bei Ingobräu geht eine Ingolstädter Tradition zu Ende. Die Wurzeln der letzten Innenstadt-Brauerei reichen bis ins Jahr 1500 zurück. Offiziell wird 1507 als Gründungsjahr genannt. Eine Feier wurde im vergangenen Jahr auf 2008 verschoben. Ob sie stattfinden kann, ist mehr denn je fraglich.



„Ingobräu wird weiterhin existieren“

Ingolstadt (mot) Nicola Hackner, die Ingobräu-Geschäftsführerin, wollte sich gestern nur schriftlich zu den Problemen äußern. Die Frage, ob noch Bier gebraut wird, beantwortete sie nicht klar. Mehrere Quellen sagen aber, dass nur noch Lagerbestände ausgeliefert werden.

Brauen Sie noch Bier?
Nicola Hackner: Siehe Antwort Frage 2.

Lassen Sie andere Brauereien für Ingobräu noch Lohnbrauen?
Hackner: Das Weizen beziehenwir wie bekannt von Kuchlbauer, unsere andere Sorten sind nach wie vor selbst auf dem eigenen  irmengelände gebraut.

Wie viele Beschäftigte haben Sie noch?
Hackner: So viele wie für den laufenden Betrieb wirtschaftlich notwendig sind.

Seit wann zahlen Sie kein Gehalt mehr?
Hackner: Mitarbeiter-Löhne wurden im Dezember ausgezahlt.

Warum brauen Sie keinen Meistersud mehr?
Hackner: Der Name Meistersud ist ein erworbener Lizenzname. Die Lizenz für den Markennamen Meistersud ist am 31.12.2007 abgelaufen. Da es sich aber um eine hauseigene, sehr beliebte Ingobräu-Rezeptur handelt, wird das gleiche Bier unter einem neuem Namen folgen.

Welche Gebäude haben Sie bereits verkauft?
Hackner: Über diese Frage haben Sie bereits berichtet.

Was wird aus dem Firmengelände Harderstraße?
Hackner: Wie bekannt, soll verkauft werden. Vertragsverhandlungen laufen im Moment auf vollen Touren.

Was wird aus dem Namen Ingobräu?
Hackner: Ingobräu wird weiterhin existieren, und daran wird sich auch in Zukunft bestimmt nichts ändern.

Welche Chancen sehen Sie, dass Ingobräu als Brauerei überleben kann?
Hackner: Das hängt von der zukünftigen Entwicklung des Biermarktes ab. Verschiedene negative Berichterstattungen (u.a. DK) und Einflussnahme von außen können jedoch das angeschlagene Image der Firma weiter schädigen und somit die Situation verschärfen. Weiterer Imageverlust schmälert unsere Umsätze und gefährdet dadurch auch direkt die Arbeitsplätze unserer Mitarbeiter.

teleschau vom 23. Januar 2008 - 001
Von Bernhard Pehlund Christian Rehberger
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