Schlittenspaß und Blechschäden
Wintereinbruch in Ingolstadt bringt Freude und Verdruss

03.12.2023 | Stand 04.12.2023, 9:42 Uhr

Schön, aber gefährlich. Wegen des Risikos herabfallender Äste sperrte die Stadt die städtischen Friedhöfe. Foto: Hauser

Auch ältere Ingolstädterinnen und Ingolstädter können sich kaum daran erinnern, dass es in Ingolstadt binnen kurzer Zeit schon einmal so viel geschneit hat wie am Freitag und Samstag. Stellenweise lag der Schnee knapp einen halben Meter hoch. Als am Sonntag der Niederschlag aufhörte und die Sonne von einem blauen Himmel strahlte, war das Winter-Zauberland perfekt. Für Fotografen boten sich bildschöne Motive, allerorten bevölkerten Schneemänner Freiflächen und Gärten und auf den Schlittenbergen ging es bei Minusgraden auf dem gefrorenen Untergrund rasant bergab.

Für die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei, Mitarbeiter des Winterdienstes, Autofahrer und Bahnreisende bedeuteten die Bedingungen allerdings – vor allem nachts und am Samstag – eine Menge Ärger und Arbeit. Die Ingolstädter Feuerwehr musste zusätzlich zum Tagesgeschäft alleine am Samstag rund 60 Mal ausrücken, um Gefahren abzuwenden, die durch Schneelast entstanden waren, heißt es in einer Pressemitteilung. Etliche Bäume und Ästen knickten oder brachen unter dem Gewicht, blockierten Straße und Wege oder drohten auf abgestellte Autos zu stürzen. „Durch das optimale Zusammenspiel zwischen Integrierter Leitstelle Ingolstadt auf der einen Seite und den eingesetzten Feuerwehren auf der anderen Seite, mussten Hilfeersuchende im Stadtgebiet Ingolstadt nur eine sehr kurze Zeit auf adäquate Hilfe warten“, heißt es von Seiten der Berufsfeuerwehr. Zu Spitzenzeiten seien rund 90 Feuerwehrleute sämtlicher Freiwilliger Feuerwehren gemeinsam mit der Berufsfeuerwehr im ganzen Stadtgebiet im Einsatz gewesen.

Das Technische Hilfswerk wurde zur Saturn Arena gerufen. Dort hatte man Sorge, dass die schweren Schneemassen auf dem Dach zu einem statischen Problem werden könnten. „Nach Auskunft eines Experten besteht aber keine Gefahr für das Gebäude“, teilt die Feuerwehr mit.

Über Social Media rief die Stadt die Bevölkerung auf, Aufenthalte unter Bäumen zu meiden. Es bestehe „akute Verletzungsgefahr“ wegen Schneebruchs. Aus diesem Grund bleiben auch die drei großen Ingolstädter Friedhöfe bis auf Weiteres geschlossen. Am Sonntagnachmittag erließ die Stadt noch eine „Allgemeinverfügung“ und verbot das Betreten sämtlicher Grünanlagen.

Winterliche Straßenverhältnisse haben vor allem am Freitag und Samstag Auto- und Radfahrer vor Herausforderungen gestellt. Im Stadtgebiet und auf der Autobahn blieb es nach Angaben der Verkehrspolizei aber bei Blechschäden. „Die Verhältnisse haben keine hohen Geschwindigkeiten zugelassen“, sagt Fabian Dersch von der Verkehrspolizeiinspektion. Zu tun gab es für die Polizei dennoch eine Menge. Vor allem in der Nacht auf Samstag, so Dersch. Meist habe es sich bei den Einsätzen um Fahrzeuge, gehandelt, die „alleinbeteiligt“ von der Fahrbahn abgekommen sind. Ähnliches berichtet die Polizeiinspektion Eichstätt. Unter anderem rutschte eine 60-jährige Ingolstädterin mit ihrem Wagen von der Straße, als sie von der B13 nach links Richtung Eitensheim abbiegen wollte. Dabei wurde sie leicht verletzt, die Polizei geht von einem Schaden von rund 15000 Euro aus. Mächtiges Glück hatte am Samstagabend ein 18-Jähriger, der gegen 21 Uhr zwischen Buxheim und Pettenhofen die Kontrolle über seinen Wagen verlor. Offenbar war er zu schnell, wie die Polizei schreibt. Das Auto rutschte in den Graben und überschlug sich. Der Fahrer und seine beiden Mitfahrer blieben unverletzt.

Die Bahn war keine wirkliche Alternative. Im Laufe des Samstags fielen immer mehr Züge aus und am späteren Nachmittag hieß es nicht nur auf der Anzeigetafel im Ingolstädter Hauptbahnhof „Zugverkehr eingestellt“. In der Wartehalle drängten sich dennoch die Menschen. „Die Stimmung war trotz allem recht entspannt“, sagt Tina Estel. Die gebürtige Altmannsteinerin wollte heim nach München und war wie viele andere in Ingolstadt gestrandet. Spontan bildeten sich Fahrgemeinschaften, Sammeltaxis wurden geordert, Autos gemietet. Estel wurde schließlich von einem Freund aus München mit dem Auto abgeholt. „Wir haben gleich noch jemand mitgenommen“, berichtet sie.

So mancher verhinderte Reisende war bereit, dreistellige Summen zu bezahlen, um bei den winterlichen Verhältnissen noch sicher an sein Ziel zu gelangen. Der Hauptbahnhof in München war am Sonntagnachmittag noch immer nicht zu erreichen. Immerhin fuhren in Ingolstadt wieder einige Züge. Bei der Bahn rechnet man aber auch noch für „Mindestens am Montag“ mit „starken Beeinträchtigungen“.

Stadt sperrt alle Grünanlagen



Das Betreten der städtischen Grünanlagen ist ab sofort verboten. Die Stadt Ingolstadt hat am Sonntagnachmittag eine entsprechende Allgemeinverfügung erlassen.
„Weiterhin besteht im gesamten Stadtgebiet durch den schweren und nassen Schnee die Gefahr von Schneebruch. Bäume können umstürzen, Äste können abbrechen – es besteht akute Verletzungsgefahr!“, heißt es in einer aktuellen Mitteilung. „Da am Sonntag, trotz auch überregionaler Warnhinweise, viele Menschen in den Parkanlagen spazieren waren, hat die Stadt Ingolstadt entschieden, zur Abwehr von Gefahren für Leib und Leben eine Allgemeinverfügung zu erlassen: Damit besteht mit sofortiger Wirkung ein Betretungs- und Befahrungsverbot für alle öffentlichen Grünanlagen im Stadtgebiet.“

Die Regel gilt insbesondere für das komplette Glacis, den Luitpoldpark – inklusive Schlittenberg – und den Bereich rund um den Künettegraben und den Baggersee. „Das Betretungsverbot gilt aber auch für alle öffentlich zugänglichen von der Stadt unterhaltenen Grünanlagen, Kinder- und Ballspielplätze. Ebenso für alle zu den Grünanlagen gehörenden Wege und Plätze und Parkplätze. Die Kontrollen der Grünanlagen auf Schäden und Gefahren durch das Gartenamt sind noch nicht abgeschlossen und dauern noch an. Das Betretungsverbot gilt zunächst bis Dienstag, 5. Dezember, 12 Uhr. Die Allgemeinverfügung ist unter www.ingolstadt.de/amtliche abrufbar. Die Stadt Ingolstadt ruft darüber hinaus zur Vorsicht auf und appelliert an die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger im Interesse ihrer eigenen Sicherheit die Nähe von Bäumen zu meiden.“