Spannende Geheimfavoriten
Wie weit kommt dein Heimatland? Spieler und Trainer aus der Region wagen EM-Vorhersagen

13.06.2024 | Stand 13.06.2024, 17:00 Uhr |

Giovanni di Terlizzi (Italien) vom TSV Ingolstadt-Nord. Foto: privat

An diesem Freitag beginnt mit dem Eröffnungsspiel zwischen Deutschland und Schottland (21 Uhr) in München die Fußball-Europameisterschaft 2024. Wir haben uns deshalb in den Vereinen der Region umgehört und mit einigen Spielern und Trainern der Teilnehmernationen über die Aussichten der eigenen Nationalmannschaft, wichtige Spieler und die Turnierfavoriten gesprochen.

Obwohl Italien als Titelverteidiger in das Turnier geht, sei aktuell „alles nicht so einfach“, beschreibt Giovanni di Terlizzi. Grund dafür sei auch Nationaltrainer Luciano Spalletti, der die Squadra Azzurra seit 2023 betreut. „Mit Spaletti hat ein offensiv denkender Trainer übernommen, was nicht unbedingt der typischen Spielweise Italiens entspricht. Meiner Meinung nach ist dafür nicht unbedingt das Spielermaterial da“, meint di Terlizzi. „Dazu kommt, dass die Gruppe mit Spanien, Kroatien und Albanien alles andere als einfach ist.“ Dem amtierenden Europameister räumt der Ingolstädter Mittelfeldmann trotzdem Außenseiterchancen ein: „Gerade wenn der Auftakt gegen Albanien gelingt, ist etwas möglich.“ Als Favoriten hat di Terlizzi aber andere Nationen auf dem Zettel. „Für mich sind Frankreich, England und auch Deutschland die Topfavoriten. Gerade die besten zwölf, 13 Spieler der Deutschen sind sehr gut und haben eine Menge Potenzial.“ Trotz des Lobes an die deutsche Nationalmannschaft hofft di Terlizzi auf die Italiener. „Da bin ich mit Herzblut dabei und drücke die Daumen.“

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Ricardo de Assunção Folha (Portugal), Spieler des A-Klassisten MTV Ingolstadt: „Die Stimmung ist gut und ich denke, dass Portugal eine der besten Mannschaften des Turniers hat“, schätzt Ricardo de Assunção Folha die Elf von Trainer Roberto Martinez ein. „Sie wollen viel Ballbesitz, spielen offensiven Fußball und haben noch dazu viele talentierte und junge Spieler.“ Nach wie vor im Kader der Portugiesen steht Cristiano Ronaldo. „Ich glaube, dass das Team ohne Ronaldo effektiver ist. Aber er ist natürlich immer für ein Tor gut und hat ein unglaubliches Standing, sodass ihn viele Portugiesen in der Startelf sehen wollen.“ Neben Ronaldo hebt der Akteur des MTV Ingolstadt Bruno Fernandes (Manchester United), João Cancelo (FC Barcelona) und Ruben Dias (Manchester City) als Stützen der Mannschaft hervor. „Ich denke, dass es bis ins Halbfinale gehen kann.“ Außerdem schätzt Assunção Folha die Deutschen stark ein: „Sie können überraschen. Deutschland war schon immer eine Turniermannschaft und ist für mich deshalb Favorit auf den Titel.“

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Lukas Haas Christensen (Dänemark), Spieler des Kreisklassisten TSV Etting: Eine besondere Situation stellt sich für den künftigen Trainer des TSV Mailing Lukas Haas Christensen dar. „Meine Mutter kommt aus Slowenien, mein Vater ist Däne. Beide Teams spielen in der Gruppenphase gegeneinander und sorgen bei uns zuhause für eine besondere Rivalität.“ Haas Christensens Herz schlage aber in erster Linie für die deutsche Mannschaft, der er sogar den Finaleinzug zutraut: „Da wächst etwas zusammen und seit Julian Nagelsmann an Bord ist, herrscht ein anderer Teamgeist vor.“ Neben der deutschen Nationalmannschaft hält es der Mittelfeldspieler mit den Dänen. „Bei ihnen ist es ein wenig tagesformabhängig. Sie haben zwar in der Qualifikation nicht überzeugt, aber können in Turnieren gerne mal eine Schippe drauflegen. Ich denke, dass sie die Gruppenphase überstehen. Danach ist jedes weitere Spiel ein Bonus.“ Als Favoriten nennt auch er vor allem zwei Teams: „Frankreich könnte vom Personal her zwei oder drei Teams auf Top-Niveau stellen. Und die Engländer haben eine sehr starke Elf.“

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Mateo Rados schnürt nach längerer krankheitsbedingter Pause ab Sommer die Fußballstiefel für den TSV Mailing. Die Chancen der durchaus überraschend für die Endrunde qualifizierten Slowenen schätzt der zentrale Mittelfeldspieler „um ehrlich zu sein, nicht sonderlich gut ein. Mit Dänemark, Serbien und England haben sie eine sehr starke Gruppe erwischt. Mit etwas Glück könnte es mit einem der besten dritten Plätze für das Achtelfinale reichen“, lautet seine Einschätzung. Zwei Nationen sind es, die der Audi-Beschäftigte auf das Favoritenschild hebt. Zum einen Frankreich, zum anderen die deutsche Elf: „Wenn Deutschland das erste Spiel gewinnt und nach der Vorrunde Gruppenerster wird, tippe ich auf eine Finalteilnahme gegen die Franzosen.“

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Ali Erbas (Türkei), Spielertrainer des A-Klassisten MBB SG Manching: Der Spielertrainer der MBB SG Manching wünscht sich natürlich, dass die Türkei die Gruppenphase mit Portugal, Tschechien und Georgien übersteht „und ich glaube auch, dass sie das schafft. Danach ist in den K.o.-Spielen dann für jeden alles drin.“ Erbas weist darauf hin, dass die Türkei den jüngsten Kader aller teilnehmenden Länder besitzt. „Das ist erstmal ein Nachteil in einem solchen Turnier, aber in der Mannschaft steckt sehr viel Potenzial. Die jungen Spieler müssen aber dem Druck standhalten.“ Aus dem türkischen Team heraus stechen aus seiner Sicht Arda Güler von Real Madrid und Kenan Yildiz von Juventus Turin. „Sie haben schon bewiesen, dass sie den Unterschied in einer Partie ausmachen können.“ Und wer holt am Ende den Titel? „Ich kann mich nicht nur auf einen Favoriten festlegen, weil es viele gute Mannschaften gibt“, sagt Erbas. „Portugal, Frankreich und Deutschland sind für mich favorisiert. Die junge türkische Mannschaft sehe ich aber als Geheimfavorit.“

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Andrej Kubicek (Kroatien), Spielertrainer des FC Rockolding: Der Spielertrainer des FC Rockolding glaubt, dass es seine Kroaten in einer Gruppe mit Italien, Spanien und Albanien schwer haben werden. „Aber ein guter dritter Platz reicht ja eventuell auch fürs Weiterkommen.“ Kroatien habe bei den vergangenen Fußball-Großereignissen gezeigt, dass es sich im Turnierverlauf steigern kann. „Und ich hoffe natürlich, dass wir weit kommen, auch, weil es in Deutschland eine große Fanbasis gibt. Public Viewing ist da sehr angesagt.“ Die Stärken der kroatischen Nationalelf liegen für Kubicek in der Abwehr und im Kurzpassspiel: „Es ist schon fast ein Markenzeichen, dass wir sehr wenige Gegentore kassieren. Ein Treffer reicht dann zum Sieg oder halt zum Elfmeterschießen. Wenn der Gegner mit Tempo kommt und nach Ballgewinn schnell umschalten kann, haben wir allerdings große Probleme.“ Natürlich werde es darauf ankommen, ob gestandene Spieler wie Modric, Gvardiol oder Kovacic ihre Leistung abrufen können. „Doch wir haben auch junge, hungrige Spieler, die hier nicht so bekannt sind. Mit Ante Budimir haben wir zudem wieder einen echten Mittelstürmer. “ Als Favorit auf den Titel sieht Kubicek sein Land allerdings nicht. „Natürlich sind die großen Namen wie England oder Frankreich zu nennen, aber mit dem Heimvorteil und dem neuen Trainer ist auch Deutschland ein Titelanwärter. Mein Geheimtipp ist Österreich, wo Ralf Rangnick sehr gute Arbeit leistet.“

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