„Ein Umbruchsommer“
Wie Sportdirektor Tim Regan vom ERC Ingolstadt die letzten offenen Kaderplätze besetzen will

02.07.2024 | Stand 02.07.2024, 19:55 Uhr |

Ein Dutzend Neuzugänge will ERC-Sportdirektor Tim Regan für die kommende DEL-Saison insgesamt verpflichten. Foto: Traub

In vier Wochen geht’s wieder los – dann startet der ERC Ingolstadt in die Vorbereitung auf seine 23. Saison in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL).



Mit welchen Spielertypen Tim Regan die letzten offenen Kaderstellen besetzen möchte und welche Strategie hinter seinen Planungen steckt, erklärt der Sportdirektor im Gespräch mit unserer Zeitung. Regan über...

...seinen dritten Transfersommer beim ERC: „Im ersten Sommer waren wir etwas spät dran, weil ich erst im April 2022 als Sportdirektor angefangen habe. Im zweiten habe ich versucht, die Mannschaft ein bisschen stärker nach meinen Vorstellungen zu formen. Jetzt haben wir einen Umbruchsommer, weil wir manche Position nach der Enttäuschung der vergangenen Saison neu besetzen wollen. Wir kommen am Ende wahrscheinlich auf ein Dutzend Neuzugänge. Aber diese Auffrischung muss passieren.“

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...die Entscheidung, von Beginn an auf zehn Importspieler zu setzen und damit von der bisherigen Philosophie der Nachverpflichtungen ein Stück weit abzuweichen: „Wir hatten in den vergangenen beiden Spielzeiten jeweils früh einen Langzeitausfall: Brian Gibbons 2022/23 und Casey Bailey 2023/24. So etwas passiert. Es ist dann sehr schwer, im Oktober oder November einen Ersatz zu finden. Wenn wir mit zehn Ausländern starten, haben wir schon einen integrierten Ersatz im Team. Der zweite Grund ist der erhöhte Konkurrenzkampf: Von den zehn Ausländern können nur neun spielen.“

...die gesuchten Spielertypen für die noch freien Importstellen – eine in der Abwehr, zwei im Angriff: „Der letzte Verteidiger soll ein Allrounder sein, der Erfahrung und Führungsqualitäten mitbringt. Das wäre das Profil. Im Angriff suchen wir noch einen Mittelstürmer und einen, der sowohl als Center als auch auf dem Flügel spielen kann. Wir haben einige vielseitige Spieler, die in der Mitte stürmen können: Neben Daniel Pietta sind das Wojciech Stachowiak, Abbott Girduckis, ,Hanni’ Krauß und Philipp Krauß. Wir wollen auf dieser Position kollektiv stark sein.“

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...Verteidiger Maury Edwards, dessen Weiterbeschäftigung noch nicht endgültig vom Tisch war: „Ich schließe nichts aus, aber es ist unrealistisch, dass er in diesem Sommer noch einen deutschen Pass bekommt. Ein Einbürgerungsprozess dauert sechs bis neun Monate.“

...Stürmer Travis St. Denis, dessen möglicher Abschied aus Ingolstadt trotz Vertrags bis 2025 immer noch im Raum steht: „Travis war selbst nicht zufrieden mit seinen Leistungen in der vergangenen Saison. Wenn es für ihn in Ingolstadt nicht passt, müssen wir eine Lösung finden.“

...mögliches Interesse aus der NHL für den auch bei der WM glänzenden Stachowiak: „Ich habe nichts mehr gehört, kein Vermittler und niemand aus der NHL hat sich bislang bei mir gemeldet.“

...die Schwierigkeit, einen „Kracher“ wie 40-Tore-Mann Riley Sheen aus der Schweiz zurück in die DEL zu holen: „Bei Riley war es eine Frage des Timings. Man muss früh dran sein, wenn sich ein solcher Spieler verändern will und wieder einen festen Platz in einem Klub sucht. Für uns war es perfekt, dass er zurück in die DEL wollte, und vielleicht waren wir die Ersten, die an ihm dran waren.“

...die Strategie, im Gegensatz zum Vorjahr bei den Neuzugängen stärker auf jüngere, hungrige Spieler aus anderen europäischen Ligen wie der Slowakei oder der DEL2 zu setzen: „Im vergangenen Jahr haben wir Spieler mit viel Erfahrung verpflichtet, ob in der DEL, in diversen Ligen Europas oder sogar in der Champions League. Ich will niemandem den Willen oder die Motivation absprechen. Aber wir wollten diesmal frischen Wind reinbringen und uns auf der einen oder anderen Position verjüngen. Mit Spielern, die sich beweisen wollen. Die ihre Chance in der DEL unbedingt nutzen wollen und vielleicht noch einen Tick mehr Motivation haben. Alex Bretons Weg zum Beispiel haben wir schon in Nordamerika verfolgt, da war er ein erfolgreicher Offensiv-Verteidiger. Auch in der Slowakei hat er abgeliefert.“

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...die interessanten Spielermärkte für den ERC in Relation beispielsweise zur Schweizer National League, in der das Durchschnittsgehalt 300.000 Euro beträgt (in der DEL rund 175.000 Euro brutto): „Die DEL muss immer mit einem eingeschränkten Markt zurechtkommen. Einen Profi aus der Schweizer Liga im besten Alter, der gut gescort hat: Das ist unrealistisch. Auch in die russische KHL zieht es wieder viele Kanadier. Wir haben Absagen bekommen, weil Spieler aus finanziellen Gründen lieber in die KHL gehen. In der American Hockey League entwickeln sich die Gehälter auch nach oben. Finnland ist aus DEL-Sicht immer interessant, weil viele Nordamerikaner zuerst dorthin wechseln und dann in eine andere europäische Liga. Ich finde auch, dass die tschechische und die slowakische Liga einen Schritt nach vorne gemacht haben.“

...die Tatsache, dass kein deutsches Talent im diesjährigen NHL-Draft ausgewählt wurde: „Ich glaube, dass es beim diesjährigen Jahrgang eine Ausnahme ist. In den kommenden Jahren kommen aber viele gute Spieler nach.“