Festival-Vorschau

Weltenklang mit Mari Boine

Die siebte Auflage des Festivals ist von Kooperationen geprägt – Start am 1. März

24.01.2023 | Stand 24.01.2023, 16:02 Uhr

Von Jesko Schulze-Reimpell

Ingolstadt – Seit 2015 veranstaltet die Stadt Ingolstadt das Festival Weltenklang, wobei es um sogenannte Weltmusik geht. Diese Strömung allerdings ist in den vergangenen Jahren in zunehmendem Maße umstritten. „Es geht um den Vorwurf der kulturellen Aneignung“, sagt Matthias Neuburger, zuständig für das Festival im Ingolstädter Kulturamt. „Wir nehmen das ernst.“ Denn es handele sich um eine „Art der Ausbeutung.“

Um das nach wie vor für die Stadt wichtige Festival dennoch weiterführen zu können, bemüht er sich um „Authentizität der musikalischen Gäste und der Darbietungen“. Der Diskurs mit der Musik anderer Kulturen soll auf Augenhöhe stattfinden. Das geschieht auch, indem noch stärker auf migrantische Gruppen vor Ort, also in Ingolstadt eingegangen wird. Erstmals wird das Festival etwa mit der alevitischen Gemeinde in Ingolstadt kooperieren. Zusammen ist es gelungen, den Musiker Erdal Erzincan nach Ingolstadt zu holen. In seiner Heimatstadt Erzurum in der Türkei kam Erdal Erzincan sehr früh in den Kontakt mit der Folklore und damit auch dem Baglamaspiel. Nach dem Umzug seiner Familie nach Istanbul schaffte er sich ab 1989 am Staatlichen Musikkonservatorium der Istanbuler Technischen Hochschule eine künstlerische Grundlage. Zur gleichen Zeit begann er, die verstreuten Spieltechniken der Baglama zu erforschen. 2004 gastierte er erstmals zusammen mit dem Ambassade Sinfonieorchester im Wiener Konzerthaus. Auftritte folgten in den USA und jetzt in Ingolstadt.

Ebenfalls an diesem Abend steht Ingolstädter Musiker Serkan Özkan auf der Bühne. Der Sänger und Instrumentalist verknüpft traditionelle anatolische Melodien mit westlichen Einflüssen. Seine Eigenkompositionen und Improvisationen spielt er auf der Baglama, dem populärsten Saiteninstrument der Türkei.

Aber das ist nur ein Beispiel eines äußerst vielfältigen Programms in diesem Jahr. Zwischen 1. März und 1. April ist das Konzertangebot geprägt von musikalischen Einflüssen aus Norwegen, Schweden, der Ukraine und Bretagne, Bayern und sogar aus dem Vorderen Orient.

Weltenklang 2023 geht diesmal mit noch weiteren Kooperationsprojekten an den Start und zwei davon gestalten den Auftakt des Festivals. So ist aus dem Rahmen der MittwochKlassik die Iranerin Sara Hasti (Mittwoch, 1. März, 19 Uhr, Harderbastei) zu sehen. Die Künstlerin hat iranische Musik und Musikethnologie an der Kunstuniversität von Teheran studiert. Momentan belegt sie die Studienfächer angewandte Musikwissenschaft und Musikpädagogik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Als erfahrene Kamancheh-Spielerin nahm sie an zahlreichen Konzerten und Aufnahmen teil.

An ihrer musikalischen Seite steht Omid Niavarani. Er studierte Percussion an der Universität Teheran und absolvierte einen Masterstudiengang an der Universität Hildesheim im Bereich Weltmusik. Aktuell lebt und arbeitet er in München als freischaffender Musiker.

Das nächste Konzert ist in Kooperation mit dem Fem*Festival entstanden. Das Publikum kann sich am Freitag, 10. März, 19 Uhr, im Kulturzentrum neun auf Mari Boine freuen. Die Sängerin, Musikerin, Songwriterin und Aktivistin aus Sápmi, Norwegen, verbindet ihre auf der traditionellen samischen Volksmusik aufbauenden Lieder (die sie nicht selten auch in dem für die Samen typischen gutturalen Joik-Obertongesang vorträgt) stets auch mit Elementen zeitgenössischer Musik, die von Pop und Rock über Jazz und Weltmusik bis hin zu elektronischer Musik reichen. Seit dem Beginn ihrer Karriere in den frühen 80er Jahren hat Mari Boine 14 Alben veröffentlicht, ist um die ganze Welt getourt, gastierte dabei mehrfach auch in Ingolstadt, und hat mit herausragenden Jazzmusikern wie Jan Garbarek und Bugge Wesseltoft zusammengearbeitet.

Ebenfalls an diesem Abend sind Svitlana und Anna Sonyk zu hören. Die Mutter ist mit ihrer Tochter aus der Ukraine geflohen. Sie sind auf der Suche nach Schutz vor dem Krieg. In Deutschland präsentieren sie ihre Kultur mit ihrer Musik. Svitlana singt, Anna spielt Bandura, das ukrainische Nationalinstrument. Gemeinsam interpretieren sie ukrainische Musikstücke neu.

Das dritte Kooperationsprojekt findet erneut im Rahmen der MittwochKlassik statt und zwar am Mittwoch, 15. März, in der Harderbastei. Dann stehen MattiMatti auf der Bühne: Beide heißen Matti, einer kommt aus Schweden (Malmö) und der andere aus Deutschland (Berlin). Sie haben sich 2013 beim Muszieren auf der Straße in Berlin getroffen und reisen seither um die Welt und machen Musik.

Eine Veranstaltung unter dem Dach einer weiteren Kooperation gibt es am Freitag, 24. März, 20 Uhr, in der Neuen Welt. Das Team von The Young, The Old and The Club, kurz YOC, lädt in Kooperation mit dem Weltenklangfestival erstmalig zum gemeinsamen Filmabend in die Neue Welt. Auf dem Programm steht die Dokumentation „Ask, Mark ve Ölüm, zu Deutsch Liebe, D-Mark und Tod“ des Regisseurs Cem Kaya, der sich seit Jahren intensiv mit türkischer Popkultur beschäftigt. Anschließend gibt es den gewohnten YOC-Talk mit dem YOC-Team, das dieses Mal mit Regisseur Cem Kaya, Musiker Ozan Ata Canani sowie dem Vinylarchäologen Booty Carrell über den Film, persönliche Erfahrungen sowie türkische Musik im Allgemeinen spricht.

Ebenfalls Premiere feiert das interkulturelle Weltenklang-Ensemble, das am Samstag, 18. März, 20 Uhr im Kulturzentrum neun zu sehen ist. Die Idee war, speziell für das Weltenklangfestival eine Combo unter der Leitung von Charly Böck auf die Beine zu stellen. Das Besondere: Alle Musiker haben unterschiedliche musikalische Backrounds.

DK


Tickets gibt es ab sofort in der Tourist Information am Rathausplatz (Moritzstraße 19), im Westpark Ingolstadt, im Achtzig20 GmbH c/o. Schanzer Ludwig Store (Theresienstraße 13) sowie über Ticket Regional (www.ticket-regional.de).