Vom OB zum Wiesnchef
Wechselt Ingolstadts Rathauschef nach München? Was Christian Scharpf dazu sagt

23.05.2024 | Stand 24.05.2024, 11:39 Uhr

Ingolstadts OB Christian Scharpf (SPD) bei der Eröffnung des Pfingstvolksfests vergangene Woche. Wird er der neue Wiesnchef in München? Foto: Hauser

Da war etwas im Busch – schon seit ein paar Wochen. Spekulationen machten schon seit Längerem die Runde, ob Oberbürgermeister Christian Scharpf (SPD) bei der nächsten Kommunalwahl 2026 noch einmal antreten würde.



Das Video wurde 2021 beim DONAUKURIER aufgezeichnet

Eine spannende Frage, die ihm auch der DK mehrfach gestellt hatte – ohne eine eindeutige Antwort zu bekommen. Denn so eine Entscheidung hätte unweigerlich große Auswirkungen auf die Kandidatenkür bei der CSU. Dann kam noch ein Gerücht dazu: Scharpf, so hieß es hinter vorgehaltener Hand, habe vielleicht eine neue interessante Stelle in Aussicht...

Alle hielten dicht



Anfang Mai kontaktierte unsere Zeitung den OB ein weiteres Mal und sprach ihn auf das Thema Kandidatur an. Er antwortete schriftlich: „Spekuliert wird ständig und immer von irgend jemandem. Daran beteilige ich mich nicht. Ich äußere mich vor der Sommerpause, und ansonsten gibt es nichts Neues“, lautete seine knappe Nachricht.

Nur der engste Zirkel der SPD-Fraktion war zu dem Zeitpunkt eingeweiht, um welches Angebot es sich handeln solle. Nichts drang nach außen. Alle hielten dicht.

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Zwei weitere Kandidaten im Rennen



Seit Donnerstag nun ist klar, um welchen Posten es geht. Der „Münchner Merkur“ hat gemeldet, dass der Ingolstädter OB als künftiger Referent für Arbeit und Wirtschaft (damit auch zuständig für das Oktoberfest) bei der Stadt München gehandelt wird.

Denn die Amtszeit von Clemens Baumgärtner (CSU) endet im Februar 2025. Im Oktober bereits soll sein Nachfolger vom Stadtrat gewählt werden – die SPD hat das Vorschlagsrecht. Neben Scharpf sollen laut „Münchner Merkur“ zwei weitere SPD-Männer in Frage kommen.

Scharpf genießt in Ingolstadt breite Unterstützung



Scharpf dürfte gute Chancen haben: Im Münchner Rathaus war er mehr als ein Jahrzehnt für die dortige Stadtspitze unter den SPD-Oberbürgermeistern Christian Ude und Dieter Reiter tätig.

Dann der Coup der SPD Ingolstadt: Sie schickte ihren Überraschungskandidaten Christian Scharpf 2020 ins Rennen um das Amt des Oberbürgermeisters.

In der Stichwahl gegen Amtsinhaber Christian Lösel (CSU) am 29. März 2020 erreichte er mit 59,3 Prozent die Stimmenmehrheit und eroberte so nach 48 Jahren den OB-Sessel für die SPD zurück.

Vom amtierenden Oberbürgermeister Ingolstadts zum neuen Wiesnchef? Ist das ein reizvolle Aufgabe und Herausforderung für den 52-jährigen Juristen?

Zumal sich Scharpf, der Ingolstädter ist, sichtlich wohl fühlt in seiner jetzigen Funktion – egal, ob er eine Stadtratssitzung leitet oder den Bieranstich auf dem Pfingstvolksfest vollzieht. Auch der Zuspruch aus der Bevölkerung ist groß.

Zudem wäre so ein Wechsel nach München mitten in der Amtsperiode für die Ingolstädter Sozialdemokraten ein herber Rückschlag.

Familiäre Argumente für München



Andererseits stünde Scharpf als Wirtschaftsreferent der Stadt München der nächste Karrieresprung offen – eine OB-Kandidatur spätestens für die Kommunalwahl 2032 erscheint möglich.

Oder sogar früher, sollte Dieter Reiter die Wahl 2026 gewinnen, aber nicht die ganzen sechs Jahre im Amt bleiben.

Aber da ist noch ein anderer Aspekt: Christian Scharpf ist ein Familienmensch. Unter der Woche leben seine berufstätige Ehefrau und die vier Kinder in München, nur am Wochenende oder in den Ferien kommen sie meist nach Ingolstadt.

Oder Scharpf fährt Richtung Süden. Die Zusammenführung der Familie am Wohnsitz München ist mit Sicherheit ein Argument, die neue Stelle anzunehmen. Keine leichte Entscheidung für Christian Scharpf – zudem noch in einer schwierigen Phase des Umbruchs für die Stadt Ingolstadt.

Keine Beteiligung an Spekulationen



Auch Stadtsprecher Michael Klarner gab auf erneute Anfrage am Donnerstag nur ein kurzes, ähnlich klingendes Statement ab: „Der Oberbürgermeister von Ingolstadt beteiligt sich nicht an Spekulationen über die Besetzung von Stellen in anderen Städten.“

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