Klang, Licht, Spiel
Vierte Auflage von „T.Raum.Phase“ vor dem Café Tagtraum in Ingolstadt

12.06.2024 | Stand 13.06.2024, 8:31 Uhr |

Genregrenzen sprengende Performance: Benjamin Dami in „T.Raum.Phase“ Foto: Schmutterer

Es klingt paradox: Eine traumhafte Stunde Schauspiel, Licht und Musik über einen Mann, der selbst nicht mehr träumen kann. Und das ausgerechnet vor dem Café „Tagtraum“ und als Teil 4 der Reihe „T.Raum.Phase.“ Das künstlerische Konzept überzeugt auf der ganzen Linie, wie schon in den drei Vorgänger-Editionen.

Denn das audiovisuelle Kunst- und Konzerterlebnis lässt das Publikum vollständig eintauchen in eine Performance, die alle Genregrenzen sprengt und einen licht- und tondurchfluteten Traum inszeniert. Mitten in unserer hektischen Welt. Auf dem Paradeplatz, dem Ende der Fußgängerzone, wo sich sonst viele Menschen tummeln.

Verlorene Fähigkeit zu träumen

Hier wird ein Fest der Sinne gefeiert: Künste verbinden sich hier, menschliche Sprache vereinigt sich mit KI, Musik mit Lichtinstallationen, Illusion mit Traum. Der Schauspieler Benjamin Dami und die vier Musiker der Claudius Konrad Band sind die Protagonisten dieses performativen Happenings.

Und die künstliche Intelligenz mischt munter mit, zumindest bei den Texten. Als roter Faden zieht sich das Dilemma der verlorenen Fähigkeit zu träumen durch die Aufführung, die betörend schöne visuelle und akustische Impulse setzt, aber auch viel unserer Fantasie überlässt.

Das Mysterium um die verschwundenen Träume beginnt auf dem Balkon des Nachbarhauses, wo Dami dem Zuschauern seine Not schildert und sie zum Träumen einlädt, während sachte die sphärischen Klänge der Konrad Claudius Band einsetzen.

Unverwechselbarer Sound

Ihr unverwechselbarer Sound aus leise pulsierenden Keyboard-, Bass- und Gitarrenklängen ist wie ein Klangteppich, der sich über den Paradeplatz legt. Darin eingebettet die markante und doch so weiche Stimme des Bandleaders. Konrad hat alle sechs Songs eigens für dieses immersive Klang- und Theatererlebnis geschrieben.

Die Liedtexte sind englisch und fügen sich nahtlos in den leidenschaftlich gesprochenen Text von Benjamin Dami ein. Ein französisches Lied sticht heraus. Es geht darin um eine verlorene Liebe, die weit weg ist, und um das Herz des Sängers, das an dieser Distanz zerbricht.
Dami ist der Hauptakteur einer Geschichte, um die er wochenlang gerungen hat, die aber letztlich die KI geschrieben hat.

Entscheidend jedoch waren die Prompts, die er eingab und so lange verfeinerte, bis ihm das Ergebnis gefiel. Es geht um die verzweifelte Suche eines Menschen nach seiner Innerlichkeit, die ihm in der rationalen Welt abhandengekommen ist.

Um sie zu finden muss er aufbrechen und in die ganze Welt reisen, nach Nord und Süd, Ost und West – Stationen, die an den Ecken des Tagtraum-Biergartens als meterhohe Minibühnen installiert wurden. So wird sein Spiel hautnah erlebbar, der Biergarten zur Bühne.

Wie einst die antiken Schauspieler eine Maske aufsetzten, um den Beginn der Vorführung zu signalisieren, schminkt sich Dami das Gesicht weiß, steigt vom Balkon und erklimmt die nur einen Quadratmeter große Nordbühne, wo Schneestürme toben und die Fjordkälte jeden Traum erstickt.

Träume sind nicht ganz verschwunden

Kaltblaue Scheinwerfer tauchen die Szenerie gespenstisch ein. Und Dami entdeckt dort tatsächlich einen Brief, der nur für ihn bestimmt ist. Die Botschaft klingt wie eine Verheißung: „Deine Träume sind nicht im Eis erfroren, entdecke sie wieder, schau in die Tiefe deiner Seele!“
Im Süden, Osten und Westen warten ähnliche Briefe auf ihn, er liest sie und spricht dadurch mit sich selbst. Dami fühlt sich wie ein Schiffbrüchiger in einem verlorenen Meer aus Melancholie, schöpft aber Hoffnung durch die Briefe.

Und ganz am Ende entdeckt er, dass seine Träume doch nicht verschwunden sind, sondern nur verschüttet in seinem Herzen.Und dann steigt er von seiner kleinen Bühne herunter und umarmt viele seiner Zuschauer. Als Zeichen seiner Gefühle, die so wichtig sind für uns Menschen. Dami spielt authentisch und die Claudius Konrad Band mit Tom Diewock, Tom Sendtner, Benedikt Streicher und dem Bandleader einfach fantastisch. T.Raum.Phase Part 4 ist ein Muss für alle Kunstliebhaber, Musik- und Theaterfreunde.

DK


Die nächsten Aufführungen von Tag.T.Raum.Phase#4 finden am 16. Juli und am 1. August jeweils um 21 Uhr vor dem Café Tagtraum statt.