Donnerstag, 19. Juli 2018
Lade Login-Box.

Ein Schlüsselloch ins Privateste, das nur schwer zu schließen ist

erstellt am 22.12.2011 um 22:23 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 20:07 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Facebook weiß, was seine Nutzer machen und es vergisst nichts. Wer ein bisschen surft, findet im Nu Pikantes und Privates. Auch in Ingolstadt gehen einige mit ihren Daten recht unvorsichtig um.
Textgröße
Drucken
Dirk Weber ist praktisch immer online. Im Internet kennt sich der bekannte Ingolstädter Radiomoderator aus. Dennoch ist er immer wieder aufs Neue erstaunt, wie gedankenlos manche Leute im Internet unterwegs sind. „Ich finde es zum Beispiel bedenklich, wenn Leute Fotos von ihren leicht bekleideten Kindern für alle sichtbar ins Internet stellen“, sagt er – und findet mit nur zwei Klicks problemlos die private Adresse der angesprochenen Familie. Dabei wäre nur ein Handgriff nötig, um die Bilder nur einem bestimmten Kreis zugänglich zu machen.
 

Die verschiedenen Facebook-Nutzer-Typen

 
Wer sich in offenen Facebook-Profilen auf die Suche macht, findet unzählige Fotos auch aus Ingolstadt. Zum Beispiel im Facebook-Profil von Karl Ettinger, dem Kreisvorsitzenden der FDP. Meist sind es harmlose Schnappschüsse, aber auf einigen Bildern werden sich Menschen wiedererkennen, die vielleicht nicht wollen, dass die Bilder eines Saufgelages in den 1980er Jahren weltweit zugänglich sind. Vor allem, wenn die Fotos mit den Namen der Abgebildeten versehen sind. Aktuelle Bilder und Postings offenbaren, wie sich so mancher mehr oder weniger bekannte Ingolstädter in seiner Freizeit geriert.
 

So können Sie Ihre Privatsphäre auf Facebook kontrollieren
Fotostrecke: Diaserie Privatsphäre
15


Der Anruf des DONAUKURIER überrascht Ettinger. Dass die ganze Welt seine Bilder sehen kann, war ihm gar nicht bewusst. „Ich dachte, ich habe das alles abgestellt“, sagt er. Tatsächlich ist einer der Hauptkritikpunkte an Facebook und Co., dass die Datenschutzeinstellungen standardmäßig äußerst lax sind. Sie nach den eigenen Wünschen einzustellen, ist sehr kompliziert. Dazu kommt, dass die Vorgaben von Facebook relativ häufig geändert werden, und es für jeden Nutzer einen großen Aufwand bedeutet, seine Einstellungen aktuell und auf seine Bedürfnisse abgestimmt zu halten.

Ingolstadt: Die FDP rauft sich zusammen
Karl Ettinger
Mit Hilfe der Online-Redaktion des DONAUKURIER sind mittlerweile auch die Fotos aus Ettingers Album nicht mehr für die ganze Welt sichtbar. Seine Postings lässt er allerdings öffentlich. „Es ist meine Lebensmaxime, dass jeder erfahren darf, was ich sage“, erklärt er. Dass private Fotos und die Partybilder aus den 1980er nicht für die Allgemeinheit bestimmt sind, sieht auch Ettinger so. Deswegen habe er besonders kompromittierende ohnehin weggelassen. Einige hat er aber auch erst auf Wunsch der abgebildeten Personen gelöscht. Eine Möglichkeit, die nur hat, wer Facebook selber nutzt. Allerdings verweist Ettinger auf die Party-Fotografen, die heutzutage jedes Wochenende auch in Ingolstadt unterwegs sind und Fotos von Feiernden im Internet veröffentlichen. „Das ist heute völlig normal.“

Tatsächlich findet man nicht nur auf Facebook Persönliches. Wer will, kann sich auf amazon.de anschauen, was sich Ettinger zu Weihnachten wünscht, auf myspace.de gibt’s nach wie vor ebenfalls Bilder von privaten Urlauben, der Hochzeit und von früher. Die Fotos kommen sehr gut an. Die My-Space-Community hat Karl Ettinger bereits den „Im-Rampenlicht-Award“ verliehen. Einen Preis, den es für besonders beliebte Bildergalerien gibt.
 
Von Johannes Hauser
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!