Ingolstadt

Verein NefAS hilft Frauen mit Migrationsbiografie

24.01.2023 | Stand 24.01.2023, 20:07 Uhr

Eine Veranstaltung des MiMi-Projekts über Gesundheitsthemen in einer Moschee. Foto: NefAS

Es gibt Vereine, die stehen nicht so sehr im Licht der Öffentlichkeit, leisten aber Beachtliches für die bunt zusammengewürfelte Stadtgemeinschaft Ingolstadts. Wie der Verein NefAS (Netzwerk für Arbeit und Sozialbelange), der seit 15 Jahren besteht und dieses Jubiläum am Mittwoch feiert.

„NefAS haben wir gegründet, um insbesondere Frauen mit Migrationsbiografie Wege zu öffnen, die ihnen sonst verschlossen gewesen wären“, sagt Vorsitzende Karoline Schwärzli-Bühler.

Der Verein wurde 2007 auf Initiative engagierter Frauen ins Leben gerufen, die viel Erfahrung in der Arbeit mit Menschen mit Migrationshintergrund mitbringen. Vorsitzende ist neben Schwärzli-Bühler auch Olga Paul. Zweck des Vereins ist die Förderung der weniger privilegierten, insbesondere auch ausländischen Bevölkerungsschichten bei der Bewältigung alltäglicher Probleme, bei der Arbeitssuche und im sozialen Bereich.

Bevölkerung sensibilisieren

Außerdem will NefAS die hiesige Bevölkerung dafür sensibilisieren, wie viele Ressourcen diese Menschen mitbringen und wie wertvoll und wichtig ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist. Seine Ziele verwirklicht der Verein durch Projekte der Hilfe zur Selbsthilfe und in Form von Kursen sowie theoretischen und praktischen Übungen.

Niloufar Kafi-Asgari betreut das Projekt Sprachmittler. Oftmals fühlen sich Menschen, die aus anderen Ländern zuwandern, aufgrund von Verständigungsproblemen überfordert. Sie nehmen Angebote von Einrichtungen aus dem sozialen, medizinischen und pädagogischen Bereich unterdurch-schnittlich oft wahr. Kulturell bedingte unterschiedliche Sichtweisen und Schwierigkeiten bei der Verständigung spielen hierbei eine große Rolle. Um allen Zuwanderern eine kultursensible Begleitung zu ermöglichen, kommen die Sprachmittler zum Einsatz.

Die Liste der angebotenen Sprachen umfasst Albanisch, Amharisch, Arabisch, Bulgarisch, Chinesisch, Dari, Englisch, Französisch, Griechisch, Indonesisch, Italienisch, Kantonesisch, Kroatisch, Kurdisch, Oromo, Paschtu, Persisch (Farsi), Polnisch, Rumänisch, Russisch, Serbisch, Slowakisch, Somalisch, Spanisch, Surani, Tigrinya, Tschechisch, Türkisch, Ukrainisch, Urdu und Vietnamesisch.

Die Sprachmittler erleichtern den Alltag der Zugewanderten und helfen, sprachliche und kulturelle Hürden bei Institutionen und Behörden zu überwinden. Sie vermitteln zudem den Zugang zu Angeboten aus dem sozialen und gesundheitlichen Bereich und fördern interkulturelles Handeln aller Beteiligten. Im Jahr 2022 wurden 1553 Übersetzungsaufträge erfüllt.

Unterstützung im Erziehungsalltag

Linda Qasem betreut die Projekte MiMi und Elterntalk. Dieses Angebot richtet sich an alle Eltern mit Kindern bis 14 Jahren. Sie bekommen Unterstützung im Erziehungsalltag. Dabei sind die Eltern die Hauptakteure: Sie treffen sich in privaten Gesprächsrunden, die von einer geschulten Moderatorin oder einem Moderator – selbst Mutter oder Vater − begleitet wird. 2022 besuchten die Elterntalks 734 Gäste.

Das Gesundheitsprogramm „Mit Migranten für Migranten (MiMi)“ wurde im Jahr 2003 entwickelt, um Zugangsbarrieren zur gesundheitlichen Regelversorgung abzubauen und die Selbstverantwortung für die eigene Gesundheit bei Migranten zu fördern. Es gibt in Bayern 15 Standorte, einer ist Ingolstadt. Bei MiMi werden engagierte und gut integrierte Migrantinnen zu Themen aus dem Bereich Gesundheit und Prävention ausgebildet. Sie geben ihr Wissen dann in mehrsprachigen Infoveranstaltungen weiter. Schulungsinhalte sind Impfschutz, Diabetes, Familienplanung und Schwangerschaft, Kindergesundheit, Gesundheit und Pflege im Alter, psychische Gesundheit oder Gefahren des Alkoholkonsums und des Rauchens.