Bund Naturschutz

Ingolstädterin Georgine Müller kämpft seit Jahrzehnten für die Umwelt

29.06.2022 | Stand 29.06.2022, 19:14 Uhr

Im Jahr 2014 ging Georgine Müller in den Ruhestand und übergab die BN-Geschäftsführung an Lena Maly-Wischhof. In ihrem grünen Garten mit großen Bäumen und einem kleinen Teich fühlt sich Georgine Müller wohl. In ihren Hochbeeten pflanzt sie Bohnen und Lauch an. Fotos: Werner

Ihre Zeit verbringt Georgine Müller gerne in ihrem Garten. Eine kleine grüne Oase im Nordosten der Stadt. Natur- und Umweltschutz begleiten sie schon fast ihr gesamtes Leben.



1981 tritt sie in die Ingolstädter Kreisgruppe des Bund Naturschutzes (BN) ein, rund zehn Jahre später übernimmt sie eine leitende Position. Über 20 Jahre steht sie gemeinsam mit Klaus Wittmann an der Spitze – bis sie sich 2014 in den Ruhestand verabschiedet.

Doch der Kampf für die Natur ist für die 70-Jährige damit noch nicht vorbei – um den „nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Welt“ zu hinterlassen. „Die Arbeit beim Bund Naturschutz bereitetet meiner Frau zahlreiche schlaflose Nächte“, sagt ihr Mann. Und auch heute gibt es noch einige Dinge, über die sie sich den Kopf zerbricht: „Vieles lässt mich einfach nicht los.“ Wie der geplante Bau der Mittelschule im zweiten Grünring, der im Laufe des Gesprächs mit dem DK immer wieder in den Fokus rückt.

Probleme schon vor Jahrzehnten bekannt

Müller wurde in Dünzing geboren; eine kleine Gemeinde im Osten Ingolstadts. „Schon als Kind war ich gerne draußen.“ Gemüse aus dem eigenen Garten, Bauernhöfe in der Nachbarschaft und die Donau vor der Haustür: „Ich lernte schon als Kind die Natur zu schätzen.“ Nach der Schulzeit, einer kurzen Beamtenlaufbahn bei der Post und einem halben Jahr in England landete Müller in einer Sonderabteilung bei Audi; sie verkaufte Autos an Diplomaten. Durch eine Freundin knüpfte sie erste Kontakte zum Bund Naturschutz. „Ich habe schon immer Menschen getroffen, die eine starke Affinität zur Natur haben.“ Das hat sie geprägt.

Die Klima- und Energieprobleme von heute habe man schon vor Jahrzehnten gekannt: „Aber man hat sie einfach nicht ernst genommen.“ Schon damals hörte man von Seiten der Politiker „viele große Worte überall – passiert ist wenig.“ Im Laufe der Jahrzehnte gab es in Ingolstadt und der Region viele umstrittene Bauvorhaben, die teils für heftige Diskussionen sorgten. Projekte mit enormen Flächenverbrauch in der Stadt. Projekte, die die verheiratete dreifache Mutter gemeinsam mit ihren Mitstreitern des BN nicht wehrlos hinnehmen wollte.

Erfolge für Müller und den BN

Sie erinnert sich an den Bau des FOCs, die dritte Donaubrücke und des Einkaufszentrums am Westpark – um nur wenige zu nennen. „Natürlich waren einige Bemühen erfolglos“, sagt die Naturschützerin – ohne dabei wehmütig zu klingen: „Das ist so im Naturschutz.“ Natürlich sei manches sehr bedauerlich; entmutigen ließ sich die Naturschützerin deshalb aber nicht: Es gibt auch einige Erfolgsgeschichten. Erfolge für Müller und den BN – und damit für die Umwelt. Wie Ende der 1980er Jahre – als sie und die BN-Mitglieder eine Messung der Dioxinwerte der Müllverbrennungsanlage initiierten. Das Ergebnis waren alarmierend hohe Werte und der sofortige Stopp der betroffenen Ofenlinie: „Das hat damals sogar deutschlandweit für Aufsehen gesorgt.“ Letztlich wurde viel Geld in die Hand genommen, um die Müllverbrennungsanlage umzurüsten und auf den neusten Stand zu bringen. „Ganz umsonst war es also nicht.“

Der Schutz des Grünrings – ein Thema, das Müller schon seit Jahrzehnten beschäftigt und momentan wieder einmal hochaktuell ist. Der geplante Bau der Mittelschule im zweiten Grünring sei laut Müller keine Option: „Tatsache ist: Wir brauchen den Grünring – Menschen und Tiere – für den Frischluftaustausch. Und ich verstehe nicht, wie manche Leute das in der heutigen Zeit immer noch nicht begriffen haben.“ Auch im Aktionsbündnis „Uns stinkt’s“ – mit dem Ziel, etwas gegen die Luftbelastung der Gunvor-Raffinerie und des Tal-Tanklagers im Norden der Stadt zu unternehmen – ist Müller vertreten. „Nun hat das Landesamt für Umwelt entschlossen, dass neue Messungen über einen längeren Zeitraum durchgeführt werden.“

Hoffnung auf Entschleunigung

Natur- und Umweltschutz ist etwas, was jeden Menschen betreffen sollte: „Jeder noch so kleine Beitrag ist wertvoll“, findet sie. Das könne schon im Kleinen beginnen – beispielsweise beim Einkaufen. „Jeden Tag landen so viele Lebensmittel im Müll. Das kann verhindert werden, indem bewusster eingekauft wird“, meint Müller. Öfter auf das Fahrrad steigen, das Auto stehen lassen, Energie einsparen. „Die Menschen dürfen das nicht als Verzicht sehen, sondern müssen den Gewinn dahinter erkennen.“ Ein Gewinn für die Umwelt – und somit letztlich auch für die Menschen und die Luft, die zum Atmen benötigt wird, sagt die Naturschützerin. „Wir sind immer höher, schneller und größer geworden.“ Sie hofft auf eine Verlangsamung, eine Entschleunigung.

Zuhause in ihrem Garten kommt Müller zur Ruhe. Tomaten, Lauch und Bohnen wachsen in den Hochbeeten. „Auch wenn es vielleicht kitschig klingt: Ich bin einfach immer noch mit so viel Freude draußen in der Natur.“