Ingolstadt

Strahlende Kinderaugen und Zuckerwatte

Familiennachmittag auf dem Pfingstvolksfest zieht bei bestem Wetter viele Besucher an

08.06.2022 | Stand 08.06.2022, 18:37 Uhr

Ein Klassiker unter den Volksfest-Attraktionen ist das Dosenwerfen. Auch die jüngsten Besucher versuchen hier gerne ihr Glück und Geschick, um einen tollen Preis abzustauben. Foto: Brandl

Menschen kreischen ekstatisch, Dosen bersten scheppernd auseinander, schneeweiße Büschel aus Zuckerwatte tanzen zwischen umherschauenden Häuptern, süße und herzhafte Duftschwaden vermengen sich zu einer verlockenden Aromawolke. Dazu ertönt entweder stramme bayerische Blasmusik oder es rieseln sanft bekannte Melodien hernieder, die Schlagerköniginnen wie Helene Fischer reich und berühmt gemacht haben. Passt alles nicht zusammen? Doch. So klingt, riecht und schmeckt ein rundum gelungener Familiennachmittag auf den Ingolstädter Volksfest.

Gestern war es soweit auf der Pfingstwies'n, und es sollte nach der zweijährigen Pandemie-Pause ein fröhliches, buntes und vor allem gut besuchtes Fest werden. Für das Scheppern, das aus dem Volksfest-Geräusche-Potpourri dringt, sorgt der zwölfjährige Leo, der mit kraftvollen Würfen versucht, einen Stapel Blechdosen vom Brett zu fegen. Der Junge, der Handball spielt, wie er sagt, hat den Dreh eigentlich raus. Nur eine einzige Dose will partout nicht fallen. Da hilft es auch nicht, dass Mutter Milla mit dem Handy filmt, um den Augenblick fürs digitale Familienalbum festzuhalten. Ein kleiner Preis ist für Leo aber drin, und außerdem seien die beiden am Freitag schon wieder hier, um sich das Feuerwerk anzusehen, wie sie erzählen. Dann steht für Leo womöglich ein neuer Versuch an Winters Wurfbude an. Für die Familie aus Manching ist es der zweite Besuch auf dem Volksfest. Mutter Milla hat ihn vorausschauend geplant: „Wir sind mit dem Bus gekommen, um nicht nach einem Parkplatz suchen zu müssen“, sagt sie. Was dem Jungen am Dosen werfen gefällt? „Es macht Spaß, und man kann seine Wurftechnik testen“, sagt er. Er sei schon im Riesenrad und im Bayern Tower gefahren. „Der dreht sich oben schneller, als ich erwartet habe“, berichtet Leo von dem Ausflug in über 70 Meter Höhe.

Das begeisterte Publikum zaubert auch den Schaustellern gute Laune ins Gesicht. „Nach zwei Jahren Pause macht es wieder richtig Spaß. Es ist schön, das Strahlen in den Kinderaugen zu sehen“, sagt Juniorchef Danny Winter. Dass sich Klassiker wie Dosen werfen nach wie vor großer Beliebtheit bei Jung und Alt erfreuen, erklärt er sich so: „Man kann Computer und Handy mal für eine Zeitlang vergessen und dafür lieber eine Rose für die Freundin werfen.“

Egal, ob an der Wilden Maus, am Top Spin, am Lach-und-Freu-Haus oder an den Kinderkarussells – fast überall bilden sich nach 14 Uhr die ersten Schlangen an den Fahrgeschäften und vor den Buden mit Süßigkeiten. In aller Ruhe wird nach dem Lebkuchenherz mit dem passenden Spruch oder Kosenamen darauf gesucht. Beliebt seien Bazi und Engelchen, verrät die Verkäuferin. Aber auch Mama und Papa würden oft genommen. Am Kinderkarussell der Familie Ortner gibt es kaum ein Halten. Eine junge Dränglerin auf dem Highway-Trike will sich stürmisch den Weg frei hupen, was das vor ihr fahrende Polizeiauto allerdings kaum zu beeindrucken vermag. „Es läuft rund, wir sind zufrieden“, sagt Paul Ortner-Haas, der das Karussell mit seiner Frau Daniela betreibt. Beide seien froh, endlich wieder draußen sein zu können und arbeiten zu dürfen, sagen sie und schwärmen von der Atmosphäre und den lachenden Gesichtern. „Das ist unbeschreiblich“, findet Ortner-Haas.

Das Nachsehen hat um diese Tageszeit der Schnapstadel, wo noch Siesta herrscht. Auch in den beiden Biergärten lässt sich am frühen Nachmittag bequem ein Platz finden. Gediegen belebt geht es an der Losbude der Arbeiterwohlfahrt zu, wo Hermann Rindfleisch von der Seniorengruppe Unterbrunnenreuth Lose für den sozialen Zweck verkauft. Als Preise winken hier solide Helfer für schönes Aussehen und fest sitzende Dübel: der Augenbrauen-Rasierer für die Dame und das Holzbohrer-Set für den Herrn. Die Kinder griffen gerne nach Stofftieren, Jojo und Wasserpistole, erzählt er. Die dürfte am Wochenende keine schlechte Wahl sein, wenn das Thermometer bei sommerlichen Temperaturen erneut zum Volksfestbummel einlädt.