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Vielfalt am Rand des Donaumooses

Bezirk Süd
erstellt am 05.07.2017 um 17:06 Uhr
aktualisiert am 14.03.2018 um 15:30 Uhr | x gelesen
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Bei näherem Hinsehen entpuppt sich der Bezirk Süd als erstaunlich bunt.
Schon an der Gründung der einzelnen Dörfer waren verschiedene Volksgruppen wie Bajuwaren und Wenden beteiligt

Ingolstadts Süden ist von Vielfalt gekennzeichnet, nur merkt man das nicht auf den ersten Blick, denn bei oberflächlicher Betrachtung wirken Landschaft und Dörfer homogen. Tatsächlich erschließt sich der Abwechslungsreichtum in zahlreichen Details. Der mit rund 2700 Hektar zweitgrößte Ingolstädter Bezirk ist im Norden begrenzt durch die Donau, im Süden stößt er ans Moos: Karlskron ist lediglich drei Kilometer von Zuchering entfernt. Der Übergang erfolgt fließend, macht sich aber bemerkbar: An den südlichen Rändern beginnt der Kartoffelanbau. Es waren übrigens Mooskolonisten, überwiegend aus Obermaxfeld, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Brunnenreuth siedelten und diesen Ort gründeten.

Der Funkturm in Zuchering ist schon von weitem zu sehen und beherrscht auch den Dorfplatz.
Bartenschlager/Schalles
Bezirk Süd

Die Dörfer sind in großen Teilen nach wie vor von der Landwirtschaft geprägt, große Höfe im Zentrum sind keine Seltenheit, rings um die Orte erstrecken sich Wiesen und Felder. Zahlreiche Gewässer und Wäldchen formen die Umgebung. Gleichzeitig ist die Stadt dank guter Infrastruktur stets zum Greifen nah, zudem erstreckt vor der Haustür der Ingopark mit seinen großen Märkten, die die Kunden von weither locken – nicht immer zur Freude der Einheimischen, die sich an manchen Tagen über starken Verkehr und zugeparkte Straßen entrüsten. Die vielbefahrene Bundesstraße 16 und die nicht minder frequentierten Schienenstränge nach Neuburg und nach München bilden eine künstliche Grenze.

Felder, Dörfer und Gewässer prägen den Bezirk Süd.
Bartenschlager/Schalles
Bezirk Süd

Zuchering, Winden, Hagau, Oberbrunnenreuth, Spitalhof und Unterbrunnenreuth, die Stadtteile im Süden, haben alle ihre lange und eigene Geschichte und damit auch ein gesundes Selbstbewusstsein. Die Keimzelle von Brunnenreuth, das sich aus Unter-
brunnenreuth, Oberbrunnenreuth und Spitalhof zusammensetzt, bildet eben dieser Spitalhof, den Kaiser Ludwig der Bayer im Jahr 1318 dem Heilig-Geist-Spital in Ingolstadt schenkte.

Die evangelisch-lutherische Martinskirche ist das Wahrzeichen von Spitalhof und Brunnenreuth.
Bartenschlager
Bezirk Süd

Hagau, das 1316 erstmals schriftlich erwähnt wird, bestand ursprünglich wohl aus einem einzigen Hof. Zu Zeiten der ungeregelten Donau war Ingolstadt von Hagau aus nur über beträchtliche Umwege zu erreichen. Das änderte sich erst mit dem Bau der Sandrach-
brücke im Jahr 1864. Zuchering ist wesentlich älter und geht wohl auf eine Gründung der Bajuwaren im 6. Jahrhundert zurück. Auf wieder eine andere Volksgruppe deutet der Ortsname Winden hin: Um das Jahr 800 wurden unter Karl dem Großen hier, vermutlich zwangsweise, kriegsgefangene Wenden angesiedelt.

Wissenswertes aus dem Bezirk Süd

Böhmische Vorfahren

Der Name Zuchering deutet auf eine Siedlung der Bajuwaren hin, die aus Böhmen einwanderten. Der Name setzt sich zusammen aus Zuc (Wanderung) und Heri (Führer).

„Wolfsgruben“

Die ersten Behausungen in Brunnenreuth müssen erbärmlich gewesen sein. Sie ähnelten „mehr Wolfsgruben als Menschenwohnungen“, befand 1819 ein Landrichter.

Hochwasser

Das Land um Brunnenreuth war zwar fruchtbar, doch Überschwemmungen vernichteten oft die gesamte Ernte. Erst der Bau der Bahnstrecke 1872 gebot dem Hochwasser Einhalt.

Wenig Bierkonsum

Das Gesuch zur Errichtung einer zweiten Gastwirtschaft in Hagau wurde 1903 abgelehnt: Der Tageskonsum liege bei weniger als 90 Liter, und davon könnten keine zwei Wirtschaften leben.

Unpassierbares Moos

Vor der Mooskultivierung im Jahr 1790 war das Donaumoos vom Süden aus praktisch nicht passierbar, und wenn, musste man Stangen dabei haben, um die Sumpflöcher zu entdecken.

Bahnstation

Beim Bau der Paartalbahn von Ingolstadt nach Augsburg bekam Zuchering 1875 eine Bahnstation. 1916 kam noch ein Stellwerk dazu. 1995 hatte der Bahnhof endgültig ausgedient.

Hochherrschaftliches Auto

Anfang des 20. Jahrhunderts war großer Auflauf in Winden: Das erste Auto brauste durch Winden. Noch dazu war der Fahrer prominent: Prinz Arnulf von Bayern, Sohn des Prinzregenten.

Josef Bartenschlager