Schätzungsweise 500 000 Menschen suchen jedes Jahr die Hilfe eines Exorzisten. Paolo Carlin, der Sprecher der Internationalen Vereinigung katholischer Exorzisten, wird mit den Worten zitiert: "Wir sind zu wenige, die Wartezeiten sind lang." Wer also dieser Tage von einem Geist besessen ist, hat es schwer.

Das führt uns auf zur Ingolstädter CSU-Stadtratsfraktion. Natürlich sind die Herren und Damen nicht mit dem Teufel im Bunde - Gott bewahre. Aber die CSU kann schon auf eine gewisse Erfahrung mit Geistern verweisen. Der Spukteufel von Wildbad Kreuth ist legendär, damals 1976, als die CSU - zumindest kurzzeitig - aus Wut die Trennung von der Schwesterpartei CDU ankündigte. Starke Gefühlswallungen von Franz Josef Strauß haben den Geist damals wohl heraufbeschworen. Der Spuk hält sich bis heute. Verfolgt man die Medienberichte, hat er sogar einen Umzug ins Kloster Banz mitgemacht, denn auch dort wird er bei strittigen Themen regelmäßig beschworen.

Auch die Ingolstädter Christsozialen sind mit vielen offenen Fragen zu ihrem Ausflug nach Kärnten gereist. Schwindende Mehrheiten, Klinikumsskandal, Causa Lehmann und so weiter. Wichtig ist es wohl, Ruhe zu bewahren, sachlich und besonnen zu diskutieren. Also eigentlich so, wie man es von der CSU gewohnt ist. Nicht, dass doch noch ein Geist auftaucht - Himbeergeist sei an dieser Stelle ausgenommen. Der kann zwar auch in den Köpfen spuken, hat aber in der Regel keinen nachhaltigen politischen Einfluss.

Nun sind die CSU-Stadträte wieder zurück in Ingolstadt; wahrscheinlich voller Harmonie und vom guten Geist beseelt. Wer den Kommunalpolitikern das wieder austreiben möchte, hat bekanntlich schlechte Karten. Die Wartezeiten sind lang.