Auf der persönlichen Ebene mag es sich bei unseren Nachbarn um sehr ausgeglichene Menschen handeln, die auch mal gerne was Gutes essen oder sich einen edlen Tropfen einverleiben. Wenn dem Franzosen jedoch etwas gegen den Strich geht, dann aber hallo! Mein lieber Herr Gesangsverein! Dann zeigt der Franzose seine kurze Zündschnur. Wie jetzt wieder. Dann brennen die Autoreifen auf den blockierten Straßen schneller als sie jede Werkstatt im Winter auf einen Wagen montieren könnte.

Dabei klingt Gelbwesten, wie die Protestler wegen ihres Outfits genannt werden, eigentlich ganz nett. Fast nach Schülerlotsen. Aber nichts da: Die Herren in Gelb sehen bei so empfundenen Ungerechtigkeiten sofort rot und gehen landesweit auf die selbst errichteten Barrikaden.

Man mag sich gar nicht vorstellen, was wäre, wenn der Franzose hierzulande aktiv wäre. Wenn er, sagen wir mal, nicht wie daheim zunächst wegen einer geplanten höheren Besteuerung der Kraftstoffe ausflippen würde. Sondern wenn er zum Beispiel gleich ein von diesem Kraftstoff betriebenes Auto gekauft hätte, bei dem ihm der Hersteller eine manipulierte Mühle untergejubelt hätte, die viel mehr Dreck in die Welt bläst, als es bekannt und auch erlaubt ist. Und dann sagen wir mal, dass nicht der Franzose allein, sondern gleich Tausende Franzosen betroffen wären und der Autohersteller auf stur stellen würde und die Leute mit einfachen Nachrüstungen und sonst nichts abspeisen möchte. Was würde der Franzose im Besitz eines Autos, das nur noch einen Bruchteil wert ist, dann tun?

Das Bild mag man sich wahrlich nicht ausmalen, aber Wolfsburg und auch Ingolstadt würden wohl in einem gelben Meer versinken. Gelbwesten-Protestierer würden die Ettinger Straße zu ihrer Spielwiese machen. Wobei vielleicht Schlachtfeld passender wäre, was aber für unsere zarten deutschen Ohren viel zu martialisch klingt.

Glück gehabt also, dass der Franzose lediglich bei sich daheim auf seine traditionelle Art und Weise protestiert und nur viele Deutsche von einheimischen Autoherstellern übers Ohr gehauen wurden. Denn gelbe Westen holt der Deutsche nur dann hervor, wenn er als Schülerlotse gefragt ist.