Ein neuer Geist geht durch Bayern. Ein Geist des Wagemuts und der Visionen. Der Geist von CSU und Freien Wählern. Seit jenem "historischen" Montag, da beide Parteien ihren Koalitionsvertrag unterzeichneten, mutet es an, als würden im Lande die Gamsbärte zittern. Vor Freude.

Dass die Verhandlungen zu einem glücklichen Ende gelangen, hatte sich schon vergangene Woche angedeutet, als FW-Chef Hubert Aiwanger Markus Söders Tasche tragen durfte. Aber nur kurz. Nicht, dass er zu übermütig wird, der Herr Mehrheitsbeschaffer.

Die neue Staatsregierung verfolgt kühne Pläne. "Ein ,Weiter so' darf es nicht geben! ", postulierte Bayerns Ministerpräsident. "Und deshalb werde ich die Rechristianisierung des Freistaats weiter vorantreiben! " Künftig erhält jeder Katholik zur Firmung einen von Söder handsignierten Heiligenkalender. Lutherische Landeskinder bekommen zur Konfirmation Margot Käßmanns Buch "Sorge dich nicht, Seele". "Gerade in Zeiten disruptiver Digitalisierung kann das so wichtig sein! ", hoben Söder und Aiwanger hervor. Muslimische Kinder müssen künftig in der fünften Klasse die "Erinnerungen" von Franz Josef Strauß lesen - "zur Stärkung der bayerischen Leitkultur", betonte Söder. "Strauß geht in seiner Autobiografie auch auf andere Parteien ein. Deshalb bleibt die Neutralitätspflicht des Staates im Bildungswesen vollauf gewahrt", ergänzte Aiwanger.

Wie jetzt durchsickerte, haben auch die Freien Wähler aus Ingolstadt einen wertvollen Beitrag zum Münchner Koalitionswerk geliefert: Der Vorschlag von Peter Springl, nicht nur Behörden mit Kruzifixen auszustatten, sondern fortan auch Feuerwehrautos ("Da löscht es sich gleich viel beseelter! "), kommt bei den Parteispitzen prima an und soll bald realisiert werden. Ärger bereitet bisher nur der FW-Kreisverband Dingolfing. Er besteht darauf, Feuerwehrautos mit Bildern des heiligen Florians zu bemalen. "Das geht nur, wenn dadurch die Reflektoren nicht beeinträchtigt werden! ", gibt Feuerwehrexperte Springl zu bedenken.

Aiwanger erkennt die Zeichen der Zeit: "Die Welt wartet nicht auf uns! Und deshalb muss man um so mehr wissen, wo man herkommt, und was wirklich wichtig ist. " Daher wird die Brauchtumspflege in allen Schularten Pflichtfach. Volkstanz ab der Grundschule. Schuhplattln kommt erst in der Sekundarstufe II dazu, weil "dann die motorischen Fähigkeiten der Kinder besser ausgeprägt sind", weiß Aiwanger. Lüftlmalerei wird ab der fünften Klasse Pflicht, Stubnmusi ab der sechsten und Dirndlnähen ab der siebten - natürlich nur für Mädchen, die Buben lernen dafür schießen.

Nach dem Willen von CSU und FW sollen Goaßlschnalzen und das fachgerechte Rausschmoren von Schweinsbraten ab sofort in allen Schularten verpflichtende Abschlussprüfungsfächer sein. Abiturientinnen müssen zusätzlich einen Guglhupf backen können, wenn sie studieren wollen. Aiwangers Tatendrang ist riesig: "Das Rezept für einen Opfl-Zimt-Guglhupf von meiner Oma steht schon im neuen Lehrplan! "