In diesem Jahr war er bereits auf großer Kinotour: Mit "Markus Söder persönlich" konnte man mehr über den Star aus Film und Fernsehen erfahren. Auch im April wurde im Altstadtkino Cinema der rote Teppich für ihn ausgerollt, allerdings noch ohne Film. Aber das lange Warten hat ein Ende, endlich ist ein neuer Streifen mit ihm angelaufen. Hollywood ruft! Auf dem Highway zum Walk of Fame in Bavaria. Nun steckt ja sein cineastischer Werdegang noch in den Kinderschuhen: Die Hauptrolle als Vertretungslehrer in "Fack ju Göthe" musste er leider noch wegen einer Weißwurstverkostung in Kösching absagen. Aber sein glorreiches Debüt bleibt unvergessen: Der fünfminütige Auftritt in der BR-Seifenoper "Dahoam is dahoam" von 2015 . Söder, der fränkische George Clooney, wird in der roten Liefer-Limousine von Metzgerin Vroni Brunner chauffiert und erklärt die heile CSU-Welt. Der nächste Blockbuster kann kommen.

Man freut sich auch mal auf eine söderlose Zeit, weg vom Wahlkampf in der Fußgängerzone: Es ist Samstagabend, Prime-Time im Lichtspielhaus. "Ballon" von Michael Bully Herbig läuft im Altstadtkino Union. Da schmiegt man sich in den weichen Kinosessel, atmet die klebrig-süße Popcornluft, und der Alltagseskapismus kann beginnen - Film ab. Doch er ist schon da: metergroß, in High Definition und schaut dir in die Augen. Ihm entkommt man einfach nicht: Söder.

Plötzlich wird das Kino schwarz. Und das Licht geht auch noch aus. Die Leinwand zeigt einen Kinosaal, Besucher zwängen sich durch die Reihen. "Popcorn vergessen", entschuldigt sich ein Pärchen. Der Ministerpräsident dreht sich um: "Man kann vieles vergessen, aber bitte nicht die Landtagswahl", und bietet mit gönnerhaftem Lächeln sein Popcorn an. "CSU" prangt auf der Leinwand. Lacher im Publikum, kurzes Aufatmen. Und dann kommt er nochmal: Jetzt greift er in das Popcorn der Frau neben ihm, das er ihr davor noch so galant gegeben hat. Aha, zählt wohl zu Zeiten der inneren Sicherheit als straffreier Mundraub. Das lassen wir mal unkommentiert.

"Das war das Gruseligste am Film", raunt ein junger Mann in der letzten Reihe. Aber vielmehr stellt sich die Frage, ob der Wahlspot nicht doch Teil des eigentlichen Films von Michael Bully Herbig ist - und es statt einer Flucht aus der DDR um die Flucht aus dem Kinosaal geht. Wie war das gleich nochmal beim ersten Film der Geschichte "Ankunft eines Zuges auf dem Bahnhof in La Ciotat " anno 1895 von den Brüdern Lumières? Fluchtartig hätten damals die Zuschauer den Saal verlassen. Na, wenigstens war das ein Stummfilm!

Markus Söder hat Recht: Man kann wirklich viel vergessen, aber nicht diesen Wahlspot mit ihm in der Paraderolle! Oscarreif! Wir sind gespannt auf den Showdown. Bis zum Sonntag - Hasta la vista.