Genau wie wir in unserer Redaktionsstube treffen sich auch die Ingolstädter Wildkaninchen jeden Morgen auf einer Wiese am Rande des Klenzeparks. Sie sitzen im Kreis und spitzen aufmerksam die Löffel, wenn ein Störenfried wie unsereins mit dem Fahrrad an ihnen vorbeirauscht. Ob sie, wie wir wenig später, das Tagesprogramm besprechen, können wir bestenfalls erahnen. Vielleicht geht es aber auch um die Ruhestörung durch Radfahrer oder irgendwelche Menschen mit Smartphones in der Hand, die am Sonntagmorgen einmal mehr den Klenzepark nahe der Saturn-Arena belagert haben. Oder um nächtliche Partys im Park, die Meister Lampe und Konsorten jedes Wochenende den Schlaf rauben.

Ob sie über ihre eigenen Probleme sprechen oder sich - wie bei Erich Kästners Roman "Die Konferenz der Tiere" über die Weltpolitik austauschen, wissen wir nicht. Sollte Letzteres der Fall sein, kam uns unlängst die Legende vom Massenselbstmord der Lemminge in den Sinn, die sich angeblich kollektiv die Schlucht runterstürzen, was sie in Wirklichkeit übrigens gar nicht tun. Weil wir letzte Woche auf dem Weg zur Arbeit morgens kein einziges Wildkaninchen angetroffen haben, haben wir uns echt Sorgen gemacht. Bis eines Abends in der Dämmerung eine ganze Horde, durch irgend etwas aufgeschreckt, vom kühlen Unterschlupf unter einem Gemäuer quer über den Rasen an uns vorbei gehoppelt ist. Gott sei Dank, haben wir uns gedacht, sie sind noch da!

Offenbar machen es die Tiere wie viele von uns Menschen. Wenn die Hitze draußen nicht mehr auszuhalten ist, verkriechen sie sich in kühlere Gemäuer. Wir können den Wildkaninchen angesichts der derzeitigen Hitzewelle nur raten: Haltet die Löffel steif. Es kommen auch wieder andere Tage.