So schön wie früher
Freiheit nach tristen Jahren: Ingolstadt feiert Stadtfest

10.07.2022 | Stand 22.09.2023, 21:22 Uhr

Riesenstimmung im voll besetzten Schlosshof: Zwei Musikerinnen aus der Donikkl-Crew rissen mit ihren heiteren Liedern viele Kinder und auch manche Eltern mit. Fotos: Eberl

Wo sind nur all die Autos hin? Die Besucherinnen und Besucher des Stadtfests erleben eine reizvolle Zukunftsvision für die Schleifmühle: parkplatzlos und voller Leben.



Während das Fest am frühen Samstagnachmittag gemächlich anläuft, ist hier schon fast alles voll: Die Bänke und der Platz vor der Bühne, bespielt von der Siebenbürgen Banater Blaskapelle und betanzt von der Jugend der Siebenbürger Sachsen, die kräftig beklatscht wird.

Nach ihnen könnte der künstlerische Kontrast kaum größer sein: HipHop. Aber es kommt zu keinem erkennbaren Publikumswechsel; man bleibt gerne sitzen. Die große Bandbreite der Musikbeiträge gefällt sichtlich allen.

Auch die jungen HipHopper des Studios Basement Performing Arts werden vom ersten Beat an von der Menge bejubelt. Gut 50 Mädchen „und ein paar Jungs“, erzählt Trainerin Jessi Grau. „Diese Kulisse ist einfach super!“ Die Tänzerinnen seien „natürlich aufgeregt, weil wegen Corona viele heute das erste Mal in ihrem Leben auftreten“. Um so mehr genießen die Kinder und Jugendlichen den riesigen Beifall für ihre gelungenen Performances.

Corona hat gedanklich Pause

Ein Stück weiter in der Kanalstraße geht es mittelalterlich und beschwingt orientalisch zu. Die Frauen der Ya Salam Dancers bereiten sich auf ihren Auftritt vor. Schon der Start am Freitagabend sei ein wunderbares Erlebnis gewesen, erzählen Andrea und Angelika: „Die Leute sind gut mitgegangen und haben sich im Takt der Musik bewegt.“

Süleyman Delican schlendert mit seiner Tochter Merida (9) beseelten Blicks Richtung Kreuztor. „Das Essen ist vom Feinsten und die Schausteller sind toll“, erzählt er. „Wir sind froh, dass wir wieder ein bisschen rausgekommen sind!“ Glücklich lassen sich Vater und Tochter weiter durch den Trubel treiben.

Die neue Freiheit nach tristen Jahren. Sie erfüllt gewiss die allermeisten mit Freude. Auch wenn die Inzidenzen wieder steigen – Corona hat gedanklich erst mal Pause.

Die zuvor leidgeprüften Gastronomen berichten von starker Nachfrage. „Abends war der Andrang groß“, sagt Bernhard Haag, der Backwaren wie Speckfleckerl oder Olivenbrot anbietet. Er lobt die „tolle Musik“. „Es ist ein schönes Fest!“, erzählt auch Daniel Sierck, Chef der Bar Seven Heaven, während er einige Mojitos zubereitet.

Das Stadtfest ist an allen Tagen sehr gut besucht, aber nicht überfüllt. Vor den Bühnen, auf denen mitreißende Bands spielen – und das sind viele – geht es natürlich eng zu. Am Samstagabend feiert das Publikum die Shows von El Flecha Negra, Captain’s Boc, Kapuze und anderen. Am Sonntag klingt das große Fest der Stadt gemütlich aus. Es war wieder so schön wie früher. Endlich.

DK



Fazit des Festveranstalters

Die Zeit war knapp, um das Fest zu organisieren. Wegen Corona ähnelten die Vorbereitungen zunächst einem Blindflug: Kann überhaupt gefeiert werden? Wird es im Juli noch Auflagen geben? Doch alles ging gut. Sehr gut sogar.

In den vergangenen Monaten, Wochen und Tagen sei „sehr viel in sehr kurzer Zeit organisiert worden“, berichtete Kulturamtsleiter Tobias Klein am Sonntagnachmittag auf Anfrage. Er strahlte, als er das Stadtfest bilanzierte: „Es war sehr schön und friedlich.“ Angesichts der Massen in der Stadt – er schätzt die Zahl der Besucherinnen und Besucher an den drei Tagen insgesamt auf gut 100000 – sei wirklich sehr wenig vorgefallen, wie der Bericht der Polizei bestätigt. Klein: „Ich danke allen herzlich, die zum Erfolg dieses Fests beigetragen haben!“

Der Kulturamtsleiter hebt hervor, dass die Schleifmühle – erstmals Festschauplatz und Treffpunkt für Wein-Freunde – beim Publikum toll ankam. „Ich freue mich, dass das funktioniert hat. Eine sehr schöne Ecke! Auch der Carraraplatz war voll. Wir sind froh, ihn mit rein genommen zu haben.“

Eine Änderung im Konzept habe sich bewährt, so der Kulturamtsleiter: Entzerrung. Diesmal gab es zwischen dem Kreuztor und dem Schloss keine Bühne. „Das hat zu einem besseren Fluss geführt.“ Früher stand immer eine Bühne vor dem Tam Tam (Ex-Sausalitos) und eine ein Stück weiter. Die hätten wie Pfropfen im Strom der Besucher gewirkt. Das habe man heuer vermieden. Klein sah auch zu seiner Freude, wie munter es im Hof des Schlosses rund ging. Auch am Sonntagnachmittag wogte dort ein Fest der Kinder.

Sein Fazit: „Man hat es sehr vielen Besuchern angemerkt, dass sie sich freuen, dass wieder ein großes Fest stattfindet.“ Der Name Stadtfest soll eine Ausnahme bleiben. Man habe ihn gewählt, um auch das Jubiläum „550 Jahre Hohe Schule“ zu würdigen. „Nächstes Jahr gibt es turnusmäßig wieder ein Bürgerfest“, kündigte der Kulturamtsleiter an.

Die FDP hat am Sonntag beantragt, das Bürgerfest jährlich stattfinden zu lassen, also nicht im Wechsel mit dem Herzogsfest wie seit 2008.

sic