Sportliche Therapie mit Spaßfaktor
Seit 2022 gibt es in Ingolstadt einen PingPongParkinson-Stützpunkt beim SV Zuchering

18.10.2023 | Stand 18.10.2023, 11:27 Uhr

Die PingPongParkinson-Gruppe trifft sich dienstags und freitags um Reinhard Kaltenegger (rechts) zum gemeinsamen Tischtennistraining beim SV Zuchering. Foto: Kaczynski

Immer dienstags und freitags trifft sich eine gemischte Gruppe in der Ballspielhalle der Grundschule Zuchering, um einer ganz besonderen Sportart nachzugehen: dem PingPongParkinson.

Worum es geht, erklärt Reinhard Kaltenegger, der vor über zehn Jahren die Diagnose Parkinson erhalten und das Training ins Leben gerufen hat: „Im Oktober 2021 bin ich erstmals mit dem Thema Tischtennis bei Parkinson in Berührung gekommen und war total überrascht: An der Platte hat man kaum noch Symptome und die Hand-Auge-Koordination verbessert sich immens – mich hat die Wirkung sofort komplett überzeugt“, erzählt der gebürtige Zucheringer von seinen ersten Erfahrungen.

Durch die Konzentration auf den Ball und die notwendige Reaktionsschnelligkeit verlangsame sich bei regelmäßigem Training das Fortschreiten der Krankheit, ist sich der Ingolstädter sicher: „Mein Neurologe ist mit mir hochzufrieden und macht inzwischen selbst Werbung für PingPongParkinson“, berichtet er.

Also informierte sich Kaltenegger umfassend über die Materie und gründete im Januar 2022 den PPP-Stützpunkt, der der Tischtennis-Abteilung des SV Zuchering angegliedert ist. „Als uns Reinhard dieses Projekt vorgestellt hat, mussten wir nicht lange überlegen, sondern waren sofort begeistert“, blickt Matthias Marberger, stellvertretender Leiter der Tischtennisabteilung, zurück. „Es ist eine tolle Sache und eine Bereicherung für den ganzen Verein.“ Trotzdem blieb Kaltenegger zunächst der einzige PingPongParkinson-Spieler. Er konnte zwar jederzeit mit den Mitgliedern der Tischtennisabteilung trainieren, doch an Schicksalsgenossen, mit denen er eigentlich zusammenspielen wollte, fehlte es. „Die Menschen ziehen sich nach der Diagnose Parkinson und der Zunahme der Symptome zurück und versinken in der Isolation“, beschreibt Kaltenegger die Gründe. „Es ist sehr schwer, sie da wieder rauszuholen. Habe ich sie allerdings erst einmal an der Platte, bleiben sie auch dabei, denn PingPongParkinson macht süchtig!“, lacht der Zucheringer, dessen Werbung für die Sportart schließlich Erfolg hatte.

Alle sind überzeugt vom positiven Effekt



Mittlerweile zählt die Gruppe zwölf Mitglieder. Auch wenn viele zu Beginn skeptisch waren, ob Tischtennis tatsächlich eine Wirkung auf das Krankheitsbild hat, sind inzwischen alle überzeugt vom positiven Effekt und kommen regelmäßig zum Training – und zum gemeinsamen Austausch über alle Themen rund um Parkinson, was die PPP-Einheiten zusätzlich zu einer Art Selbsthilfegruppe macht.

Fünf Platten sind dann oft belegt – und der Platz in der Halle wird langsam eng: „Schließlich ist die Tischtennis-Abteilung gleichzeitig da“, sagt Kaltenegger, der für die stets tatkräftige Unterstützung des SV Zuchering sehr dankbar ist: „Hier wird echte Inklusion gelebt!“ Das bestätigt auch Marberger: „Wir trainieren gemeinsam, sitzen auch danach zusammen: Es ist ein schönes Miteinander – gemäß dem Motto: Parkinson ist nicht ansteckend, Tischtennis schon“, sagt der Abteilungsleiter mit einem Schmunzeln.

Schweregrad der Krankheit berücksichtigt



Und wie funktioniert dieser Sport? „Die Regeln sind die gleichen wie beim Tischtennis, es gibt jedoch einige Erleichterungen. Je nach Beeinträchtigung darf man sich etwa auf die Platte lehnen oder auf einem Stuhl sitzen, zudem erfolgt bei Wettkämpfen eine Einteilung in Gruppen, die den Schweregrad der Krankheit berücksichtigt“, erklärt Kaltenegger, der sich gemeinsam mit Marberger ein weiteres Anwachsen der PPP-Gruppe wünscht, die bereits vom Coaching durch die Trainer der Tischtennisabteilung mächtig profitiert und inzwischen richtig erfolgreich geworden ist: Gerade hat Reinhard Kaltenegger mit seinem italienischen Partner Franco di Lena bei der Weltmeisterschaft im österreichischen Wels die Goldmedaille im Doppel gewonnen, seine beiden Zucheringer Teamkollegen Franz Kirzinger und Erich Schragner landeten auf einem respektablen fünften Platz: „Das war ein absolutes Wahnsinns-Erlebnis“, sind Kaltenegger & Co. noch immer überwältigt.

Alle Parkinson-Patienten sind beim PPP-Training herzlich willkommen, besondere Vorkenntnisse oder eine Ausrüstung sind nicht erforderlich. Das Training findet Dienstag und Freitag ab 19 Uhr in der Ballspielhalle der Grundschule Zuchering statt. Kontaktaufnahme über reinhard.kaltenegger@web.de.

DK