Pförring

„Seelenmassage“ auf 135 Kilometern

Wallfahrer aus Pförring zum 38. Mal auf dem Weg zur Muttergottes nach Altötting

10.06.2022 | Stand 10.06.2022, 21:26 Uhr

Mit Fahne und Holzkreuz begaben sich in aller Herrgottsfrüh 130 Pilger auf den 135 Kilometer langen Weg. Fotos: Schöberl

Wallfahrer aus Pförring und Umgebung machten sich am Pfingstwochenende – nach zwei Jahren Pandemie-bedingter Pause – wieder auf den Fußweg nach Altötting. In aller Herrgottsfrüh trafen sich diesmal rund 130 Pilger, um gemeinsam den 135 Kilometer langen Weg zu gehen. Heuer wollten die Organisatoren rund um Johann Schmidt den Rahmen etwas kleiner halten; sie verzichteten auf eine aktive Bekanntmachung und verschickten nur den Teilnehmern der vergangenen Jahre per E-Mail eine Einladung.

Die Streckenführung, die Aufteilung in zehn etwa gleich lange Marschetappen – verteilt auf zweieinhalb Tage – und nach jeder Etappe eine rund einstündige Pause: All das hat sich bewährt, sodass die Wallfahrt auch als Nicht-Sportler sehr gut absolviert werden konnte. Der Fußweg führte über wenig befahrene Teerstraßen, großteils dann auch über Feld- und Waldwege oder auch Trampelpfade durch den Wald. Die „Wegescouts“ um Johann Schmidt und Sohn Markus haben im Laufe der Jahre jede Möglichkeit ausgereizt und vermutlich das Feldwegenetz zwischen Pförring und Altötting entlang der Strecke verinnerlicht.

Zu den Pausen suchten die Pförringer in aller Regel ein Gasthaus oder auch ein Vereinsheim auf, mitunter auch ein Privatanwesen, wo sich einheimische Wirte, Vereine oder Privatpersonen um die Verpflegung der Pilger kümmerten. In einem Begleitfahrzeug fuhren wieder einige Sanitäter mit, die sich der gesundheitlichen Belange annahmen, wenn es mal galt, eine Blase aufzustechen oder die Füße anderweitig zu versorgen. Das Altersspektrum der Teilnehmer erstreckte sich von 16 bis 70 Jahre. Dabei ist nicht nur das Teilnehmerfeld generationsübergreifend – dasselbe gilt auch für die Organisatoren. Mittlerweile sind die Kinder der „Gründerväter“ um Johann Schmidt sowie Martin und Johannes Ott integriert – sei es in der Organisation, beim Vorbeten und Vorsingen oder beim Musizieren in den Gottesdiensten.

Da die Pilger heuer nur mit einer (statt bisher zwei) Gruppen unterwegs waren, übernahmen Martin Ott (bisher Gruppe I) und Michael Walser (bisher Gruppe II) gemeinsam den Part als Vorbeter. Es hat mittlerweile ebenfalls Tradition, dass Johannes Ott tagsüber verkehrstechnisch das Ende des Zuges absichert und abends – jeweils nach dem Gottesdienst – an den Zielorten in Eugenbach und Lohkirchen mit einigen Worten auch ein kleines Tagesresümé zieht.

Vor der Kirche warteten jeweils schon die privaten Quartiergeber, bei denen die Pilger jeweils für eine Nacht zu Gast blieben. Am nächsten  Morgen (um 5.30 Uhr beziehungsweise am Montag um 5 Uhr) ging es dann zu Fuß weiter. „Diese dreitägige Auszeit ist wie eine Seelenmassage“, sagte eine 30-jährige Frau, die schon seit einigen Jahren dabei ist.

Das Wetter war heuer für die Wallfahrt ideal – zumindest die meiste Zeit. Lediglich am Sonntagabend zog kurz vor dem Zielort Lohkirchen ein Gewitter auf, die Wallfahrer fanden Schutz in einem der zahlreich auf dem Wege liegenden Weiler und Gehöfte. Vom Zielort Lohkirchen rückten sogleich einige Busse und Privatfahrzeuge der Quartiergeber an und holten die Pilger ab. Es hat ohnehin Tradition, dass seit Beginn der Pförringer Wallfahrt im Jahr 1983 die Unterbringung bei Privatleuten erfolgt. Ein Pilger nahm es mit Humor: „Ich hätte nie gedacht, dass die Wirkung unseres Gebets für gedeihlichen Regen so schlagartig einsetzt!“

Die Tagesetappen betrugen am Samstag etwa 52 Kilometer, am Sonntag 48 Kilometer und die restliche Strecke legten die Pförringer dann am Montagvormittag zurück. Um 5 Uhr früh ging es da los: Der Fußmarsch führte an Mühldorf vorbei, nach einer letzten Ruhepause in Töging am Inn zogen die Pförringer gegen Mittag in Altötting ein, wo nicht nur die Angehörigen warteten, sondern in der Pfarrkirche St.Josef auch Martin Ott mit seinen Musikern und Sängern. Es ist jedes Mal ein akustischer und emotionaler Höhepunkt, wenn er mit seinem Orchester vor mehreren Hundert Besuchern den Abschlussgottesdienst gestaltet. Zelebriert wurde die Messe auch heuer wieder von Thomas Vogl, Pfarrer in Waldsassen, der sehr gute Kontakte zu den Pförringern hat und jedes Jahr zum Abschlussgottesdienst anreist.

DK