Die Festivalreporterinnen
Schwanensee im Freibad: SETanztheater bespielt urbane Räume mit Ballett

12.06.2024 | Stand 12.06.2024, 8:06 Uhr |

„Schwanensee“ aus heutiger Perspektive: Auf den „Tiny Stages“ bringen die Tänzerinnen und Tänzer des SETanztheaters Nürnberg klassischen Tanz in urbane Räume. Foto: Lechner

Zu sehen sind sie nicht auf den großen Bühnen Ingolstadts – ihre Bühne ist die Stadt selbst. Die Künstlerinnen und Künstler des SETanztheaters aus Nürnberg bringen in ihrem Stück „Principle.Swan-Shake“ das Theater zu den Menschen auf die Straßen.

Etwas verwirrt steht eine kleine Gruppe am Freitagmittag vor dem Freibad in Ingolstadt. „Sind wir hier richtig?“, hört man ein Ehepaar eine Angestellte des Freibads fragen. Diese nickt nur, öffnet die Schranke und lässt die beiden ohne Bezahlung hinein.

Denn sie sind nicht hier, um sich im Wasser abzukühlen oder die Sonne auf der Liegewiese zu genießen. Sie sind da, um ins Theater zu gehen.

Im Freibad selbst scheint alles wie immer, wenn es auch noch nicht stark besucht ist an diesem Freitag um kurz vor 14 Uhr. Kinder planschen mit ihren Eltern im Nichtschwimmerbecken, einige sonnen sich auf der Wiese und Senioren schwimmen ihre Bahnen.

Theaterbesucher auf der Liegewiese

Doch auf einmal wird die vertraute Szenerie jäh unterbrochen. Es erklingt atmosphärische Musik durch das Freibad und eine Stimme kündigt über Lautsprecher an: „In fünf Minuten geht es los!“

Nun blicken die Gäste des Schwimmbads verwirrt, während die Gruppe der Theaterbesucher zielstrebig auf die Liegewiese inmitten der Schwimmbecken zugeht.

Im Schatten der Bäume findet heute eine Vorstellung der besonderen Art statt: Die drei Tänzerinnen Delia Albertini, Hollie Lily-Anna Tuxford und Kate McDonald sowie der Tänzer Filip Löbl des SETanztheaters aus Nürnberg zeigen dort eine Interpretation des Ballettklassikers „Schwanensee“ von Tschaikowsky. Mit dem etwa elfminütigen Stück will das Kreativteam laut eigenen Angaben die romantische Vorlage aus heutiger Perspektive überdenken.

Sie tanzen da, wo die Leute sind

In weißen Kostümen mit bunten Akzenten aus Tüll, konzipiert von der Designerin Karin Schneider, tanzt das Quartett auf sogenannten „Tiny Stages“, also kleinen Bühnenpodesten mit einer Reling aus Metall, während sich im Hintergrund die Klänge des Freibads mit der Musik der Leipziger Komponistin Friederike Bernhardt aus den großen Musikboxen vermischt.

Durch beeindruckende Bewegungen, mal alleine, mal als Paar, entführen die drei Tänzerinnen und der Tänzer ihr Publikum in die Welt des Balletts – inmitten des Trubels des Alltags im Freibad.

Zwischen dem 6. und 8. Juni hat die Gruppe ihre Inszenierung an den verschiedensten Plätzen in Ingolstadt gezeigt. Ob auf dem Campus der Technischen Hochschule oder mitten in der Fußgängerzone, „wir gehen dahin, wo viele Leute sind“, sagt der Choreograph Sebastian Eilers.

Dass an diesem Freitagmittag allerdings nicht viele Menschen im Freibad sind, das könne man natürlich nicht im Voraus wissen, so Eilers. Denn neben ein paar Freibadbesuchern haben sich nur etwa 20 Gäste zur Vorstellung eingefunden.

Aufführungen in der Innenstadt waren gut besucht

Vielleicht liege es am schlechten Wetter der letzten Tage mit Starkregen und Hochwasser, überlegt er.

Dennoch könne er sich nicht über zu wenig Zuschauer beklagen. Die letzten Aufführungen, vor allem in der Innenstadt, seien sehr gut besucht gewesen. „Es wäre natürlich schön gewesen, wenn heute trotzdem mehr los gewesen wäre“, meint ein weiteres Mitglied des Kreativteams abschließend.

„Mit dem Wasser hier im Freibad und unserem Stück Schwanensee ist das nämlich schon sehr passend.“ Doch in ein paar Stunden werden sie an einem anderen Ort wieder die Gelegenheit haben, Menschen aus ihrem Alltag heraus in die Welt des Balletts zu ziehen.

von Jannika Lechner