Manching
Runder Tisch zum Thema PFAS: Informativ, fair, respektvoll

Informationsveranstaltung am und beim Flugplatz Manching

07.07.2022 | Stand 22.09.2023, 21:30 Uhr |

In der gut warmen Mehrzweckhalle hielten es die Redner und Besucher beim Runden Tisch zum Thema PFAS/PFC über zwei Stunden aus. Fotos: Schmidtner

Das Problem ist nicht gelöst, noch lange nicht. Aber die Lösungsansätze, die am Dienstagabend bei einem Runden Tisch zum Thema PFC (PFAS) aufgezeigt wurden, machen Hoffnung auf ein positives Ende der vom Flugplatz Manching ausgehenden Grundwasserverschmutzung.

In die Mehrzweckhalle der Schule am Lindenkreuz waren gut 100 Zuhörer gekommen: Menschen, die Angst vor dem verunreinigten Wasser haben, Mitglieder der Bürgerinitiative, nach wie vor verunsicherte Anwohner sowie Fischer oder Landwirte. Auf dem Podium stellten sich Vertreter aus der Politik, von der Bundeswehr, vom Staatlichen Bauamt, vom Landratsamt oder auch vom Landesamt für Gesundheit den Fragen (siehe Kasten).

Geladen hatte das Landratsamt Pfaffenhofen, also Landrat Albert Gürtner (FW). Er wünschte sich und den Besuchern, dass es ein interessanter Abend werden möge, dass am Ende alle zufrieden nach Hause gehen würden und dass an dem Abend in Sachen Sanierung Licht am Horizont zu sehen sei.

Michael Gierig vom Landesamt für Umwelt (LfU), bayernweit in Sachen PFAS unterwegs, zudem anerkannt und angesehen, erzählte, dass es beim PFAS (identisch mit PFC) punktuelle (zum Beispiel am Flugplatz Manching) oder diffuse Einträge (Bekleidung, Teppiche, Verpackungen, Imprägnierungen, Skiwachs) gebe, dass es bei diesem Thema um den tolerierbaren Aufnahmewert durch Menschen gehe und dass es zum Januar 2023 neue Bewertungen und Leitlinien sowie EU-Beschränkungen geben soll.

Caroline Herr und Holger Knapp vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) erklärten, wie das PFAS an den Menschen kommt (über verschiedene Umweltmedien) und dass die Aufnahme über das Trinkwasser oder durchs Baden „nicht relevant“ für die Bevölkerung sei. Relevant sei die Aufnahme zum Beispiel über den Verzehr von Fischen aus belasteten Gewässern. Durch die Empfehlung des Landratsamts, diese Fische nicht zu essen, sei dieser Pfad gekappt. Obst sei untersucht worden: „Manches ist ohne Befund, in manchem ist es nachweisbar. Aber es besteht keine Gesundheitsgefahr.“ Bei Untersuchungen fielen laut Herr bei vier Personen im und abseits des Abstrombereichs des verseuchten Grundwassers vier Werte auf: Drei abseits der Abflussrichtung lebende Personen lagen über dem Vorsorgewert, der vierte im Abflussbereich darunter. Herr und Knapp betonten, man könne sich mit Sorgen jederzeit beim LGL melden und um ein Gespräch bitten.

Thomas Backes vertrat die Bundeswehr, die als Verursacher der Grundwasserverseuchung gilt. Er zählte auf, wo und wieviele Bohrungen genommen wurden, blickte von der Alten Feuerwache (wo der Löschschaum vor allem in den Boden eindringen konnte) bis zum Pump-and-Treat-Verfahren. Er sagte, die Filterung, zum Beispiel mit Aktivkohle, könne das Wasser vom PFC reinigen. Für die Installation der Abstromsicherung sei der Auftrag vergeben, so Backes. Thomas Sendtner und Nicole Poloczek vom Staatlichen Bauamt Ingolstadt, das die Baumaßnahmen für die Bundeswehr durchführt, sprachen vom Zeitrahmen, von drei Phasen und davon, dass man guter Dinge sei, dass man schnell genug vorankomme.

Fragen und Wünsche beim Runden Tisch

Nach den Vorträgen der Spezialisten gab es eine mit Spannung erwartete Fragerunde. Die Einwürfe der Besucher waren zum Teil sehr direkt, wurden mitunter auch betont gestellt und es wurde gezielt nachgehakt. Aber die Diskussion blieb fair, sachlich und respektvoll – trotz des emotionalen Themas.

Einer Dame war das Monitoring im Abstrombereich wegen der geringen Personenzahl zu wenig fundiert. Es bestehe keine Gefahr für den Menschen, versicherte Caroline Herr vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Eine weitere Frage zielte auf das Inverkehrbringen von eventuell Belastetem ab. Man brauche ein Untersuchungsergebnis und eine Bescheinigung für den Verkauf. Applaus. Katharina Baschab vom Landratsamt erklärte, Unternehmen hätten die Pflicht, selbst dafür zu sorgen, dass ihre Waren einwandfrei seien. Pfiffe.

Zwischendurch versprach Landrat Albert Gürtner, das mittlerweile beendete Monitoring fortzusetzen. „Wir werden eine Lösung finden.“

Wie lange die Bauphase dauert, wenn im September 2023 begonnen wird, konnte Thomas Sendtner vom Bauamt nicht genau sagen. Aber: Die bestmögliche Anlage werde in einem überschaubaren Zeitraum aufgestellt. „Es wird sicher kein halbes Jahr dauern. Aber ich kann nichts versprechen.“

Wie die Sanierung außerhalb des Flugplatzes aussieht, konkretisierte Thomas Backes von der Bundeswehr. Mit einer Bodengalerie, die den Abfluss unterbinden könnte. Integriert ins Gesamtkonzept. Wann? „Das kann ich nicht sagen.“ Zuruf aus dem Publikum: „Sie spielen auf Zeit.“

Manchings Bürgermeister Herbert Nerb hätte gerne jemanden gefunden, der aus dem Gebot, den Fischverkauf betreffend, ein Verbot macht. Es fand sich auf der Bühne – wenig überraschend – keiner, der Verantwortung (und dadurch die Regressansprüche) übernimmt. Juristin Baschab: „Diese Art des Verbots ist nicht möglich.“ Landrat Gürtner: „Wenn ein Fischer normalerweise seinen Fisch verkauft, müssen wir es ihm verbieten.“

Dass ein voller Flutpolder bei Großmehring in Zusammenhang mit PFC für Probleme sorgen könne, verneinte Johanna Schwarz vom Wasserwirtschaftsamt Ingolstadt: „Nein, es gibt keine Auswirkungen.“