Konzert-Vorschau
Musik im Krieg

GKO-Konzertführer: Ilya Gringolts spielt Hartmanns „Concerto funebre“

14.03.2023 | Stand 17.09.2023, 0:59 Uhr

Ilya Gringolts. Foto: Kikkas

Ingolstadt – Der 24. Februar 2022 hat die Welt verändert. Erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg hat eine Nation ein anderes Land in Europa angegriffen. Seither tobt in der Ukraine der russische Angriffskrieg. Schlimmste Erinnerungen werden wieder wach. 1. September 1939: Nazi-Deutschland überfällt Polen und entfesselt den Zweiten Weltkrieg. In dieser finsteren Stunde komponiert Karl Amadeus Hartmann sein „Concerto funebre“ für Violine und Streichorchester.

Der Münchner Komponist, nach dem Krieg auch bekannt als Begründer der Reihe „musica viva“ des Bayerischen Rundfunks (BR), hat schon immer mit der NS-Ideologie gefremdelt. Seit Hitlers Machtantritt ist seine Musik verboten. Der „entartete Komponist“ wirkt aus dem inneren Exil heraus. Für Hartmann ist klar, was der deutsche Angriff auf Polen bedeutet.

Sein „Concerto funebre“, interpretiert an diesem Donnerstag von Ilya Gringolts und dem Georgischen Kammerorchester (GKO) unter Ariel Zuckermann, ist ein pechschwarzer Kommentar. „Was uns Gleichgesinnte lediglich erbitterte, das zwang ihn, seinen Zorn und seine abgrundtiefe Trauer in Tönen mitzuteilen“, so sein Freund Max See. Ursprünglich hieß das Werk „Musik der Trauer“.

Als es Hartmann 1959 geringfügig revidierte, änderte er den Titel in „Concerto funebre“. Kernstück des viersätzigen Werks ist der letzte Satz. Er ist bezeichnet mit „Choral. Langsamer Marsch“. Hier zitiert Hartmann den Trauer-Choral „Unsterbliche Opfer“, ein in Osteuropa bestens bekannter Revolutionsgesang. Es gilt als sicher, dass Hartmann diesen Choral durch seinen Mentor, den Dirigenten und Publizisten Hermann Scherchen, kennen gelernt hatte.

Diesen Trauer-Choral hatte Scherchen erstmals in Russland gehört, als Kriegsgefangener im Ersten Weltkrieg. In Russland wurde er erstmals 1905 genutzt, um den Opfern des niedergeschlagenen Aufstands zu gedenken. In diesem Kontext zitiert ihn auch Dmitri Schostakowitsch in seiner Sinfonie Nr. 11 von 1957. Bei Hartmann wird der Choral zum Klagegesang auf eine ganze Epoche und Welt: erschreckend aktuell.

DK


Das GKO-Konzert am Donnerstag im Ingolstädter Festsaal beginnt um 20 Uhr mit einem legeren „Talk auf der Roten Couch“ um 19.30 Uhr als Einstimmung. Weitere Infos und Karten unter Telefon (0841) 3052822 sowie https://georgisches-kammerorchester.de.