Eitensheim

Mit Video: Auf der Suche nach Granaten

Kampfmittelerkunder suchen an der B 13 nach Blindgängern zur Vorbereitung für die Arbeiten am Radweg

22.02.2022 | Stand 22.02.2022, 18:10 Uhr

Zuerst suchen Kampfmittelerkunder nach Störpunkten. Diese werden dann mit pinken Fähnchen markiert. Mit einem Bagger heben die Experten schließlich die Erde an, um zu sehen, was sich darin verbirgt. Fotos: Schabenberger

Die beiden Kampfmittelerkunder durchforsten eine Fläche entlang der B 13 zwischen Eitensheim und dem Tauberfelder Grund – dort, wo der neue Radweg entstehen soll. Denn historische Zeugnisse haben laut Bauoberrätin Elena Merk vom Staatlichen Bauamt Ingolstadt ergeben, dass im Südabschnitt des Projektgebiets auf etwa 600 Metern das Risiko besteht, auf blindgegangene Geschützgranaten zu stoßen. Das geht aus Dokumenten zum Zweiten Weltkrieg hervor, die von Luftangriffen und Schießereien berichten.



Um die Gefahrenquellen aus dem Boden zu holen und so die Bauarbeiter, die später anrücken, vor potenziellen Gefahren zu schützen, sondieren Weimann und Penn jeden Zentimeter. Mit pinken Fähnchen stecken sie sich Laufrouten ab. Dann wandern sie los, mit der Sonde in der Hand, vom einen Ende des Felds zum anderen. Ein monotones Ticken zeigt an, dass die Sonde in Betrieb ist – schlägt sie aus, wird die Stelle mit einem Fähnchen markiert. Schließlich stecken einige Fahnen im Boden, Penn holt den Bagger. Wenn er etwas Erde ausgehoben hat, sondiert Weimann per Hand nach. Und so nähern sie sich Stück für Stück den Störpunkten, wie sie im Fachjargon genannt werden, an. Was die Männer unter der Erde erwartet, wissen sie vorher nicht, erklärt Penn: „Die Sonde reagiert auf alles, was eisenhaltig ist. Damit ist der Boden wie ein Überraschungsei.“ Genau diese Abwechslung reizt Penn an seinem Beruf. „Jeden Tag sind die Gegebenheiten anders.“ Auf alle Eventualitäten bereitet eine dreimonatige Schulung vor. Denn die Männer können nicht nur alte Batterien, Bolzen oder „alles, was so vom Bulldog fällt“, wie Weimann beschreibt, finden, sondern auch Granaten. Trotzdem hätten sie, sagt Penn, „einen ganz normalen Job“. „Auch ein Fensterputzer kann von der Fassade fallen.“ Und Weimann fügt witzelnd an: „Das Gefährlichste bei uns ist vermutlich die Anfahrt.“

Um die Fläche, auf der der Radweg entstehen soll, zu sondieren, brauchen die beiden Männer vermutlich zwei Tage. Pro Tag legen sie dafür zwischen zehn und zwölf Kilometer zu Fuß zurück. „Da brauchst du kein Fitness-Training“, stellt Penn fest. Die Sonde liegt schwer in der Hand, gerade auf dem matschigen Acker ist das Gehen anstrengend: „Und am Abend bis du zehn Zentimeter größer, weil dir der Dreck an den Schuhen klebt.“ Aber die Bewegung hilft gegen die Kälte, denn der Wind pfeift über die Flur. Doch auch mit ihren Outfits haben die Männer vorgesorgt. Wenn Penn seine Jacke öffnet, blitzen darunter noch mehrere hervor: „Zwiebel-Look.“ Weimann zählt sechs Kleidungsschichten.

Am Ende des Tages wird alles, was handhabungsfähig ist – das ist laut Penn am Zünder ersichtlich –, von der Baustelle abtransportiert: „Alles, was nicht handhabungsfähig ist, muss vor Ort entschärft oder gesprengt werden.“ Und so durchkämmen die beiden Männer Stück für Stück das Gebiet und lassen die Sonde piepen, um alle potenziellen Gefahren aufzuspüren.

DK