Ingolstadt

Lieber Parkplätze als Kita-Plätze

SV Hundszell und BZA Südwest sind gegen Pläne der Stadt an der Lechermannstraße

29.06.2022 | Stand 29.06.2022, 7:30 Uhr
Sabine Kaczynski

Auf diesem Grundstück will die Stadt einen Kindergarten bauen. Der BZA Südwest ist aber dagegen, denn der SV Hundszell braucht dringend Parkplätze, die dort entstehen können. Foto: Eberl

Im Ingolstädter Südwesten heißt es: lieber mehr Parkplätze statt neuer Kita-Plätze. Selbst in der Autostadt Ingolstadt ein eher ungewöhnliches Meinungsbild. Konkret geht es um die Pläne der Stadt, auf einem Grundstück an der Lechermannstraße eine neue Kindertagesstätte zu errichten – direkt am Sportplatz des SV Ingolstadt-Hundszell. Der Verein fordert aber schon seit Jahren mehr Parkplätze genau auf dieser Fläche.

Im Bezirksausschuss Südwest trat der Konflikt offen zutage. „Unsere Mannschaft ist in die Kreisliga aufgestiegen, darum kommen jetzt auch mehr Besucher von auswärts“, sagte Horst Sebald, Vorsitzender des SV Hundszell und auch stellvertretender BZA-Vorsitzender. „Irgendwann wird die Situation dort eskalieren. Wir brauchen dringend vernünftige Parkplätze.“

Die Mitglieder des BZA Südwest schlossen sich der Meinung an. „Kindertagesstätten sollen bedarfsgerecht und wohnortnah errichtet werden“, erklärte Vorsitzende Claudia Majehrke. Im Umkreis von weniger als drei Kilometern gebe es insgesamt 24 Einrichtungen. „Wir sind gut bedient mit Kitas im Südwesten. Ich bitte daher, von dieser Planung abzusehen“, wandte sie sich an Bildungsreferenten Gabriel Engert.

Der beurteilt die Lage ganz anders und sprach von einer Unterversorgung mit Kita-Plätzen. Im Stadtbezirk Süd herrsche eine Abdeckung von nur 83 Prozent bei über Dreijährigen, im Südwesten sind es aktuell 95 Prozent. „In Knoglersfreude fallen aber die Container und damit die Krippengruppen weg: Dann wird der Bedarf steigen. Darum brauchen wir auf lange Sicht im Südwesten noch eine Einrichtung“, so der Bildungsreferent.

Engert sprach auch von den Problemen der Stadt, gerade im Süden und Südwesten Ingolstadts geeignete Grundstücke für Kitas zu finden. „Das ist für mich eine völlig neue Erfahrung, dass eine neue Kita unerwünscht ist.“ Ein Bürger gab dem Referenten recht: „Mia ham koane Grundstücke zum Saufuadern“, erklärte der Mann. Er könne die Verwaltung daher schon verstehen. Die neue Kita an der Lechermannstraße käme vielleicht auch den Zucheringern zugute.

Unter den BZA-Mitgliedern hingegen herrschte Einigkeit, es sei sinnvoller, eine neue Kita im Süden zu errichten. Es gebe auch ein geeignetes städtisches Grundstück in Zuchering beim Edeka Brück an der Weicheringer Straße, so Majehrke. Die mögliche Neueröffnung einer zweigruppigen Krippe in Zuchering würde die Situation im Bereich der unter Dreijährigen etwas entspannen.

Die Frauen an der Spitze der betroffenen CSU-Ortsverbänden gehen jetzt geschlossen gegen die Pläne der Stadt vor: Majehrke, Sabrina Pollin und Tanja Stumpf plädieren in einem Antrag an das Referat für Kultur und Bildung ebenfalls für eine weitere Kita im Stadtteil Süd. „Die Unzufriedenheit mit der Betreuungssituation im Stadtbezirk wird immer wieder in verschiedenen Gesprächen und auch im BZA thematisiert.“ Laut der letzten Stellungnahme des Amtes für Kinderbetreuung und Vorschulische Bildung konnten zum Stand November 2021 nur knapp 24 Prozent der unter dreijährigen Kinder und lediglich etwa 83 Prozent der über dreijährigen Kinder in Nähe des Wohnortes betreut werden. „Dies bedeutet, dass aufgrund der geringen Anzahl von Betreuungsmöglichkeiten viele Kinder bereits jetzt in andere Sprengel gebracht werden müssen.“

Im Stadtbezirk Südwest hingegen zeichnet sich eine über 100-prozentige Deckung ab, so die CSU-Frauen, nachdem mit der geplanten Kita an der Hagauer Straße, die 2024/25 in Betrieb gehen soll, weitere 50 Plätzen für Kinder ab drei Jahren geschaffen werden sollen.

Der aktuelle Kita-Ausbauplanung der Stadt Ingolstadt ist diesen Donnerstag auch Thema im Jugendhilfeausschuss: Die öffentliche Sitzung beginnt um 16 Uhr im Neuen Rathaus.