Das Preisgericht für den Neubau der Kammerspiele hat ein Urteil gefällt, das in seiner Alternativlosigkeit überrascht. Dem Stadtrat werden nur drei Entwürfe am selben Standort im Westen des jetzigen Theatergebäudes präsentiert, und der geneigte Bürger und Wähler bekommt erst ab dem 7. Januar die anderen Entwürfe zu Gesicht. Eine echte Bürgerbeteiligung sieht anders aus, ging dieser Entscheidung doch eine monatelange und durchaus kontroverse Diskussion voraus. So hat sich der ehemalige Oberbürgermeister Peter Schnell für einen Standort östlich des Theaters ausgesprochen, was den jetzigen Parkplatz erheblich aufgewertet hätte. Oberbürgermeister Christian Lösel hat bislang für einen südlichen Anbau plädiert, und auch Bürgermeister Mißlbecks Vision sieht einen Neubau im Süden vor.
Was würde nun der Bau der neuen Kammerspiele im kleinen Park zwischen Schlosslände und Tränktorstraße bedeuten? Schon bei den Bauarbeiten würde die größte und schönste Grünfläche am Rande der südöstlichen Altstadt weitgehend zerstört. Eine Reihe von Bäumen und Büschen, teilweise erst in den letzten Jahrzehnten bewusst gepflanzt, müsste abgeholzt werden. Bei zwei Entwürfen müsste zudem ein unterirdischer Gang angelegt werden. Außerdem wäre der Luftaustausch Donau-Altstadt durch den neuen Gebäuderiegel empfindlich gestört, was nicht nur die Geschäfte und Mietwohnungen in der ehemaligen Donaukaserne betreffen würde.

Vor allem aber wäre das einheitliche Bild der südöstlichen Altstadt sehr beeinträchtigt. Noch sieht man - vom südlichen Donauufer aus westlich der Einmündung der Schutterstraße in die Schlosslände die lang gezogene, niedrige Donaukaserne und dahinter die Türme der Altstadt. Nur im Osten wird das Bild von neueren Bauten wie den Gebäuden auf dem Rieter-Gelände geprägt, die wahrscheinlich nicht jedermanns Geschmack sind. Aber Parkplatz schlägt eben Park!
Erstaunlich ist auch, dass bislang der Kostenfaktor keine Rolle spielt. Einen "selbstbewussten" Auftritt sollte man sich auch leisten können in einer Zeit, in der die wirtschaftliche und finanzielle Zukunft unserer Stadt so unsicher ist wie schon lange nicht mehr.
Brigitte und Gottlieb

Schellnhuber, Ingolstadt


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Bei der Planung der Kammerspiele zum Theater ist nichts entschieden. Überhaupt nichts. Das Preisgericht zum Architektenwettbewerb hat Sieger ergeben. Das heißt nicht, dass man an diese gebunden ist. Wie man bei diesen Planungen große Requisiten von Haus zu Haus bringen würde, scheint Herrn Weber plötzlich nicht mehr wichtig. Man kann sich immer noch auch für den auszuarbeitenden Vorschlag von Bürgermeister Mißlbeck entscheiden. Entgegen der gezielten Desinformation von Seiten der Stadt. Von der man weiß, dass Umdenken nicht in ihrem Wortschatz vorkommt. Es müssten nur die Ausschreibungsbedingungen geändert werden. Bei diesen hatte man nicht die freie Wahl der besten Lösung, indem man die Architekten geknebelt hat. Sicher wären ansonsten derartige Vorschläge gekommen. Und diese würden bedeuten, endlich die Donau in den Schoß der Stadt aufzunehmen, indem man die Kammerspiele vom Theater aus
an die Donau heranführt. Mit gleichzeitiger Gestaltung der Donaulände. Der Mißlbeck-Plan ermöglicht das. Es kommt nun darauf an, dass bei der "Bürgerbeteiligung" dazu, falls diese ernst zu nehmen sein wird, die Bürger für die Donauanbindung votieren. Man sollte nicht schon wieder eine Chance verspielen.

Paul Schönhuber, Ingolstadt

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Wenn man die Artikel im DK liest, ist man überrascht, wie naiv an den neuen Standort herangegangen wird. So quasi nebenbei wird erwähnt, dass man Teile der TG West abbrechen muss, um dort den goldglänzenden Koloss bauen zu können. Da ich bei der TG Ost dabei war, und die Grundwasserverhältnisse vor Ort kenne, kann ich nur abraten, in die Tiefgarage einzugreifen. Dass man mit nur einem kleinen Riss im Schutterkanal die gesamte Garage sehr schnell Fluten könnte, sei nur am Rande erwähnt.
Reinhard Schmachtl, Ingolstadt

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Die Idee zur Gestaltung der Kammerspiele und Umgestaltung des gesamten Theaterplatzes inklusive der Eintunnelung der Donaulände ist genial und würde die gesamte Innenstadt extrem aufwerten. Eine hochinteressante Architektur und ein echtes urbanes Zentrum mit viel Raum für alle möglichen Angebote könnten hier entstehen. So gelänge auch eine echte Anbindung der nördlichen Donau an die Stadt mit zig Gestaltungsmöglichkeiten von Gastronomie bis Donauschwimmen, Parks und freien Flächen etc. vom jetzigen Theaterplatz bis zum Neuen Schloss. Von den theatralischen Möglichkeiten ganz abzusehen. Hoffentlich gelingt es Herrn Bürgermeister Mißlbeck, sich mit dieser Idee besonders wichtig zu machen.

Ulrich Spranger, Ingolstadt