Ich gehöre zu den Organisatoren des Köschinger Faschingszugs. Wenn ich die Zeilen des Leserbriefs lese, fallen mir drei Punkte ein. Der erste betrifft den Alkohol, der ja bekanntlich in rauen Mengen konsumiert wird. Der andere das Verständnis der Organisatoren aller Umzüge weit und breit. Und beim dritten geht es um die Teilnehmer.

Wissen Sie, wie schwierig es ist, eine Großveranstaltung dieser Art zu organisieren? Es gibt immer mehr Vorschriften, an die man sich auch hält. Terrorgeschichten sind ernst zu nehmen und setzen Gespräche mit der Polizei, der Feuerwehr, dem Roten Kreuz und der Gemeinde voraus. Und wissen Sie auch, wie man mit dem Thema Jugendliche und Alkohol umgeht? Trotz aller Vorschriften sind viele alkoholisierte Personen zu sehen, egal welchen Alters. Nicht nur bei Faschingsumzügen, nein, auch bei Volksfesten, Bürgerfesten, Konzerten und so weiter. Warum? Weil es einfach nicht anders machbar ist. Die Jugendlichen glühen vor, oft mit "harten Sachen". Da kann weder der Veranstalter noch das Landratsamt etwas dagegen machen. Selbst Eltern der Minderjährigen sind machtlos. Alle, die da schimpfen - auch zu Recht - sollen noch ein paar Jahre warten, bis ihre Nachkömmlinge in diesem Alter sind. Dann werden sie erfahren, wie traurig es ist, wenn man letztendlich trotzdem nichts dagegen tun kann.

Zu Kritikpunkten wie "die Garden lernen tanzen und tun es nicht" oder "es wird keine Kamelle geworfen" und "die Musik ist zu laut" möchte ich auch ein paar Bemerkungen machen. Jeder Verantwortliche eines Faschingszugs, dazu gehören auch unsere Gaimersheimer Freunde, stellt seine Regeln auf. Dazu gehört auch das Thema Lautstärke. Man spricht mit den Teilnehmern und fordert sie zu Vernunft auf. Auch kleinere Zugmaschinen werden gefordert, da man ja nicht auf einer Traktorenschau ist. Leider trägt dies nicht immer Früchte. Die Tanzgruppen dagegen machen genau das Richtige. Ein paar Hebefiguren, und gut ist es. Oder sollen sie bei Minusgraden ihre Showtänze in kurzen Röcken darbieten und sich dabei verletzen? Ich finde: Nein. Wenn das die Besucher nicht verstehen, tut es mir leid. Man sollte schon etwas mitdenken bei solchen Aussagen. Außerdem reißt der Zug bei solchen Darbietungen ab, und der Besucher schimpft wieder, da sich große Lücken auftun.

Zum letzten Punkt, dass keine Kamelle geworfen wird: Ich bin mir nicht im Klaren, ob der Besucher weiß, was es heißt, einen Faschingswagen zu bauen. Sich wochenlang in der Kälte irgendwo in einer Halle zu treffen und stundenlang die Wagen zu dekorieren, Holz zu kaufen, zu malern, zu kleben, zu beschriften. Das kostet Geld, richtig viel Geld. Auch Wurfmaterial kostet Geld. Denn für 100 Euro bekommt man einfach nichts. Dies interessiert aber keinen. Wir sind hier nicht in den Faschingshochburgen, die tonnenweise das Zeug vom Wagen werfen und wo das Geld teilweise gesponsert wird.

Wir sind in Bayern - und das ist auch gut so. Wir lieben das Ehrenamt. In unserer Generation sollten aber wohl am besten Handys, Laptops oder eine PSP vom Wagen gereicht werden, da sich viele wegen eines Bonbons gar nicht mehr bücken. Traurig, aber wahr.

Zum Abschluss möchte ich noch sagen, dass der Fasching nicht hauptsächlich ein Fest für Kinder ist. Wer das will, sollte die angebotenen Kinderfaschingsbälle besuchen. Wem zusätzlich die "Kamelle", die bei uns übrigens "Guadl" heißen, zu wenig sein sollten, dem würde ich empfehlen, zu den besagten Hochburgen zu reisen wie etwa Köln oder Düsseldorf.

Ich hoffe, dass diese Zeilen etwas zum Nachdenken rühren. In diesem Sinne ein nachträgliches Helau an alle Faschingsfreunde.

Wolfgang Binder, Kösching