Zahlreiche Ingolstädter mochten, wie ich, gehofft haben, auch die sogenannte Zeitgeschichtliche Forschungsstelle Ingolstadt sei mit dem Tode ihres Gründers Dr. Alfred Schickel zu Grabe getragen worden. Doch sie tritt nach wie vor öffentlich auf, und ausgerechnet in Ingolstadt.

Zwar war es Wahnsinn, hatte aber Methode, dass Schickel sen. den Namen seines vorgeblich historischen, doch ganz privaten Forschervereins deutlich als Widerspruch zu dem nach dem Zweiten Weltkrieg in München entstandenen staatlichen IFZ (Institut für Zeitgeschichte) formulierte. Der nicht kommunalrechtlich geschützte Name Ingolstadt konnte dabei suggerieren, dass die Stadt Ingolstadt wohl finanziell und politisch hinter dieser "Forschungsstelle" stand, oder wenigstens, dass es sich um einen ganz normalen Ingolstädter Verein handelte und nicht um einen politisch-historischen Privatverein mit deutschlandweiten, teils weltweiten Verbindungen zu Alt- und Neonazis. Als ich in den frühen 90er-Jahren las, dass die Stadt Ingolstadt Schickel tatsächlich 4000 Mark wie anderen Ingolstädter Vereinen bewilligt hat und mich darüber aufregte, erfuhr ich, dass er allerdings 40 000 Mark beantragt hatte. Allen Ernstes!

Schickel sen. hat sich nie zu seiner Familie, seiner Herkunft im Sudetenland, zu seiner Vertreibung, dem höchst ungewöhnlichen Ort seines höheren Schulbesuchs öffentlich geäußert, doch wäre er gerne ein echter Ingolstädter gewesen, wenn man seine inkorrekte Selbstbezeichnung als "Neffe von Kardinal Schröffer" so deuten will.

Schickel hat gerne Artikel für die neonazistische "Deutsche National-Zeitung und Soldatenzeitung" geschrieben und manchmal dieselben Artikel im DONAUKURIER untergebracht und hat sich von diesem dann als "Mitarbeiter" bezeichnen lassen. So hat er etwa nach der Wiedervereinigung des geteilten Deutschlands in beiden Blättern sich heftig für die Wiedereinführung der ersten Strophe des Deutschlandlieds ("Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt!") eingesetzt. Er hat damals gelegentlich in Ingolstadt auch vom Herausgeber des DK als von "meinem Freund Dr. Reissmüller" gesprochen. Als dieser die beiden Dinge erfuhr, meinte er, von seinen Mitarbeitern habe er selbstverständlich erwartet, dass diese nicht gleichzeitig für die "National-Zeitung" arbeiteten, und wer seine Freunde seien, suche er sich immer noch selber aus. Damit war für Schickel sen. Schluss beim DK und bei Dr. Reissmüller.

Dass die Stadt Ingolstadt diesem Verein, der seit rund 30 Jahren eine rechte Schande für die ganze Stadt ist, einen Tagungsraum in der städtischen Volkshochschule zur Verfügung stellt, ist sehr zu bedauern und kann nur mit Unbedarftheit erklärt, aber nicht entschuldigt werden. Trotz allem guten Willen des Oberbürgermeisters ist diese politisch-historische Unbedarftheit in Ingolstadt althergebracht; sie gehört öffentlich diskutiert und gründlich geändert.

Theodor Straub, Gaimersheim

 

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Alle Jahre wieder ZFI in Ingolstadt? Einem aufmerksamen Betrachter, der wie ich die ZFI nicht kennt, fällt beim Lesen der beiden aufschlussreichen Artikel über die Tagung auf, dass der Vorsitzende der ZFI Überlegungen zu der Kompetenz des städtischen Kulturreferenten anstellt und sich über diesen sogar lustig macht. Die Aussagen kann man nur als blanke Provokation verstehen. Nun sind die Verantwortlichen unserer Stadt gefragt, sie sollten sich endlich über das Anmietungsverhalten dieses "ungeliebten" Vereins tiefere Gedanken machen. Denn auch die Auswahl des Tagungsortes, die VHS, geschieht sicher nicht von ungefähr. Den selben Tagungserfolg kann man in jedem Gasthof-Hinterzimmer haben.

Allein die andauernde Misere, wie es der Kulturreferent wiederholt tut, wortreich auf die Meinungsfreiheit des Grundgesetzes zurückzuführen, lenkt von der Verantwortung für den Bürger ab. Meinungsfreiheit ist ein sehr hohes Gut! Ein öffentliches Grußwort der Verantwortlichen der Stadt mit der Botschaft, dass die Thematik und Anwesenheit eines geschichtsrevisionistischen Vereins nicht länger in Ingolstadt hingenommen wird, könnte sogar zu einem Nachdenken derjenigen führen, die, wie sie selbst sagen, "nichts zu verbergen haben".

Klaus Heidenreich, Ingolstadt