Spannung bis zur letzten Sekunde
Kreisliga 1: Sieg gegen Meister FC Fatih reicht nicht: Türkisch SV Ingolstadt muss in die Relegation – Sandersdorf gerettet

20.05.2024 | Stand 20.05.2024, 19:11 Uhr
Julian Schweizer

Sieg ohne Wert: Ostap Nechaj und der SV Denkendorf gewinnen gegen Schlusslicht Lippertshofen, steigen aber trotzdem in die Kreisklasse ab. Foto: Traub

Der Abstiegskampf in der Kreisliga hatte am letzten Spieltag einiges an Dramatik zu bieten. Die Sandersdorfer verspielten eine zwischenzeitliche Zwei-Tore-Führung und standen kurz vor dem Ende mit dem Rücken zur Wand. Der FC Mindelstetten schaffte den Klassenerhalt dank des deutlichen 3:0-Erfolgs über Münchsmünster aus eigener Kraft. Während der Aufsteiger aus Denkendorf direkt runter muss, sich aber mit dem 4:0 in Lippertshofen ordentlich verabschiedete, gehen Türkisch und Karlskron in die Relegation.

FC Hitzhofen - SV Kasing 4:0 (4:0): Das letzte Heimspiel des FCHO stand im Zeichen des Abschieds. Neben Cheftrainer Michael Olah, der nach acht Jahren beim TSV Burgheim eine neue Herausforderung antritt, wurden mit Eron Dervisi, Fardin Gholami, Faruk Rencber und Philipp Stipic gleich vier Spieler verabschiedet. Die Hausherren hatten sich für die Partie gegen den Angstgegner aus Kasing entsprechend viel vorgenommen und brachten dies gegen ersatzgeschwächte Gäste auch schnell auf den Platz. Stipic schnürte in seinem letzten Spiel in Gelb-Schwarz einen Doppelpack (21. und 38.). Christian Redl sorgte in der 40. Minute für die Vorentscheidung und Dominic Filser stellte quasi mit dem Pausenpfiff den Endstand her. „Wir haben von Anfang an das Spiel bestimmt und schon in der ersten Halbzeit durch schön herausgespielte Tore entschieden“, freut sich Olah, der in der 83. Minute seinen emotionalen Höhepunkt erlebte. Unter großem Applaus wechselte sich der 41-Jährige selbst ein: „Es war ein schöner Abschluss und ich möchte mich bei der Mannschaft und dem Verein für die letzten acht Jahre bedanken“, so Olah. Auf Seiten der Kasinger nahmen sie diese Niederlage in Kauf: „Die Jungs haben es trotz zahlreicher Ausfälle bis auf die kurze Phase vor der Pause gut gemacht“, sagt SVK-Spielertrainer Fabian Reichenberger.
FC Mindelstetten - TV Münchsmünster 3:0 (1:0): Die Hausherren haben ihre Chance vor 150 Zuschauern genutzt und den Klassenerhalt dank des deutlichen 3:0-Erfolgs über den Aufsteiger aus Münchsmünster aus eigener Kraft geschafft. Den Grundstein dafür legte Christoph Riegler (13.). Kurz vor der Pause sollte der Unparteiische Mustafa Köroglu in den Mittelpunkt geraten, als er zuerst Johannes Artmeier (40.) und nur kurz darauf Dennis Fuchs (45.) vorzeitig zum Duschen schickte. Beide Seiten hatten eine unterschiedliche Sichtweise auf die Aktionen. „Ich kann und werde heute keine sportliche Bewertung abgeben“, zeigt sich TVM-Spielertrainer Andreas Müller nach Spielende „schockiert“ über die Schiedsrichterleistung: „Ein Allerweltsfoul, das zehnmal im Spiel passiert, wurde mit glatt Rot bestraft“, hadert Müller. Christian Wambach, Abteilungsleiter der Hausherren, ordnet das Foul in die Kategorie „rustikale Grätsche“ ein. Auch die zweite Situation sorgte für Diskussionsstoff. „An der zweiten kommt der Schiri nicht vorbei“, meint Wambach, der ausführte: „Kappelmaier kreuzt seinen Gegenspieler und der Kontakt verhinderte eine Torchance.“ Sein Gegenüber war damit nicht einverstanden: „Ein Laufduell zur Seitenlinie, wenn überhaupt mit minimalem Kontakt, wurde als Notbremse gewertet“, hat Müller wenig Verständnis. Nach der Pause sorgte Moritz Liedl für die Vorentscheidung (49.), in der Schlussphase machte Lukas Wolfsfellner den Deckel drauf. Zwei weitere Zeitstrafen für die Gäste fielen nicht mehr ins Gewicht. „So etwas habe ich in 30 Jahren Fußball noch nicht erlebt“, sagte Müller.
FC Gerolfing - SV Menning 0:0: „Man hat der Mannschaft schon angesehen, dass sie wollte, das anstehende Relegationsspiel aber schon sehr präsent in den Köpfen war“, zeigt Gerolfings Spielertrainer Verständnis für seine Schützlinge und war sich sicher, dass seine Mannschaft „ein ganz anderes Gesicht in den Spielen zeigen wird“. In einer chancenarmen Partie vergab Timo Kraus aus aussichtsreicher Position. Im zweiten Abschnitt traf Philipp Haunschild aus rund 25 Metern nur die Latte. Kurz vor dem Abpfiff dann die große Chance für die Gäste, doch Simon Wolfsfellner entschied sich zu lupfen, statt voll abzuziehen. So blieb es beim torlosen Remis. „Es war nochmal ein schöner Abschluss. Wir haben uns sehr gut verkauft gegen einen guten Gegner“, sagt SVM-Coach Dejan Micic.
Türkisch SV Ingolstadt - FC Fatih Ingolstadt 2:1 (1:0): Die Vorzeichen waren klar. Um die Chance auf den direkten Klassenerhalt zu wahren, musste für die Mannen vom Ruschenweg ein Heimsieg gegen den Primus her. In einer Partie mit Chancen auf beiden Seiten gingen die Gastgeber durch den Treffer von Mertcan Gürses in Führung (25.). Bei zwei Aluminiumtreffern hatte Türkisch das nötige Glück auf seiner Seite und erhöhte rund 20 Minuten vor dem Ende auf 2:0 (69.). Die Pflicht war getan – und als sieben Minuten später der Ausgleich in Hundszell fiel, schien der direkte Klassenerhalt möglich. Mit dem Anschlusstreffer der Gäste durch David Meier (85.) sickerte nach und nach auch die Nachricht durch, dass die Sandersdorfer in Hundszell wieder in Führung lagen und Türkisch den Umweg über die Relegation gehen muss. „Leider hat es nicht zum direkten Klassenerhalt gereicht“, zeigt sich Abteilungsleiter Ertugrul Topcu enttäuscht, wirft den Blick aber schnell nach vorne: „Wir werden ein letztes Spiel haben und da werden wir kämpfen, um in der Kreisliga zu bleiben.“ Mit sechs Siegen in Folge dürfte es den Seinen zumindest an Selbstvertrauen nicht mangeln.
SV Lippertshofen - SV Denkendorf 0:4 (0:3): Nur ein Sieg würde die Chance der Denkendorfer auf die Relegation um den Klassenerhalt am Leben halten und gleichzeitig musste man auf Schützenhilfe aus Oberhaunstadt hoffen. Entsprechend legten die Gäste los und lagen durch die Treffer von Jonas Löffler (5.), Matthias Pickl (11.) und Johannes Lehner (13.) mit 3:0 in Front. Bastian Stadler sorgte kurz vor dem Ende für den Schlusspunkt (82.). Trotzdem war der Gang zurück in die Kreisklasse nicht mehr zu verhindern, da im Parallelspiel die erhoffte Schützenhilfe ausblieb. „Leider hat es nicht gelangt und am Ende hat nicht viel gefehlt“, ordnet SVD-Trainer Denis Dinulovic die Situation ein: „Insgesamt waren es aber zu viele Unentschieden und folglich zu wenig Punkte.“ Trotz aller Enttäuschung sagt Dinulovic, dass „die Welt in Denkendorf dadurch nicht untergehen wird. Die Jungs bleiben größtenteils zusammen, nehmen hoffentlich viel aus der Saison mit und dann greifen wir wieder an.“
TSV Oberhaunstadt - SV Karlskron 1:2 (1:1): Die Erleichterung war den Gästen anzumerken, nachdem sie das Erreichen der Relegation aus eigener Kraft geschafft hatten. „Wir haben alles investiert und das Spiel dann verdient auf unsere Seite gezogen“, sprach Spielertrainer Christopher Haas seiner Mannschaft ein Riesenkompliment aus. Der Druck war groß, doch bereits nach fünf Minuten traf Daniel Tkac per Kopf und sorgte für einen Start nach Maß. Die Haunstädter waren aber dank des Treffers von Alexander Hübl zurück in der Partie (32.) und die Karlskroner standen mit dem Rücken zur Wand. Denn im Parallelspiel führten die Denkendorfer deutlich. Es entwickelte sich eine sehr umkämpfte Partie. Mitte der zweiten Hälfte schwächte Emre Erdogan die Hausherren mit einer Zeitstrafe und die Gäste wussten dies zu nutzen. Erneut war es Tkac, der zum viel umjubelten Führungstreffer traf (70.). Dabei blieb es letztlich auch und der Aufsteiger aus Karlskron darf sich weiter Hoffnungen auf den Verbleib in der Kreisliga machen. „Beide Gegentore sind nach individuellen Fehlern gefallen. Karlskron hat es uns durch Kampf und Ehrgeiz schwer gemacht“, musste TSV-Kapitän Simon Bellinghausen anerkennen.
SV Hundszell - FC Sandersdorf 2:3 (1:2): Der Vorsprung auf die Abstiegszone betrug zwischenzeitlich neun Zähler und nur die Wenigsten hätten damit gerechnet, dass es die Sandersdorfer nochmal so dramatisch machen würden. Dabei schien nach gut 20 Minuten die Messe gelesen. Erst sorgte Spielertrainer Patrick Mack für die Führung (14.), kurz darauf erhöhte Christian Geß (22.). Anhand der Ergebnisse auf den anderen Plätzen hatten die Gäste diesen auch bitter nötig. Die Hundszeller bäumten sich vor den eigenen Zuschauern auf und schafften durch Alexander Seidl den Anschluss (43.). Dieser hing folglich in den Köpfen der Sandersdorfer, Hundszell fand ins Spiel. „Schwache erste Halbzeit, gute zweite Halbzeit“, fasste SVH-Trainer Florian Kunz zusammen und hatte lobende Worte für seine Mannschaft übrig: „Das ist den Jungs sehr hoch anzurechnen, da es eigentlich um nichts mehr ging.“ So kam es, wie es kommen musste und Luca Kammerer sorgte für den Ausgleich (76.), der den FCS unter den Strich rutschen ließ. In der 87. Minute jubelten aber die Sandersdorfer, denn der Unparteiische entschied auf Strafstoß für die Gäste. Sandro Rott traf eiskalt ins linke obere Eck zum viel umjubelten 3:2. In einer hitzigen Nachspielzeit, in der SVH-Akteur Johannes Rindlbacher noch die Ampelkarte sah, passierte sonst nichts mehr und die Gäste konnten den Klassenerhalt feiern.

DK