„Dreamtime II“ zum Abschluss der Saison
Knut Webers letzte Regiearbeit in Ingolstadt: Shakespeares „Sturm“ mit Musik von den Tiger Lillies

21.06.2024 | Stand 21.06.2024, 22:29 Uhr |

Eine seltsame Insel hat Susanne Hiller in den Innenhof des Turm Baurs gebaut: Probe für „Dreamtime II“. Foto: Weinretter

Mit einem großen Sturm beginnt Shakespeares letztes Drama. Himmel und Meer spielen verrückt. Eine kleine Insel rettet den Schiffbrüchigen das Leben. Prosperos Insel. Hier herrscht der Zauberer über merkwürdige Wesen, den Luftgeist Ariel, den Hexensohn Caliban, die Ureinwohner des Eilands. Prospero war einst Herzog von Mailand. Durch eine Intrige seines Bruders Antonio wurde er mithilfe des Königs von Neapel vom Thron gestürzt und vertrieben, konnte sich aber mit seiner Tochter Miranda auf diese Insel retten. Jetzt ist die Zeit der Rache gekommen. Denn unter den Schiffbrüchigen sind seine alten Widersacher: Alonso, König von Neapel, sein Sohn Ferdinand und Bruder Antonio. Auf der fremden Insel werden sie getrennt, irren sie umher, werden sie von seltsamen Wesen verfolgt und halten einander für tot. Ferdinand aber verliebt sich – wie könnte es anders sein – in Miranda.

„Der Sturm“ von 1611 ist eines der letzten Werke William Shakespeares, ein fantastisch-dystopisches Märchen, Politparabel, Rachedrama, romantische Liebesgeschichte zugleich. Motive aus dem „Sturm“ hat Intendant Knut Weber zusammen mit Musik von Martyn Jacques, bekannt durch seine Band The Tiger Lillies, zu einem Open-Air-Spektakel verwoben. „Dreamtime II“ ist seine letzte Inszenierung in Ingolstadt, bevor er in den Ruhestand geht. Premiere ist am 27. Juni im Turm Baur.

Schon einmal hatten die Tiger Lillies den Sound für ein Shakespeare-Stück geliefert: „Dreamtime“ erzählte 2017 (damals im Kleinen Haus) von Macbeths Weg in sein Innerstes, seine Albträume. Ein Zitat aus dem „Sturm“ hatte Knut Weber damals der Produktion vorangestellt: „Hell is empty and all the devils are here.“ War damals schon klar, dass es eine Fortsetzung geben wird? „Es war zumindest im Hinterkopf“, sagt Knut Weber. „Ich hatte ja schon vor Corona Musik bei Martyn Jacques in Auftrag gegeben. Weil die beiden Stücke sehr viel miteinander zu tun haben. Vielleicht nicht auf den ersten Blick. Aber auf einen zweiten, tieferen schon. In beiden Stücken ist Macht das zentrale Thema. Prospero ist vertrieben worden aus seinem Fürstentum. Er will die Macht wiederhaben. Und er will Rache. Deswegen spielt auch ein Bühnenbild-Element aus ,Dreamtime I‘ wieder mit – der Eisenthron.“

Einen abgeschlossenen Raum bildet diese Insel, in dem viel passiert – Schreckliches und Schönes. „Es ist seltsam nebulös, was die Figuren über diese Insel sagen: einer sagt, sie ist warm und freundlich, einer sagt, sie ist kalt. Für den einen ist sie grün, für den anderen blau. Jeder hat seine eigene Wahrnehmung. Und das ist ein weiteres starkes Motiv des Stückes – nämlich das Thema Illusion. Und damit sind wir schon beim Theater. Die Insel steht auch ein Stück weit für die Theaterwelt. Damit spielen wir“, erklärt Weber. „,Wir sind der Stoff, aus dem die Träume sind‘, heißt es im Stück. Diesen starken Theatertext haben wir vertonen lassen und Tobi Hofmann hat die Musik wunderbar und zauberhaft arrangiert.“

Neben der Musik spielen auch Licht- und Videoprojektionen eine große Rolle. Und neben dem Schauspiel Schatten- und Puppenspiel.

In der Rolle des Prospero wird Enrico Spohn zu sehen sein – für Knut Weber „die Figur mit den größten Widersprüchen. Ich sehe ihn eher als moralpredigenden autoritären Menschen und nicht so sehr als freundlichen Zauberer“. Der Luftgeist Ariel wird gleich von drei Schauspielerinnen verkörpert. Und weil eine davon Antje Rietz ist, kommt auch die Trompete zum Einsatz. Amélie Hug ist als Miranda zu erleben. „Das Stück erzählt auch die Emanzipationsgeschichte von Miranda. Auch hier sieht man den Machtmissbrauch ihres Vaters Prospero. Sie wird mit Ferdinand quasi zwangsverheiratet – wieder so ein Trick, um an die Macht zu kommen. In unserer Lesart emanzipiert sich Miranda allerdings.“

Was soll man mitnehmen von diesem Abend? Knut Webers Antwort: „Eine anmutige Geschichte in tollen Bildern, schönste Musik, großes Spektakel und Stoff zum Nachdenken – über die Themen Macht und Vergebung.“

DK


Premiere ist am Donnerstag, 27. Juni, um 21 Uhr auf der Freilichtbühne im Turm Baur. Vorstellungen bis 18. Juli, Kartentelefon (0841) 30547200.