Mit Leopold Stiefel, dem Mitbegründer, Vorsitzenden der Geschäftsführung und Gesellschafter der Media-Saturn-Gruppe, konnte der Initiator des Konzepts, Wirtschaftsreferent Dr. Alfred Lehmann, diesmal einen Unternehmer aufbieten, der über die Grenzen Ingolstadts hinaus ein Begriff ist. Über 200 Gäste kamen, um von Leopold Stiefel zu erfahren, welche Eigenschaften und Fähigkeiten man mitbringen muss, um binnen 20 Jahren aus einem Ingolstädter Elektrofachgeschäft den Marktführer in Europa zu machen.

"Wir stellen mit dieser Reihe bewusst die Unternehmerpersönlichkeit in den Mittelpunkt", erläuterte Wirtschaftsreferent Dr. Alfred Lehmann. "Kapital, Rechtsform, Organisation etc. sind zwar von großer Bedeutung, letztlich gibt aber der Mensch den Ausschlag für den Unternehmenserfolg."

Zunächst skizzierte City-Manager Peter Haas die Entwicklung des Mediamarktes. Das Unternehmen entwickelte 1979 in München als erster das großflächige Discounter-Konzept im Elektro-Einzelhandwerk und fährt seit der Übernahme der Saturn-Gruppe eine erfolgreiche Zwei-Marken-Strategie. Bereits nach zehn Jahren expandierte Media Markt nach Frankreich, in den neunziger Jahren folgten Österreich, die Schweiz, Ungarn, Polen, Niederlande, Italien und Spanien. Heute ist die Media-Saturn-Gruppe mit 342 Märkten und 17,2 Mrd. DM Umsatz die Nummer 1 in Europa. Allein in der Holding in Ingolstadt beschäftigt die Media-Saturn-Gruppe über 1500 Mitarbeiter, weltweit sind es 30 000.

"Von den Erfahrungen der schweren Anfangszeit profitiere ich heute noch", begann Leopold Stiefel. In schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen mit fünf Geschwistern aufgewachsen und mit 14 Jahre in die Lehre gekommen, hatte er schon als junger Mann die Selbstständigkeit vor Augen. Nachdem er bereits mit 17 Jahren sein Elternhaus verlassen hatte, verfolgte er konsequent sein berufliches Ziel, mit 25 Jahren sein eigener Chef zu sein. Den ersten Berufsjahren als Fachberater und Abteilungsleiter bei Elektro Fröschl, schlossen sich von 1968 bis 1979 Führungspositionen bei der Firma FEG an.

Die FEG ist ein klassischer Fachhändler für Fernseh- und Elektrogeschäfte mit fünf Filialen stand in dieser Zeit vor großen Herausforderungen. Die neuen SB-Warenhäuser drängten in den Markt. Gemeinsam mit FEG-Eigentümer Erich Kellerhals entwickelte Stiefel das anfangs von vielen als verrückt bezeichnete Konzept für den großflächigen, preisgünstigen und kundenfreundlichen Media Markt. "Die Banken gaben uns keine Chance", berichtete Stiefel. "Und auch unsere Mitbewerber nahmen unsere Vision mit einem neuen Vertriebskonzept den Markt zu erobern, lange nicht ernst. Wir dagegen handelten nach der Maxime "nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist." Mit dieser und mit vielen anderen einprägsamen Formulierungen verdeutlichte Stiefel, dass er, wie er selbst sagt "ein Mann von Leitsätzen" ist.

Permanentes Wachstum, ständige Umgestaltung, neue Führungskräfte und eine konstruktive Unruhe kennzeichneten die Entwicklung der MediaSaturn-Gruppe und damit auch das Leben von Leo Stiefel seit 1979. Sein eigenes Bedürfnis, möglichst viel Freiraum zu haben, gesteht Stiefel auch seinen Mitarbeitern zu. Dem Leitsatz "Mitarbeiter zu Beteiligten zu machen" entsprechend erhält der Geschäftsführer jedes Marktes zehn Prozent der Anteile.

Die nächste Veranstaltung der Reihe findet am 31. Januar statt. "Unternehmer im Dialog" ist dann Prof. Thomas Bauer, Vorstandsvorsitzender der Bauer AG, einer weltweit agierenden, auf Tiefbau spezialisierten Firmengruppe in Schrobenhausen.