Die "sagenhafteste Frau Bayerns" hat auch viel zu sagen, über die Stadt und die Ingolstädter Geschichte, über die mehr oder weniger bekannten Ingolstädter und über ihr eigenes Leben. Am wenigsten erzählt sie jedoch über ihr Lebenswerk. Dabei ist das, was Emmi Böck in ihrem Leben alles an bayerischen Sagen zusammengetragen hat, selber schon sagenhaft. 17 Bücher hat sie in über 30 Jahren veröffentlicht, das 18. soll demnächst erscheinen. Am kommenden Montag feiert die unermüdliche Sammlerin ihren 70. Geburtstag.

Geboren wurde sie 1932 in der damals noch bayerischen Pfalz, in Zweibrücken. Mit sechs Jahren kam sie nach Ingolstadt und verbrachte die ersten Lebensjahre in Ringsee. Nach dem Abitur am Gnadenthal-Gymnasium studierte sie Deutsch, Geschichte und Englisch in München. "Lehrerin wollte ich aber nie werden", erinnert sie sich an ihre Studienjahre. Ein Antiquitätengeschäft hätte sie interessiert, aber dafür fehlte ihr das Geld.

Ihr Lebensweg sollte schließlich ganz anders verlaufen. Bis heute leidet sie unter den Folgen von zwei schweren Operationen, die ihr ein normales Arbeitsleben unmöglich machten. Sie begann damit, Rezensionen und Zeitungsartikel zu schreiben. Schließlich fiel ihr beim Stöbern im Ingolstädter Stadtarchiv ein ganz bestimmtes Buch in die Hände. "In einer Regalreihe waren alle Bücher umgefallen · bis auf eines", weiß sie noch heute zu erzählen. Genau dieses kleine, relativ unscheinbare Buch nahm sie in die Hand: Es war eine Sammlung von Sagen. Und da dachte sie sich: "Daraus müsste man mehr machen."

Im Jahr 1961 begann sie mit ihren volkskundlichen Sammlungen. Nach einem Bildband über Ingolstadt wurde ihre Sammlung schließlich so umfangreich, dass sie 1973 ihr erstes Buch über Sagen aus Ingolstadt und Umgebung veröffentlichte. Zwei Jahre später folgten die "Sagen aus der Hallertau", für den Landeshistoriker und Prof. Dr. Benno Hubensteiner damals ein "Musterbeispiel für die Feldforschung".

Die Sagen weiter Teile der Region und Bayerns hat Emmi Böck bereits ausführlich dokumentiert, wie etwa Niederbayern, Mittelfranken, das Altmühltal oder auch die Oberpfalz, ein Forschungsauftrag der Bayerischen Landesstiftung. Dass sie selber ihre Arbeitsweise als unsystematisch bezeichnet, mag man kaum glauben. Noch in diesem Monat soll übrigens ihr neuestes Buch, die Nürnberger Stadtsagen, erscheinen.

Für ihr Werk erhielt sie das Bundesverdienstkreuz, den Bayerischen Verdienstorden. Von der Stadt Ingolstadt, die ihr vor zwei Jahren ihren Kulturpreis verlieh, wurden ihre Leistungen erst spät gewürdigt.

Doch gibt es noch eine andere Seite der Emmi Böck. Viele Jahre lang hat sie sich immer wieder politisch engagiert. 1967 nahm sie aktiv am Aufbau einer "Außerparlamentarischen Opposition" in Ingolstadt teil, organisierte später Ostermärsche und Bürgerinitiativen. Sie unterstützte 1981 den Krefelder Appell und die Friedensbewegung und demonstrierte gegen die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf.