Ingolstadt

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Benefizturnier: Ukrainischer Schach-Großmeister Andrey Sumets stellt sich 18 Gegnern gleichzeitig

27.06.2022 | Stand 27.06.2022, 19:32 Uhr

Schach-Großmeister Andrey Sumets (stehend) spielte in Zuchering 18 Partien Schach gleichzeitig – und gewann alle. Foto: ur

Von Alexandra Rimmelspacher

Zuchering – Gegen einen Schach-Großmeister spielen zu dürfen und gleichzeitig für andere etwas Gutes tun? Diese seltene Chance nahmen am Samstag trotz hochsommerlicher Temperaturen zahlreiche Schachspieler aus der Region in der Sportgaststätte des SV Zuchering wahr.

Unter der Schirmherrschaft der Zweiten Bürgermeisterin Dorothea Deneke-Stoll trat der ukrainische Schach-Großmeister Andrey Sumets aus Odessa bei einer vom SK Ingolstadt organisierten Benefizveranstaltung für die Ukraine zugunsten der Organisation „Steps for the future“ an.

Den Kontakt hatte Daniel Helbig, der gegenwärtig an der KU Eichstätt im Fach Philosophie promoviert, hergestellt. Er hatte mit seinem früheren Verein SV Worms in der Zweiten Bundesliga gegen Großmeister Sumets gespielt und war von ihm so angetan, dass er fragte, ob er dieser ihm online Schachunterricht geben würde.

Basierend auf dieser mittlerweile einjährigen Zusammenarbeit entstand die Idee zu der Simultanveranstaltung in Ingolstadt, bei der Großmeister Sumets gleichzeitig gegen 18 Gegenspieler spielte.

Drei Stunden lang schritt Andrey Sumets bei den um ihn herum im Kreis aufgebauten Schachbrettern von Gegner zu Gegner und gewann schlussendlich alle Partien. Die Teilnehmer erlebten dabei einen sehr sympathischen Menschen, der gerne auch Extrawünsche wie den nach einem Farbwechsel (normalerweise führt der Simultanspieler stets die weißen Steine) erfüllte, mit seinen Opponenten plauderte und oftmals schon während der Partie einzelne Merkmale der jeweiligen Stellung erklärte. Sein sehr angenehmes und freundliches Auftreten zusammen mit seinen unbestrittenen herausragenden schachlichen Fähigkeiten nötigte allen Teilnehmern höchsten Respekt ab. Gerhard Führer vom SK Ingolstadt brachte es kurz und knapp auf den Punkt: „Er hat immer mindestens einen Zug weiter gedacht als ich und gewonnen“. Sein Vereinskollege Can Devrim Kum ergänzte begeistert „Es war hervorragend! Ein Erlebnis und eine wirkliche Ehre, gegen so einen Großmeister zu spielen. Jetzt habe ich einmal live erlebt, wozu ein menschliches Wesen in der Lage ist.“ Großmeister Sumets blieb aber auch nach der Veranstaltung und seiner makellosen Bilanz von 18 Siegen gewohnt bescheiden und selbstkritisch. „Mir hat es sehr gut gefallen, aber gegen Berde Volkan hätte ich durchaus verlieren können, da ich eine taktische Abwicklung übersehen habe. Und die Partie gegen Christophe Andreoli war eigentlich remis.“ Durch sein stets sehr freundliches und bescheidenes Wesen erwies sich Großmeister Sumets sowohl für sein Land als auch für das Schachspiel allgemein als idealer Botschafter. Typisch daher auch seine zusätzliche Einladung an die Teilnehmer nach Beendigung der Veranstaltung: „Wer hat Lust, gemeinsam noch ein paar Schachpartien zu analysieren?“. Eine Chance, die man sich bei einem Großmeister garantiert nicht entgehen lässt!

DK