Ingolstadt

Mit ehrenamtlichen Helfern des Sanitätsdienstes unterwegs auf dem Volksfest

13.06.2022 | Stand 13.06.2022, 15:41 Uhr

Das Festgelände im Blick: Bepackt mit einem Rettungsrucksack machen sich Kevin Popp (r). und Sebastian Donath auf den Weg. Fotos: Werner

Ehrenamtliche Helfer des Sanitätsdienstes sind stets auf dem Volksfest in Ingolstadt vertreten. Denn wenn viele Menschen zusammenkommen, kann es kleine und größere Notfälle geben. Sie sind da, wenn jemand Hilfe benötigt.

Es ist Samstagabend auf dem Volksfest an der Dreizehnerstraße. Um 18 Uhr tritt Niklas Reis seinen Dienst an. Er ist ehrenamtlicher Fachdienstleiter der Einheit Sanität des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). Gemeinsam mit seinen acht Kolleginnen und Kollegen ist Reis am BRK-Sanitätspunkt auf dem Festgelände vor Ort, um diejenigen zu versorgen, die Hilfe benötigen.

49 Menschen benötigten die Sanitäter

Bis Samstagabend haben 49 Menschen seit Beginn des Volksfestes die Sanitäter aufgesucht. Den größten Anteil davon machen chirurgisch Verletzte aus: „Darunter fallen Schürfwunden, Schnittverletzungen und Brüche“, sagt Reis. Auch internistische Notfälle gehören zum Arbeitsalltag – vom Sonnenstich über Herzleiden bis hin zu Vergiftungen. Bislang musste ein Patient zur Behandlung in das Klinikum gebracht werden. „Letztes Jahr hatten wir hier am Volksfest eine Reanimation. Das kann auch vorkommen“, sagt Reis, „das ist für Ehrenamtliche nicht alltäglich. Das bleibt im Kopf.“

Es ist 20 Uhr. Noch ist es ruhig. Jede halbe Stunde machen sich zwei der Sanitäter auf den Weg; ein Rundgang über das Festgelände – mit voll bepackten Rucksäcken samt externem Defibrillator: „Wir haben so schon mehrmals Leute entdeckt, die Hilfe benötigen“, sagt BRK-Sanitäter Kevin Popp. Gleich nach den ersten Metern werden sie angesprochen – eine junge Frau hat Atemprobleme. Danach geht es weiter. Die Straßen zwischen den Fahrgeschäften und Buden sind gut gefüllt. Der Weg führt zu den Biergärten. Auch hier finden sich inzwischen nur noch wenige freie Sitzplätze. „Auf die Biergärten schauen wir besonders. Dann können wir besser beurteilen, wie die Lage momentan ist – auch das Gefahrenpotenzial“, sagt Popp.

Fehlen der Festzelte macht sich bemerkbar

Es mache sich schon bemerkbar, dass es dieses Jahr keine Festzelte gibt. Weniger Auseinandersetzungen zwischen den Besuchern, etwas weniger volltrunkene Gäste. „Wenn es dunkel wird, dann gehen wir auch hinter die Biergärten und schauen, ob dort jemand Hilfe benötigt.“ Die Uniformen der Sanitäter ziehen die Blicke der Besucher auf sich. Manchmal fällt ein blöder Spruch. „Pöbeleien sind gang und gäbe. Das prallt ab“, sagt Reis. Verbale Angriffe seien keine Seltenheit, manchmal komme es sogar zu Handgreiflichkeiten. Reis berichtet davon, dass einem Kollegen vor ein paar Monaten grundlos ein Messer in den Oberschenkel gerammt wurde. Der Täter konnte nicht ermittelt werden.

Inzwischen ist es 22 Uhr. Immer wieder suchen Menschen den BRK-Sanitätspunkt auf. Ein Patient ist der Schausteller Christian Baumgartner. Er wurde vor zwei Tagen am Zeh operiert, nun sei ihm der Verband verrutscht. Innerhalb kürzester Zeit erhält er einen neuen und sagt: „Ich bin froh, dass es eine Anlaufstelle gibt, zu der jeder kommen kann, der ein Problem hat.“ So geht es auch einer 84-Jährigen. Sie hat den Verdacht, dass sie eine Zecke am Rücken gebissen hat. Letztlich ein Fehlalarm. Sie ist erleichtert: „Ich habe mir Sorgen gemacht. Jetzt bin ich beruhigt und kann die Zeit hier noch genießen.“ Dass die Sanitäter ehrenamtlich arbeiten, habe die 84-Jährige nicht gedacht.

Ruhiger Samstag für die Sanitäter

Reis ist zweifacher Familienvater; seinen Samstagabend hätte er auch anders verbringen können: „Ich habe ein Helfersyndrom. Egal wann, wo und wem – ich will helfen“, erklärt er. Unermüdliches Engagement. So geht es auch seinen Kollegen. Sie alle arbeiten hauptberuflich im medizinischen Bereich: „Das ehrenamtliche Arbeiten ist noch einmal etwas anderes. Es ist familiärer“, findet Notfallsanitäterin Jaceline Blum. Was die neun Freiwilligen gemeinsam haben, ist die Leidenschaft für den Beruf. „Ich habe Freude am Helfen“, sagt Kevin Popp, „ich kann den Menschen hier etwas Gutes tun.“ In den Zeiten, in denen keine Patienten kommen, wird Karten gespielt, gegessen und geratscht.

Obwohl einige Menschen versorgt werden, ist es für einen Samstagabend auf dem Volksfest für die Sanitäter eher ruhig. Gegen 24 Uhr schließen Buden und Biergärten. Für einige ehrenamtliche Helfer des Sanitätsdienstes endet damit die Arbeit allerdings noch nicht. Eine Großveranstaltung der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät mit mehr als 1000 Menschen findet parallel Auf der Schanz statt: Andere Kräfte des BRK sind vor Ort. Dort geht es als nächstes hin, um die Kollegen zu unterstützen.

DK