Shakespeare-Abend
Flucht vor der Einsamkeit: „Was ihr wollt“ aus Coburg bei den Theatertagen in Ingolstadt

13.06.2024 | Stand 13.06.2024, 12:04 Uhr |

Regisseurin Jana Vetten: Das ständige Scheitern ist lustig und tragisch zugleich. Foto: privat

Die schiffbrüchige Viola landet, von ihrem Zwillingsbruder Sebastian getrennt, an der Küste Illyriens. In diesem Land ist nichts so, wie es scheint, und alles scheint möglich. Vor allem in der Liebe.

Als Mann Cesario verkleidet, tritt Viola in den Dienst von Orsino, Herzog von Illyrien, der vergeblich die Gräfin Olivia umwirbt. Viola verliebt sich in den Herzog, während wiederum Olivia Gefühle für Cesario entwickelt.

Als plötzlich Violas totgeglaubter Zwillingsbruder auftaucht, beginnen die Dinge kompliziert zu werden. Mit „Was ihr wollt“, eine der meistgespielten Komödien William Shakespeares, gastiert das Landestheater Coburg im Rahmen der Theatertage am Samstag im Großen Haus des Stadttheaters Ingolstadt. Regie führt Jana Vetten.

Frau Vetten, was hat Sie an der Inszenierung von „Was Ihr wollt“ gereizt? Was mögen Sie an dem Stück?

Jana Vetten: Es ist Theater, wie Theater sein soll. Es ist lustig und menschlich. Es spielt mit Körper und Emotionen. Für Schauspieler und Schauspielerinnen ist es ein Fest. Man kann viel mit Musik arbeiten. Alle Elemente für ein intensives Theatererlebnis finden sich in diesem Stück. Und es thematisiert eine unglaublich schöne Sehnsucht nach anderen Menschen. Das ist ein Grundthema: Die Figuren wollen nicht einsam sein, sondern sich mit anderen verbinden. Das ständige Scheitern ist lustig und tragisch zugleich.

Sind Sie denn eine Shakespeare-Spezialistin?

Vetten: Ich habe schon mehrere Stücke von Shakespeare inszeniert – zuletzt „Macbeth“, „Hamlet“ und eben „Was ihr wollt“. Man spürt, dieses Theater kommt aus einer Tradition, die nicht nur über den Gedanken läuft, sondern ganz stark auf Körperlichkeit setzt. Und das kommt meiner Art, Regie zu führen, sehr entgegen. Und womit könnte man eine Globe-Eröffnung besser feiern als mit einer Shakespeare-Komödie?

In Coburg konnten Sie im neuen Globe spielen, einem Theaterrund nach elisabethanischen Vorbild. Was passiert, wenn man die Inszenierung in eine „normale“ Theaterbühne einpassen muss – wie im Großen Haus in Ingolstadt?

Vetten: Der größte Unterschied ist, dass wir im Globe eine Drehscheibe haben und in Ingolstadt nicht. Ein paar unserer zauberhafter Bilder haben wir jetzt anders gearbeitet. Ansonsten war es für uns ein großes Erlebnis, mit dem Globe einen Raum zu bespielen, den noch niemand kannte. Ich hoffe, dass wir die Nähe zum Publikum in Ingolstadt behalten können.

Welche Szene oder Figur mögen Sie am liebsten?
Vetten: Bei den Wiederaufnahmeproben haben ich festgestellt, dass ich mich auf die Unterschiedlichkeit aller Szenen freue. Besonderes Aufgenmerk haben wir auf die Narrenfigur gelegt, die bei uns eine Schauspielperson spielt, die selbst nonbinär ist. Da haben wir das ganze Shakespearesche Geschlechterwirrwarr noch mal auf die Spitze getrieben. Texte und Themen, die nicht mehr zeitgemäß sind, kommentiert Nils Svenja Thomas bei uns mit eigenen Songs.

Wie sieht Illyrien bei Ihnen aus?
Vetten: In meinem Kopf hatte ich immer die Vorstellung einer Insel oder Halbinsel, ein bisschen wie in Venedig, wo man nie weiß, wie hoch das Wasser steht. Wir haben dazu einen sehr abstrakten Wald. Und dann sollte es nicht zu poetisch werden, also brauchten wir dringend eine Bar und einen Pool – als Ort des Exesses. Zeitlich haben wir es nicht verortet. In den Kostümen sieht man eine Mischung aus historischen Versatzstücken und zeitgenössischen Silhouetten. Eine Fantasiewelt eben!

Was soll das Publikum mitnehmen?
Vetten: Es soll Spaß haben. Und vielleicht nachdenken über menschliche Bedürfnisse. Mich berührt vor allem die Geschichte der Geschwister, die getrennt sind und sich erst am Ende wiederfinden. Die Seele verkümmert allein. Wir brauchen andere Menschen, um glücklich zu werden. Das Stück zeigt, wie sehr sich die Figuren auf der Suche nach Seelenpartnern verausgaben.

DK

Die Fragen stellte Anja Witzke.



„Was ihr wollt“ wird am 15. Juni um 19.30 Uhr im Großen Haus des Stadttheaters Ingolstadt gezeigt. Anschließend Publikumsgespräch mit dem Produktionsteam. Kartentelefon (0841) 30547200.