Der Vereinsboss zieht Bilanz
FCI-Gründer fordert mehr Herzblut im Team und erneuten Anlauf auf die 2. Bundesliga

11.05.2024 | Stand 11.05.2024, 19:40 Uhr

Peter Jackwerth ist seit der Gründung im Jahr 2004 die treibende Kraft beim FC Ingolstadt. Mit der Entwicklung in den vergangenen Jahren ist der 66-jährige Unternehmer aber nicht zufrieden. Ein neuer Anlauf in der kommenden Saison, den Aufstieg in die 2. Bundesliga anzupacken, ist für ihn unabdingbar. Foto: Sterner

Die 20. Saison des FC Ingolstadt neigt sich mit dem letzten Heimspiel gegen den bereits feststehenden Absteiger VfB Lübeck (Samstag, 14 Uhr/Magenta Sport) dem Ende entgegen. Zum zweiten Mal in Folge werden die Schanzer in der 3. Liga nur einen Mittelfeldplatz belegen. Vereinsgründer Peter Jackwerth nimmt im Interview Stellung zur Situation bei den Schanzern, zieht Bilanz und blickt in die Zukunft.





Wie enttäuscht sind Sie vom Abschneiden in der Jubiläumssaison?


Peter Jackwerth: Sehr. Und nicht nur sehr enttäuscht, sondern ich ärgere mich wirklich darüber, wenn ich sehe, dass man mit ein bisschen Euphorie und dem Willen, sich reinzuhauen, in der 3. Liga durchmarschieren kann.

Sie meinen den SSV Ulm und Preußen Münster?

Jackwerth: Ja, natürlich. Das sind gute Mannschaften, und auch Jahn Regensburg hat sich nach dem Abstieg ganz gut verstärkt. Aber ich glaube, dass wir mit unserer Mannschaft da nicht hinten dran stehen. Nur haben wir es nicht geschafft, den Drive zu kriegen, wir haben zu viele Punkte verschenkt.

Trotz des schwierigen Starts nach dem Umbruch im Sommer schaffte Trainer Michael Köllner immer wieder den Anschluss an die Spitzenteams und war mit nur zwei Punkten Rückstand auf das Führungstrio gut im Rennen. Was ist nach dem 2:1-Sieg gegen Dynamo Dresden passiert, dass sich die Mannschaft so abrupt aus dem Aufstiegskampf verabschiedet hat?

Jackwerth: Ich bin nicht mehr derjenige, der sportlich die Verantwortung trägt. Die Zeiten sind vorbei. Nach der Freistellung von Trainer Tomas Oral und Sportdirektor Michael Henke vor drei Jahren habe ich für mich beschlossen, dass ich mich in den sportlichen Bereich nicht mehr einmische. Wir sind jetzt zwei Jahre in der 3. Liga, und zweimal sind wir in der Rückrunde eingebrochen, das verstehe ich nicht. Wir müssen einfach mal mehr Power und ein bisschen mehr Herzblut reinbringen, um mit den letzten fünf Prozent die Spiele zu gewinnen.

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Muss sich der FCI darauf einstellen, länger in der 3. Liga zu bleiben?

Jackwerth: Wenn wir uns weiterhin so blöd anstellen, wird sich das nicht vermeiden lassen.

Das erklärte Ziel – und auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit – ist aber weiterhin, dass man schnell in die 2. Liga kommt?

Jackwerth: Es gibt nur zwei Möglichkeiten, du wirst ein No-Name-Klub in der 3. Liga oder du schaffst wieder den Sprung nach oben, um dich weiterzuentwickeln. In der 3. Liga gehen dir nach einer gewissen Zeit die finanziellen Reserven aus.

Mit der SV Elversberg und dem SSV Ulm sind zwei Jahre hintereinander zwei Aufsteiger aus der Regionalliga in die 2. Liga durchmarschiert, die mit einer über längere Zeit gewachsenen Mannschaft angetreten sind. Warum schafft es der FC Ingolstadt nicht, einen Kader wachsen zu lassen?

Jackwerth: Was die Mannschaft betrifft, mache ich wir keine Sorgen. Die wird so aussehen wie in diesem Jahr mit zwei, drei Änderungen. Die Trainergeschichte liegt uns natürlich im Magen. Wir reden immer von Kontinuität. Wir müssen wieder jemanden finden, der das richtige System findet und seinen Plan nicht nur 18 oder 19 Spiele lang, sondern 38 Spiele verfolgt. Und dann bin ich fest davon überzeugt, dass wir mit der Qualität unserer Mannschaft in der Lage sind, vorne mitzuspielen. Ob es dann für einen Aufstieg reicht, muss man sehen.

Sie haben den Trainerwechsel angesprochen: Die Personalie Michael Köllner gibt den Fans nach wie vor Rätsel auf. Wieso erfolgte die Trennung jetzt?

Jackwerth: Die Entscheidung ist ja von der sportlichen Leitung gefällt worden. Aber wir alle, auch der Aufsichtsrat, der das genehmigt hat, und der Vereinsvorstand waren nicht mit der Entwicklung der Mannschaft zufrieden. Da reden wir auch davon, dass wir ziemlich viele verschiedene Systeme probiert haben und in der kompletten Runde fast nichts gegriffen hat. Nach dem Analysegespräch zwischen Trainer und der sportlichen Leitung erfolgte dann der Entschluss, nicht mehr mit Michael Köllner in die neue Saison zu gehen. Das ist dann wie in einer Ehe: Wenn man weiß, man trennt sich, dann sollte man es gleich machen und nicht in vier Wochen.

Welchen Trainertyp braucht der FCI jetzt?

Jackwerth: Das ist nicht meine Aufgabe. Ich bin aber überzeugt davon, dass Sabrina (Wittmann, Anm. d. Redaktion) die Qualifikation mitbringt. Nach so einem Trainerwechsel passiert ja auch etwas in einer Mannschaft. Wir haben jetzt Zeit, das zu beobachten und uns dann so aufzustellen, dass wir die richtige Person für diese Mannschaft finden. Das kann auch Sabrina sein.

Die Vorgabe, mit dieser Mannschaft aufzusteigen, gilt in jedem Fall?

Jackwerth: Wir haben uns schon gefragt: Was wollen wir im nächsten Jahr erreichen? Die Mannschaft muss sich nicht mehr finden, und sie hat die Qualität, vorne mitzuspielen. Fakt ist: Wir wollen aufsteigen. Auch wenn man das nicht planen kann, wie man bei anderen Vereinen sieht. Regensburg und Dresden hatten zur Winterpause zwölf beziehungsweise zehn Punkte Vorsprung und schaffen es beide nicht, wenn es dumm läuft. Deswegen: Wir wollen vorne dabei sein, wir wollen es versuchen und wir wollen natürlich alles dafür tun, aus dieser Liga rauszukommen und wieder aufzusteigen. Das ist die Grundmessage.


Was erwarten Sie jetzt von Sportdirektor Ivica Grlic und Geschäftsführer Dietmar Beiersdorfer, der ja nun schon etwas länger da ist, aber den FCI sportlich gesehen noch nicht in die Spur gebracht hat, wie man es gerne hätte?


Jackwerth: Das ist genau richtig. Wir haben auch darüber geredet. Bis jetzt war es ja so, dass ich noch involviert war, teilweise auch bei der Trainerauswahl. Michael Köllner habe ich vor eineinhalb Jahren selbst angerufen. Ivo kam dann gleichzeitig mit Michael. Jetzt haben Didi und Ivo die Chance, sich das so aufzustellen, wie sie es sich vorstellen. Daran müssen sie sich dann auch messen lassen.

Das heißt, Ivica Grlic war mit Michael Köllner als Trainer einverstanden, obwohl er ihn nicht ausgesucht hat?

Jackwerth: Der Sportdirektor und der Trainer sind am gleichen Tag gekommen und waren sich einig, dass sie miteinander kein Problem haben. Beide haben die Mannschaft geplant und auch die Marschroute. Das wurde in der Vorrunde befriedigend umgesetzt, anders kann ich es nicht sagen, weil das bei Weitem nicht so gut war, wie es ausgeschaut hat. Die Rückrunde war ungenügend, das muss man einfach so sehen. Jetzt hat der Sportdirektor die Chance, seinen Trainer selber auszusuchen.

Denken Sie, beide haben gut zusammengearbeitet?

Jackwerth: Ja, natürlich. Ich mache ihnen keinen Vorwurf. Es hat irgendetwas nicht gepasst, Punkt. Und ich kann nicht sagen, was es war.

Wenn man auf die Gesamtentwicklung in den 20 Jahren FC Ingolstadt schaut und sieht, dass aktuell ein Klub wie der langjährige Bundesligist MSV Duisburg in die Regionalliga absteigt, haben Sie dann Angst, dass Ihrem Verein das auch passieren kann?

Jackwerth: Auch wenn es im Moment ungenügend ist, und das seit zwei Jahren, sehe ich das nicht. Aber bei uns war immer viel Herzblut dabei, viel eigene Entwicklung und auch eine große Einigkeit vorhanden. Das ist zuletzt etwas abhanden gekommen, auch durch die vielen Wechsel auf wichtigen Positionen. Da müssen wir wieder hin.

Wie meinen Sie das?

Jackwerth: Als Frank Dreves (ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender, Anm. d. Red.), der das mit Vollgas gemacht hat, Andreas Schleef (Vereins-Vize), Harald Gärtner oder Franz Spitzauer (beide ehemalige Geschäftsführer) in den Gremien saßen, waren das Leute, die langfristig im Verein waren und den FCI gelebt haben. Dann kam der erste Sportdirektor von außen, der nicht funktioniert hat, dann der erste Geschäftsführer, dann wieder ein neuer Sportdirektor, es hat Reibereien gegeben zwischen Alt und Jung, und wir hatten auch Umstellungen im Aufsichtsrat. Gott sei Dank ist jetzt Karl Meier (jetziger Aufsichtsratsvorsitzender) schon länger und beständig dabei.

Fällt es Ihnen als Vereinsgründer, der viele Jahre den Weg selbst mitbestimmt hat, schwer, es zuzulassen und mit anzusehen, wie quasi die nächste Generation die Geschicke lenkt?

Jackwerth: Was heißt schwer? Ich bin ja noch nicht weg. Wir reden auch viel miteinander, aber ich kann nur meine Erfahrungen weitergeben. Annehmen müssen es die, die jetzt neu dazukommen. Aber für mich ist klar, das ist mein Klub und das wird immer mein Klub bleiben.

Sie werden im Juni 67 Jahre alt. Im Herbst stehen Neuwahlen an. Wollen Sie erneut für den Vereinsvorsitz kandidieren?

Jackwerth: Das entscheide ich kurzfristig. Ich will schauen, wie die neue Saison anläuft. Wenn wir dann wieder so eine schlechte Stimmung im sportlichen Bereich bekommen, auch untereinander, dann macht das eigentlich dauerhaft keinen Sinn. Ich habe immer gesagt, bis 70 habe ich kein Problem. Aber es kann nicht sein, dass ich noch viermal die Woche ins Büro fahren muss. Diese Energie habe ich nicht mehr.

Wo sehen Sie den FCI in den nächsten Jahren?

Jackwerth: Der FC Ingolstadt gehört in die 2. Bundesliga. Wir sind kein Erstliga-Verein, so fair muss man mit der Situation umgehen. Wir sind ein kleiner Verein, der kein Stadion mit 20 oder 30000 Zuschauern füllen kann, und wir werden auch nie die finanziellen Mittel dafür in unserem Umfeld haben. Aber wir können zu den Top 36 in Deutschland gehören, und wenn wir uns da bewegen, ist es gut. Alles, was nach oben kommt, müssen wir mitnehmen, und wenn es mal wieder runter geht, muss man auch damit leben.

DK



Das Interview führte

Gottfried Sterner.