Sommer in der Stadt
Eiszeit im Süden: Auch für Urlauber aus dem Norden gehört Speiseeis einfach dazu

26.08.2022 | Stand 22.09.2023, 6:21 Uhr

Fürs Foto holen sich Levke und Daniel aus Niebüll in Nordfriesland extra noch eine zweite Portion Eis. Foto: Brandl

Im Norden schmilzt das Eis. Dort aber nicht auf der Zunge, was am Klimawandel liegt und im Fall des schwindenden Permafrosts auch nichts mit Genuss zu tun hat. Vom ewigen Eis im Polarkreis leben Levke und Daniel trotz ihrer nördlichen Herkunft ein gutes Stück weit entfernt. Mehr als 2000 Kilometer sind es von Niebüll – ihrer Heimatstadt in Nordfriesland – bis nach Hammerfest im äußersten Norden Norwegens. Ungefähr 900 Kilometer haben sie im Sommerurlaub bisher in die entgegengesetzte Richtung, nach Ingolstadt, zurückgelegt.

An diesem heißen Freitagnachmittag im August nehmen sie auf der Terrasse einer Eisdiele an der Donaustraße Platz und lassen sich die kühle, cremige Erfrischung auf der Zunge zergehen. Keine Frage, dass die eben erwähnte Eisschmelze so mehr Vergnügen bereitet.

Ingolstadt sei ein Zwischenstopp, wie sie sagen, denn das junge Paar will mit seinen E-Bikes weiter nach München. Ihr erster Eindruck von der Stadt? „Industriell“, findet Daniel, räumt zugleich aber ein, Levke und er seien „Dorfkinder“, wie er es nennt, und würden deshalb das Leben mit vielen Leuten und viel Verkehr gar nicht so kennen. „Es gibt hier aber gute Fahrradwege“, findet er.

Schlangestehen für den kühlen Genuss

Und gutes Eis, wie es ausschaut. Für das Foto für den DONAUKURIER holen sie sich spontan und unaufgefordert noch einen Nachschlag, damit das Bild auch ganz sicher authentisch wirkt. Nach dem Vanilleeisbecher mit Milchreis und Zimt greifen sie nun zu Guave und Erdbeereis, verfeinert mit Minze. Wie es schmeckt? „Ein natürlicher Geschmack. Als ob man Erdbeeren mit Minze isst“, sagt Levke. Die beiden würden auch zu Hause bei der Auswahl von Speisen und Produkten auf regionale Herkunft achten, erzählen sie. „Und auf guten Kaffee“, ergänzt Daniel. Den dürften sie zur Stärkung auf ihrer ersten großen Fahrradtour durch Deutschland freilich brauchen.

Seit zwei Jahren seien neben Bio-Eis auch vegane Sorten gefragt, berichtet Mitarbeiterin Mariana Pista. Die Kundschaft könne außerdem neben dem klassischen Milchspeiseeis aus laktosefreien und glutenfreien Sorten wählen. „Es ist ein tolles Gefühl, wenn wir die Leute mit unserem Eis glücklich machen können“, sagt sie. Eishochsaison – das bedeutet aber auch, dass es hinter der Theke alle Hände voll zu tun gibt. Neben der Aufnahme von Bestellungen kümmert sich das Stammpersonal, das im Sommer von Aushilfskräften unterstützt wird, ums Kassieren, füllt Eisportionen in Waffeltüten, richtet Eisbecher an und serviert sie.

Die Eisdiele von Wolfgang Erhard gibt es an der Donaustraße bereits seit 2017, und inzwischen kämen auch viele Stammkunden. „Alle sind sehr freundlich. Das ist schon eine familiäre Atmosphäre“, erzählt Pista, die sich noch gut an einen für sie besonders denkwürdigen Moment erinnern kann: „Als wir den Sicherheitsabstand wegen Corona hatten, reichte die Schlange einmal bis um das Gebäude herum.“ Das passiert heute zwar nicht, dennoch geben sich die Leute – wie an anderen Eisdielen in der Stadt auch – quasi die Klinke in die Hand und wissen oft schon genau, welche Sorten sie wünschen. Ansonsten sprechen Pista und ihre Kollegin gerne eine freundliche Empfehlung aus, wie etwa die neue Sorte Guave.

Internationale Eisliebhaber zu Gast

Es scheint der Tag der Touristen an der Eisdiele zu sein. Zwei Frauen, die eben noch die Karte studiert haben, nehmen auf der Terrasse Platz und warten auf die bestellten Eisbecher. „Wir kommen aus Frankreich“, erzählen sie. Ursprünglich würden sie aber aus Schwaben stammen. Eine typische Spätzleregion also. Ob die nach dem Eis am Abend beim Besuch im Wirtshaus als Beilage auf dem Teller landen, wollen die Urlauberinnen allerdings offen lassen.

DK