Ingolstadt

Die Urnenfelderzeit im Ingolstädter Raum

Neue Dissertation zur Archäologie Ingolstadts – Vortrag von Fabian Wittenborn im Barocksaal

25.06.2022 | Stand 25.06.2022, 8:00 Uhr

Über die Urnenfelderzeit im Ingolstädter Becken hat Fabian Wittenborn promoviert. Der Archäologe ist am Fränkische-Schweiz-Museum in Tüchersfeld tätig. Im Vortrag zu seiner Dissertation zeigte er unter anderem den vorgeschichtlichen Donauverlauf. Fotos: Pehl

Es sei schon ein gewichtiges Werk geworden, merkte Kulturreferent Gabriel Engert bei der Präsentation der Doktorarbeit von Fabian Wittenborn im Barocksaal treffend an. Aber der Raum Ingolstadt ist eben allein schon wegen des großen Gräberfelds von Zuchering für die archäologische Forschung in Bayern und weit darüber hinaus von großer Bedeutung. Stolze 878 Seiten umfasst „Die Urnenfelderzeit im Ingolstädter Becken im Spiegel ihrer Bestattungen“, ein Werk, das jetzt im Rahmen der Reihe „Beiträge zur Geschichte Ingolstadts“ erschienen ist.

Die Dissertation von Fabian Wittenborn, so der städtische Archäologe Gerd Riedel, sei aber umgekehrt auch für Ingolstadt, besonders für das Stadtmuseum, von besonderer Wichtigkeit. „Denn die Bronzezeit bildet nicht nur wegen des Bernstein-Colliers einen besonderen Schwerpunkt in unseren Museumssammlungen.“ Bereits der Umfang des Werkes zeigt die Reichhaltigkeit der Museumsbestände, denn ein Großteil der nun wissenschaftlich bearbeiteten Funde liegt im Stadtmuseum, deutlich weniger in der Archäologischen Staatssammlung München oder in anderen Museen.

„Dass diese enorme Materialmenge bewältigt werden konnte, verdanken wir zuallererst Herrn Wittenborn“, so Riedel. Er habe sich mit unglaublicher Energie in die Magazinbestände eingearbeitet und jede damit verbundene Herausforderung angenommen. Dennoch waren umfangreiche Vorarbeiten nötig, die wieder weitgehend von den Ehrenamtlichen des Stadtmuseums und des Historischen Vereins geleistet wurden, unter fachlicher Anleitung durch die Museumsmitarbeiter. So konnte Wittenborn die gekennzeichneten und restaurierten Funde meist umgehend bearbeiten. Besonders wichtig ist die Unterstützung der universitären Betreuer, Prof. Philipp Stockhammer aus München und Prof. Joseph Maran aus Heidelberg. Gerade die Arbeiten mit Fundmaterial sind meist anspruchsvoller als reine Literaturthemen.

„Das Fundmaterial ist in der Archäologie nur die halbe Miete. Genauso wichtig sind die Grabungsdokumentationen“, so Riedel weiter. Sie wurden vom Landesamt für Denkmalpflege, damals von Ruth Sandner und im Barocksaal vertreten durch Amira Adaileh, unkompliziert zur Verfügung gestellt. Die Ergebnisse der intensiven archäologischen Grabungstätigkeit um Ingolstadt finden so ihren Weg in die Fachwelt, schließlich aber auch zu den Bürgerinnen und Bürgern in Stadt und Region.

Wittenborns Vortrag selbst war erfreulich „unakademisch“. Vielmehr orientierte er sich an den Zuhörern, denen die Urnengräberzeit wenig bis gar nichts sagt. Und so erklärte er anschaulich und mit viel Verve, was die Bronzezeit eigentlich ist, wie lange sie gedauert hat (2150 bis 800 vor Christus), wann die Urnenfelderzeit war (1400 bis 800 vor Christus) und wie Zuchering damals ausgesehen hat. Er zeigte den vorgeschichtlichen Donauverlauf, der darauf schließen lässt, dass Zuchering damals möglicherweise an einer Furt lag und wohl ein Handelsplatz gewesen sein könnte. Die Zuhörer erfuhren, dass zwischen Siedlungen und Gräber damals fast immer Gewässer lagen und Einzelhöfe meist nach einigen Jahrzehnten wieder aufgegeben wurden, weil vermutlich der Boden ausgelaugt war. Vier Phasen kann Wittenborn bei der Siedlung Zuchering unterscheiden, deren Ende übrigens mit dem Beginn des Oppidums in Manching zusammenfällt.

Am meisten überrascht waren die Anwesenden jedoch, dass Zuchering, eine „Großstadt“ der Bronzezeit, wohl nur fünf bis acht Familien umfasste, wie sich aus Grabungen und Gräbern schließen lässt. „Moderne Maßstäbe sind da schwierig“, merkte er zu Recht an.

DK