Konzertvorschau
Bob Ross und sein Ensemble „Blechschaden“ gastieren am 30. Mai in Ingolstadt

12.05.2023 | Stand 16.09.2023, 22:12 Uhr
Sabine Busch-Frank

Hornist und Dirigent Bob Ross kommt zusammen mit „Blechschaden“ am 30. Mai nach Ingolstadt. Foto: Epp

Dass ihm als Schotte wohl der Dudelsack besser anstünde als das Horn, hat Bob Ross (69) schon öfters gehört. Er hat es dennoch weit gebracht an dem unhandlichen Instrument mit den vertrackten Anforderungskomplex aus Ansatz, Notation und Bauartvarianten. Jahrzehntelang spielte er für die Münchner Philharmoniker, aus deren Musikern er auch noch im Ruhestand seine Mitstreiter rekrutiert. Zusammen bilden sie das von ihm begründete Ensemble „Blechschaden“ und spielen Crossover vom Feinsten. Barock, Romantik, Klassik, Pop, Brass, Jazz, Schlager – alles findet sich auf der Playlist der launigen Truppe.

Am Dienstag, 30. Mai, tritt „Blechschaden“ im Festsaal Ingolstadt auf, um einen Abend zu spielen, der ursprünglich als Neujahrskonzert am 2. Januar angesetzt war. Die Terminkalender der Orchestermitglieder sind mit Ersatzkonzerten aus der Coronazeit angefüllt und nach dem Abschied des Chefdirigenten Valery Gergiev, der als Russland-Freund seine Stelle nach Kriegsbeginn verlassen musste, wurden vielfach Termine erneut verschoben. Das hat Folgen auch für die Spaßformation „Blechschaden“.

„Das hässlichste Wort, das ich kenne im Deutschen ist Dienst“, stöhnt Ross. „Wir haben natürlich einen Pool von Musikern, die einspringen können, sozusagen eine zweite Mannschaft als Ersatz. Aber auch deren Verfügbarkeit ist begrenzt. Ich selbst stehe bei jedem Konzert ganz vorne, bin als Dirigent der Kutscher für die zwölf Musiker, aber ansonsten sind die Rösser bei mir frei. Wir haben nur die besten Leute, unseren Posaunist Pedro Olite Hernando kennt man beispielsweise in Ingolstadt.“ Mit der Stadt verknüpfen auch Ross persönliche Bande, sein Sohn John arbeitet hier für Audi in der Entwicklung, aber vor allem entdeckte Bob Ross hier seine Liebe zu Deutschland. „Das war 1970 als ich mit der „Brass Band of Scotland“ als Sechzehnjähriger auf Tournee durfte, wir besuchten damals Partnerstädte und ich war begeistert. So habe ich mir in den nächsten Ferien einen Job hier gesucht, im Rahmen eines Austauschprogramms, bei der damaligen Firma „Uhlmann“. Da wollte ich auf der Baustelle gern ein paar Worte Deutsch lernen und hab trotz Wörterbuch einfach gar nichts verstanden. Ich dachte, es müsse der bayerische Dialekt sein, aber alle waren Jugoslawen! Ich kam dann einige Male wieder, habe für ein Werk Glühbirnen gepackt und in der Sparkasse gejobbt und erinnere mich auch an ein Bierfest in Beilngries, wo ich heute noch Freunde habe, die mich schon damals gastfreundlich aufgenommen haben. Also, Ingolstadt ist schon sehr besonders für mich!“

Selbst spielt Ross nicht mit bei den Auftritten, sondern gibt den Conférencier. Das hat sich ergeben, weil selbst eine Profi-Bläserformation nicht einfach eine Stunde durchspielen kann, zwischendurch müssen immer die Lippen entspannt, der Ansatz geschont werden.

„Das ist ein ernstes Thema, ich kenne da viele Opfer, die nicht mehr spielen konnten wegen dem Ansatz, es ist eine Muskelsache“, erklärt Ross. „Zwar gibt es viele Therapien, aber es ist bleibt schwierig, das hat dann nichts mit dem Gehör oder einem Mangel an Übung zu tun, sondern es verrutschen einem einfach die Töne und als Bläser kann man ja nicht in den hinteren Pulten versinken, wenn man spielen muss, uns hört jeder! Das ist eine Frage von Sein oder Nichtsein, eine Zeit lang hat einen im Hinblick darauf auch die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht mehr versichert.“

Um das Programm, das so leicht klingt und so anspruchsvoll zu spielen ist, entsprechend zu strecken, begann Ross also, seine Entertainment-Qualitäten auszuleben, mit Schwerpunkt Schottenwitz und Orchester-Interna. Diesen unverwechselbaren Mix aus Unterhaltung und Unterhaltungsmusik im allerfeinsten Sinn liebt das Publikum. „Blechschaden“ tourt seit 37 Jahren um die Welt, ist bekannt durch Auftritte in Fernsehen und Shows. Dass sein zwölfköpfiges Ensemble nur aus Männern besteht, bedauert Ross. „Einmal, ganz am Anfang, hatten wir eine Posaunistin dabei, aber seither habe ich keine Musikerin mehr gefunden. Die erste Wahl liegt eben beim Orchester, wenn da keine Frau ist, dann haben wir auch keine. Neuerdings gibt es aber dort drei Damen in der Horngruppe, vielleicht rücken die auch mal bei uns nach.

Dabei waren die Münchner Philharmoniker eines der ersten großen Orchester, die Frauen hatten, inzwischen liegt der Anteil fast bei 50 Prozent. Die Zeit der Männerdomäne ist vorbei.“

Die Arrangements für seine Musik macht Ross übrigens nicht selbst. Über 40 Arrangeure haben schon dafür gesorgt, dass Blechbläser Notensätze spielen, die man sonst von Streichern, aus der U-Musik oder Gesangsstimmen kennt. Denn hier steht „Smoke on the Water“ genauso auf dem Spielplan wie eine spezielle Variante eines Richard-Strauss-Orchesterwerkes mit dem hinreißenden Titel „Also brass Zarthustra“.

Ross glaubt nicht an die Unterscheidung zwischen sogenannter „U“ und „E“ Musik. „Es gibt nur gute und schlechte Musik“, findet er. Jedes seiner Konzerte hat Bierbank-Qualitäten, hier sitzen Janker, Hoodie und Cocktailkleid zusammen im Publikum. Besonders gefreut hat Ross sich kürzlich, als eine Frau sich bei ihm bedankt hat, weil ihr Mann sie plötzlich nicht nur zu „Blechschaden“ sondern auch in ihr Konzert-Abonnement begleiten wollte. „,Blechschaden‘ ist mein Hobby, aber ein sehr schönes“, resümiert Ross. „Dirigieren kann man bis zum Umfallen.“