„Critical Friends“ gesucht
Barrieren abbauen, Themen finden

In der neuen Spielzeit soll ein alternativer Beirat die Arbeit des Stadttheaters Ingolstadt begleiten – Treffen am 27. Mai

17.05.2024 | Stand 17.05.2024, 17:00 Uhr |

Mehrsprachig wirbt das Stadttheater für die Treffen der „Critical Friends“. Jeder kann hier mitmachen. Foto: Stadttheater Ingolstadt

„Kritische Freunde“ wünscht sich der designierte Theaterintendant Oliver Brunner. Er möchte mit den „Critical Friends“ einen Theaterbeirat etablieren, der das Stadttheater Ingolstadt begleitet, inspiriert und unterstützt. Ein erstes Treffen findet am Montag, 27. Mai um 19 Uhr im Restaurant Backstage im Stadttheater statt.

Mitmachen können Privatpersonen, Vertreter und Vertreterinnen von Interessensgruppen, Vereinen, Organisationen oder lokalen Communitys. Und sie müssen nicht mal ein Faible für Theater haben. „Wir suchen vor allem Menschen, die entweder noch gar keine Erfahrung mit dem Theater gemacht haben, oder vielleicht auch schlechte. Die sich ausgeschlossen fühlen von den Themen, die bisher auf dem Spielplan zu finden waren“, sagt Lisa Marie Schacher, die künftig als Stadtdramaturgin Ansprechpartnerin sein wird. „Wir erhoffen uns von diesen Menschen, dass sie aus ihren Perspektiven berichten, dass wir ihre Geschichten erfahren dürfen. Denn wir wollen erst mal zuhören. Wir möchten Themen hinterfragen, Geschichten sammeln, den Menschen eine Stimme geben, die bisher noch nicht gehört werden, um dann hoffentlich die Diversität der Gesellschaft besser abbilden zu können. Theater ist für alle da, erreicht aber vielleicht nur einen kleinen Teil, weil es Barrieren gibt.“

Damit sich möglichst viele Menschen angesprochen fühlen, wurden die Einladungs-Flyer zu den „Critical Friends“ zweisprachig (Deutsch und Englisch) gedruckt, die wichtigen Sätze wie „Wer erzählt was?“ oder „Wo ist meine Geschichte?“ darüber hinaus in Indisch, Griechisch, Türkisch, Kroatisch usw. – den Sprachen, die hier in Ingolstadt neben Deutsch gesprochen werden.

Oliver Brunner hat mit den „Critical Friends“ schon in Darmstadt Erfahrung sammeln können. Dort hat die Gruppe das Theater beispielsweise bei der Programmgestaltung begleitet, Hürden für den Theaterbesuch identifiziert oder Maßnahmen vorschlagen, die den Zugang zum Theater erleichtern. „Es geht auch darum, das Narrativ zu überprüfen. Werden bestimmt Dinge auch verstanden? Kommen unsere Werbemaßnahmen überhaupt an?“, erklärt er. Geplant ist ein Treffen pro Monat für etwa zwei Stunden. Bei regelmäßiger Teilnahme ist auch eine Aufwandsentschädigung vorgesehen. „Die ,Critical Friends‘ kommen ja nicht zum Kaffeetrinken. Sie bekommen Aufgaben. Es handelt sich um einen aktiven Beirat mit Beratertätigkeit.“

Vor allem geht es um den gegenseitigen Austausch. Auch wenn die „Critical Friends“ aus Darmstadt als Vorlage dienen, geht es doch um die Menschen in Ingolstadt. „Es gibt hier andere Interessen, andere Geschichten, andere Themen“, sagt Lisa Marie Schacher. „Vielleicht müssen wir auch erst mal erklären, wie wir am Theater arbeiten. Aber vielmehr würde ich mir wünschen, dass Impulse an uns herangetragen werden.“

„Es geht auch darum, Vertrauen aufzubauen. Die Abonnenten oder die Freunde des Theaters haben ja schon einen Pakt mit dem Theater geschlossen“, sagt Brunner. „Aber die, die wir als ,Critical Friends‘ ansprechen wollen, haben ja Gründe, warum sie nicht ins Theater gehen. Im Idealfall können sie uns mit ihrer Aussage helfen zu verstehen, was wir besser machen können, um noch mehr Tangenten in die Stadt zu legen.“

DK


Das erste Treffen der „Critical Friends“ findet am 27. Mai um 19 Uhr im Backstage statt. Anmeldung und Infos unter stadtdramaturgie.de oder Telefon (0151) 23190401.