Ingolstadt

Alles dreht sich um die Biene: Honigkönigin zu Gast beim Bezirks-Bienenzuchtverein

07.08.2022 | Stand 07.08.2022, 20:00 Uhr

Begrüßen die Gäste beim Honigfest: Honigkönigin Katharina Gegg und Vereinsvorsitzender Josef Kaufmann. Foto: Stückle

Von Ruth Stückle

Ingolstadt – Nein, Angst vor Bienenstichen hat sie nicht. „Ich werde regelmäßig gestochen“, sagt Katharina Gegg. Dennoch übt die junge Frau aus dem Neuburger Stadtteil Baring ihr Hobby, die Imkerei, mit genau so viel Freude aus wie ihr Amt als Bayerische Honigkönigin. Insgesamt 90 Termine hat sie als Repräsentantin des echten bayerischen Honigs seit 2019 bereits absolviert. Am Sonntag ist sie zu Gast beim Honigfest des 1868 gegründeten Bezirks-Bienenzuchtvereins Ingolstadt im Mooshäuslweg.

Was tun bei einem Bienenstich?

Dabei gibt sie auch gleich ein paar Tipps, wie denn am besten mit einem Bienenstich umzugehen ist. „Den Stachel abstreifen, nicht rausziehen.“ Denn beim Rausziehen drücke man das Gift erst richtig in die Stichwunde rein. Gegen die Schwellung helfe Kühlung. Und, falls zur Hand, Spitzwegerich. „Zerdrücken und draufreiben“, rät die sticherprobte Honigkönigin. Zwar habe sie natürlich wie alle Imker die entsprechende Arbeitskleidung, wenn sie zu Hause ihre fünf Wirtschaftsvölker versorgt, die Handschuhe ziehe sie aber fast nie an, erzählt sie. Und wenn eine Biene zusteche, dann sei das „ihr gutes Recht“. Außerdem, ergänzt ihr Sitznachbar, sei Bienengift eine gute Vorbeugung gegen Rheuma.

Einmal im Jahr lädt der Bezirks-Bienenzuchtverein in seiner Vereinsanlage zum Honigfest. Es gibt Führungen durch den Lehrbienenstand, bei einer Tombola kann man nicht nur Bienenprodukte, sondern sogar Bienenköniginnen gewinnen. Wegen Corona ist das Honigfest zwischenzeitlich ausgefallen. Wegen Corona ist die Amtszeit der Honigkönigin auch um ein Jahr verlängert worden. Im September steht die Wahl der neuen Produktrepräsentantin an. Danach wird Katharina Gegg das wertvolle, von Bienen erarbeitete Naturprodukt Honig zwar nicht mehr repräsentieren, dafür hat sie wieder mehr Zeit für die Imkerei.

Als sie vor Jahren ihre Liebe zu den Bienen entdeckte, machte sie erst einmal einen Kurs „Imkern auf Probe“. Zwei Jahre lang hat sie gelernt, richtig mit den Bienen umzugehen. „Ich war so begeistert, dass ich mein Wissen gerne weitergeben wollte. Deshalb habe ich mich auch als Honigkönigin beworben.“ Doch wie steht es zurzeit um die Bienen? Ist 2022 ein gutes Honig-Jahr? „Es gab viel Frühtrachthonig“, erklärt Gegg. Darunter versteht man Honig aus dem Nektar der Frühjahrsblüher. Etwa 25 Kilogramm pro Volk kamen heuer zusammen. Ein Volk besteht aus einer Königin und vielen tausend Arbeiterinnen. Und Drohnen, den männlichen Tieren, deren einzige Lebensaufgabe es ist, die Königin zu begatten. Anschließend müssen sie sterben.

Wie bedroht die Bienen sind, wissen wir spätestens seit dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“. Das Volksbegehren habe der Imkerei einen richtigen Boom beschert, sagt Josef Kaufmann, der Vorsitzende des Bezirks-Bienenzuchtvereins Ingolstadt. Nachwuchssorgen haben die Imker seither nicht.

Bedrohung der Völker durcheingeschleppte Krankheiten

Anders sieht es mit den Bienen aus. Doch es sei nicht so sehr die Landwirtschaft, die meist am Rande ihrer Äcker Blühstreifen anlegten, sondern vor allem die Flächenversiegelung, die den Lebensraum insbesondere der Wildbiene nehme, erklärt die aus einer Landwirtsfamilie stammende Honigkönigin. Die größte Bedrohung für die Bienen seien eingeschleppte Krankheiten. Die aus Asien eingeschleppte Varroamilbe sei nicht das größte Problem. Jetzt komme die afrikanische Hornisse, die sich bereits in Baden-Württemberg ausbreitet, der afrikanische Beutenkäfer sei in Italien. Insbesondere die amerikanische Faulbrut – eine anzeigepflichtige Bienenseuche, die über den Honig übertragbar ist – bereite Sorgen. Übertragen wird sie unter anderem durch in den Müll geworfene Honiggläser. Die Bienen fliegen auf die sporenverseuchten Reste und holen sich so die Krankheit, die auf den Menschen nicht übertragbar ist. Die Honigkönigin appelliert, Honiggläser nicht wegzuschmeißen, sondern an den Imker zurückzugeben.

DK