Die Festivalreporterinnen
Agatha Christies „Die Mausefalle“ zu Gast bei den Theatertagen in Ingolstadt

12.06.2024 | Stand 12.06.2024, 17:07 Uhr |

Ein Mörder befindet sich auf Monkswell Manor – aber wer ist es? Sergeant Trotter ermittelt. Foto: Hoffmann

Das Publikum von Agatha Christies „Die Mausefalle“ verbindet nach vergangenem Sonntag ein Geheimnis. Daher ist Stillschweigen das oberste Gebot und die letzte Bitte der Schauspieler, ehe sie sich unter Applaus auf der Bühne verabschieden. Humor, Spannung und einzigartige Charaktere dürfen hier natürlich nicht fehlen. Und genau das hat das Ensemble des Theaters an der Rott in das Große Haus nach Ingolstadt gebracht.

Schauplatz des Spektakels ist Monkswell Manor, die Pension der jungen Eheleute Ralston, das durch einen aufkommenden Schneesturm von der Außenwelt abgeschottet ist. Florian Angerer hat den eigenen Charakter eines alten Herrenhauses für das Kult-Stück geschaffen.

Die Wände sind leicht schief, die Türen groß. Hier ein Quietschen, dort ein Knarzen. Recht schlicht ist das Zimmer mit Kamin, Sitzmöbeln und einem Teppich ausgestattet – natürlich gibt es ein Kabeltelefon, ein Radio steht bereit und die Wand ist mit einer Fensterfront ausgestattet, der Schneesturm tobt im Hintergrund, während die Nacht langsam hereinbricht.

Mit Skiern durch den Sturm

Zum Glück kündigt sich Sergeant Trotter (Martin Drilling) telefonisch an und kämpft sich mit Skiern durch den Sturm. Denn in einem verloren gegangen Notizheft des Mörders einer Londonerin befindet sich die Adresse der Pension und das Kinderlied „Three Little Mice“. Ein Mord ist vollbracht, zwei weitere sollen folgen.

Wo waren Mollie (Katharina Heißenhuber) und Giles Ralston (Stefan Wunder) am Tag des Mordes? Was hat die zynische Mrs. Boyle (Yvonne Köstler), die an allem etwas zu bemängeln hat, mit dem Mordopfer zu tun? Wieso interessiert sich der pensionierte Major Metcalf (Norman Stehr) so sehr für die Kellerräume des Anwesens, und was hat es mit dem dubiosen Koffer des gestrandeten Mr. Paravicini (Bonko Karadjov) auf sich?

Auch Christopher Wren (Eduard Zhukov), junger Architekturstudent, der Mollie Ralston direkt unter die Arme greifen will und die mysteriöse Miss Cresswell (Laura Maria Puscheck) scheinen alle eine Verbindung zum Mord zu haben. Jeder von ihnen hat ein Geheimnis, aber kein Alibi. Als dann das Telefon versagt, ist größte Vorsicht geboten – unter ihnen ist ein Mörder und jeder kann das nächste Opfer sein.

Bekannte Gesichter: Poirot und Marple

Trotters Ermittlungen verlaufen zunächst schleppend. Gerade als er das kaputte Telefonkabel überprüfen will, ist dann doch ein Klingeln zu hören; perfektes Timing. Nur leider ist es ein Handy aus den Zuschauerreihen. Die Spannung liegt in der Luft, sie ist zum Greifen nahe. Aber nicht jeder scheint den Ernst der Lage zu erkennen. Es sind die Eigenheiten der Figuren, die dem nervenaufreibenden Stück die richtige Portion an Humor verleihen und ihm so zu einem so großen Erfolg verholfen haben. Nicht zuletzt wurden optisch auch zwei bekannte Gesichter von Regisseurin Elke Maria Schwab in das Theaterstück eingebaut. So hatte Mr. Paravicini mit seinem Schnauzer verdächtige Ähnlichkeit mit dem beliebten Ermittler Hercule Poirot und Mrs. Boyle erinnerte an Miss Marple. Aber nur das Mordopfer kennt den wahren Täter. Und jetzt auch das Publikum.



von Laura Möndel