Ingolstadt

50 Jahre Zentralkläranlage Mailing: Abwasser im Wandel

14.06.2022 | Stand 14.06.2022, 11:14 Uhr

Blick von oben: Die Zentralkläranlage befindet sich neben der Müllverwertungsanlage in Mailing. Foto: Schalles

1800 Liter Abwasser fließen pro Stunde durch die Zentralkläranlage (ZKA) in Mailing: Das Schmutzwasser der Stadt Ingolstadt und den angeschlossenen umliegenden elf Gemeinden – und das seit einem halben Jahrhundert.

Am 26. Mai 1972 nahm die Anlage ihren Betrieb auf und sichert seitdem die geordnete Abwasserreinigung in der Region. „In den letzten Jahrzehnten hat sich viel getan“, sagt Wolfgang Gander, Bauingenieur und Geschäftsleiter der ZKA. Und es wird sich auch künftig einiges für das städtische Unternehmen ändern.

„Umweltschutz ist in Ingolstadt kein bloßes Schlagwort mehr“, heißt es in einem DK-Artikel vom 27. Mai 1972 – einen Tag nach der offiziellen Eröffnung der Zentralkläranlage. Der Weg bis zur Fertigstellung war nicht einfach: Planung und Vorbereitung dauerten damals erheblich länger als die dreijährige Bauzeit. Dafür sei die „Anlage aber auch nach den modernsten Gesichtspunkten und technischen Erkenntnissen gestaltet worden“, hieß es damals. Beim Bau der Anlage wurden 81000 Kubikmeter Erde bewegt und 19500 Kubikmeter Beton verarbeitet. Das Kanalnetz wurde seitdem kontinuierlich ausgebaut – rund 1050 Kilometer sind es inzwischen, sagt Gander.

Die Leistung der Zentralkläranlage wird in Einwohnerwerten gemessen, darunter zählen sowohl die Abwässer der Haushalte als auch die der Industrie. Sie klärt und reinigt das Schmutzwasser von bis zu 275000 Einwohnerwerten. Nach der Reinigung wird es in die Donau geleitet. Regelmäßig überprüft das Wasserwirtschaftsamt das Wasser. Werden die vorgeschriebenen Werte nicht eingehalten, kann es für die Stadt teuer werden – dann ist ein Bußgeld von rund einer Million Euro fällig. „Es ist schwierig, die Werte einzuhalten. Bisher haben wir es aber immer geschafft“, betont Gander. Im Gegensatz zu Kläranlagen anderer Regionen: Dass eine Stadt eine so genannte Abwasserabgabe bezahlen müsse, komme schon häufiger vor.

„Wir wollen weiter ausbauen – auf Einwohnerwerte von 320000“, sagt der Geschäftsleiter. Die Stadt befinde sich im stetigen Wachstum. Der Ausbau sei notwendig: „Jeder Mensch produziert Abwasser. Wir müssen in die Zukunft blicken.“ Außerdem ist eine zusätzliche Reinigungsstufe in Planung. Dafür hat die ZKA im Jahr 2018 einen Innovationspreis des Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz erhalten. In etwa einem halben Jahr beginnt der Bau: „Gewässerschutz ist sehr wichtig“, betont Gander, „wir sind ein Umweltbetrieb.“

Auch das Thema Nachhaltigkeit ist Teil der Unternehmensphilosophie: In den großen Türmen der ZKA wird der Klärschlamm gelagert. „Innerhalb von 30 Tagen fault der Schlamm aus. So wird Gas produziert und gesammelt.“ Damit deckt die ZKA rund 66 Prozent ihres Energiebedarfs. „Wir machen aus Abfall Strom“, sagt Gander. Zu guter Letzt landet der Klärschlamm in der Müllverwertungsanlage (MVA) direkt neben der Zentralkläranlage. Bis 2029 wird sich auch das ändern, spätestens dann darf nach einer bundesweiten Verordnung der Schlamm nicht mehr in der MVA entsorgt werden. Wo er dann landen wird, ist noch nicht abschließend geklärt. Das ursprüngliche Projekt – den Klärschlamm auf dem eigenen Gelände zu trocknen und zu entsorgen – konnte letztlich nicht realisiert werden: „Mal sehen, wie es weitergeht. Wir sind gerade in der Findungsphase“, sagt Gander.

DK