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GWG will mit zweitem Sonderprogramm bis 2026 rund 1600 weitere Wohneinheiten schaffen

"Bauen, bauen, bauen!"

Ingolstadt
erstellt am 10.09.2018 um 16:52 Uhr
aktualisiert am 13.09.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Die städtische Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft (GWG) will den sozialen Wohnungsbau weiter forcieren. Geschäftsführer Peter Karmann und OB Christian Lösel haben am Montag von großen Anstrengungen gesprochen, auch auf mittlere Sicht bezahlbaren Wohnraum durch die öffentliche Hand vorzuhalten. Bis zum Jahr 2026 sollen durch die GWG für rund 400 Millionen Euro 1600 neue Wohneinheiten entstehen, davon 1100 mit Sozialbindung.
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Der Oberbürgermeister spricht von einem Sonderbauprogramm 2.0, mit dem die Stadt über ihre Tochtergesellschaft GWG ihre Spitzenposition in punkto sozialer Wohnungsbau in Bayern weiter ausbauen will. Es soll quasi nahtlos an das derzeit laufende Sonderprogramm anknüpfen, das bis 2021 abgeschlossen werden soll. Wie auch schon berichtet, entstehen gegenwärtig in Regie der GWG; teils auch in Kooperation mit der privaten Bauwirtschaft, quer durchs Stadtgebiet 1700 Wohneinheiten, die zu einem guten Teil Bürgern mit niedrigem Einkommen und entsprechenden Wohnberechtigungsscheinen zugute kommen sollen. Typische Projekte sind die Vorhaben an der Stargarder Straße und an der Weningstraße im Augustinviertel.

Ingolstadt
Mit dem nun vorgestellten Anschlussprogramm soll der voraussichtliche künftige Bedarf an erschwinglichem Wohnraum bis 2026 zumindest einigermaßen gedeckt werden. Denn die Stadt geht davon aus, dass Ingolstadts Bevölkerung weiterhin wachsen wird - mutmaßlich um rund 1300 Personen pro Jahr und bis 2026 deshalb auf ein Niveau von rund 148000 Einwohnern. Dem anhaltenden Zuzugsdruck müsse mit vorausschauender Wohnungspolitik begegnet werden, sind sich OB Lösel und GWG-Chef Karmann einig.

Der Rathauschef erinnert an die bereits angelaufene Projektierung neuer Wohngebiete in mehreren Stadtteilen. Bei Planungszeiträumen von allemal zwei Jahren bis zu einer Realisierung gelte es, bereits jetzt auch die Konzepte für künftigen sozialen Wohnungsbau zu entwickeln. Ingolstadt habe bereits 2017 mit einem Bestand von rund 5700 Wohneinheiten mit Sozialbindung (Quote: 8,4 Prozent) in Bayern ganz vorne gelegen und wolle diese Position nicht nur festigen, sondern sogar noch ausbauen. So solle der Bestand an Sozialwohnungen bis 2026 auf knapp 7900 Wohneinheiten gehoben werden. Die Quote würde damit auf rund elf Prozent steigen. Christian Lösel nannte zum Vergleich die nächstplatzierten Städte im bayerischen Ranking für sozialen Wohnungsbau. Demnach folgen Nürnberg und Regensburg derzeit mit weitem Abstand (6,1 bzw. 6,2 Prozent).

Der Oberbürgermeister, der Aufsichtsratsvorsitzender der GWG ist, sieht in einer vorausschauenden Wohnungspolitik mit hohen Investitionen der Kommune bzw. ihrer Tochtergesellschaft die einzige Möglichkeit, den Wettbewerb großer Bevölkerungsteile mit überschaubarem Einkommen um bezahlbaren Wohnraum zu entspannen. Dirigistischen Maßnah- men erteilte er gestern abermals eine Absage: Sie könnten allenfalls kurzzeitige Effekte bescheren, bei anhaltend großer Nachfrage aber nicht dauerhaft wirksam sein. Hier helfe nur die Vergrößerung des Marktes. Lösel: "Bauen, bauen, bauen!"

GWG-Geschäftsführer Karmann will sich noch nicht festlegen, wo genau im Stadtgebiet die künftigen Schwerpunkte des sozialen Wohnungsbaus liegen werden; hier ist offenbar noch einige Abstimmung mit der Stadtplanung erforderlich. Klar ist wohl nur, dass es nicht ausschließlich um neue Grundstücke, sondern da und dort auch um Verdichtung im Altbestand der Gesellschaft gehen wird. Es sei etwa durchaus denkbar, alte Garagenzeilen abzureißen und solche Flächen neu zu überplanen, so Peter Karmann. Auch die Höhenentwicklung können in Einzelfällen beträchtlich sein, so der Geschäftsführer auf Nachfrage. Die GWG wolle sich hier an den bereits bestehenden Standortempfehlungen der Stadtplanung für Hochhausbebauung orientieren.

OB Lösel ergänzte, dass die GWG in Einzelfällen auch über die Stadtgrenze hinaus tätig werden könne: Die Satzung der Gesellschaft erlaube Projekte auch in den unmittelbaren Nachbargemeinden des "Speckgürtels", so der Rathauschef.

In der GWG sieht Lösel den bewährten Garanten für langfristig soliden, fairen Mietzins: Wer in einer Wohnung der Gesellschaft lebe, der befinde sich in einem "Schutzrahmen" und müsse keine exorbitanten Sprünge bei den Wohnkosten befürchten, so der OB. Das solle auch so bleiben.

Deshalb sollen laut Christian Lösel auch 1100 der jetzt geplanten 1600 neuen Wohneinheiten des Sonderprogramms 2.0 öffentlich gefördert und deshalb mit Sozialbindung entstehen. 300 Wohneinheiten sollen demnach frei finanziert werden, und 200 sollen unter dem Stichwort "junges Leben" speziell auf die Bedürfnisse jüngerer Leute zugeschnitten sein. Lösel erinnerte hier an den absehbaren weiterhin hohen Bedarf an Studentenwohnungen in der Stadt. Sollten sich im Laufe der nächsten Jahre Veränderungen im Bedarf abzeichnen, sei innerhalb des Programms auch ein "Umswitchen" (Umschalten) mit neuen Schwerpunktsetzungen denkbar, so Lösel.

Kommentar

Jeder Schritt, die Situation auf dem hitzigen Mietmarkt zu entschärfen, muss begrüßt werden - vor allem in einer Kommune, die seit Jahren einen hohen Zulauf an Geringverdienern hat. Stadt und GWG tun gut daran, diesen sozialen Sprengstoff (nicht erst neuerdings) ernst zu nehmen. Zur Linderung der Probleme jetzt abermals viel Geld in die Hand zu nehmen, ist aller Ehren wert.

Denn mögen auch die Besserverdiener, die bei Audi oder Airbus angeheuert haben, oder Bürger, die die Annehmlichkeiten des öffentlichen Dienstes genießen, sich mit Mondpreisen bei der Grundstücks- und Eigenheimsuche abkämpfen - diese Entwicklung ist bei weitem nicht so dramatisch wie jene, die sich am anderen Ende des Spektrums abspielt.

Immer mehr Zuwanderer aus Ost- und Südosteuropa sind vom Billiglohnsektor aufgesogen worden (das GVZ lässt grüßen) und stehen mit einkommensschwachen Alleinerziehenden, Berufsanfängern mit Zeitverträgen und Senioren mit Minirenten im Konkurrenzkampf um zu wenige noch halbwegs erschwingliche Mietwohnungen. Wer dann noch berücksichtigt, dass zunehmend auch anerkannte oder geduldete Flüchtlinge auf diesen Markt drängen, der kann erahnen, dass hier auch Nährboden für Ressentiments vorhanden ist. Und bis 2026 ist es noch lang. Bernd Heimerl
Bernd Heimerl
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