Donnerstag, 21. Juni 2018
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Der Ingolstädter Metzger Joseph Huber verwertet die Naturschweine vom Hof der Familie Weichselbaumer

Wertschöpfung mit Ringelschwänzchen

Ingolstadt
erstellt am 08.06.2018 um 21:15 Uhr
aktualisiert am 13.06.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Der Auslöser war der DONAUKURIER.
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Der Ingolstädter Metzger Joseph Huber verwertet als einziger die Naturschweine der Familie Weichselbaumer.
Der Ingolstädter Metzger Joseph Huber verwertet als einziger die Naturschweine der Familie Weichselbaumer.
Foto: Pehl
Ingolstadt
Bei der Lektüre seiner Heimatzeitung hatte der Ingolstädter Metzgermeister Joseph Huber bereits vor einiger Zeit einen Artikel gelesen, worin über das Ehepaar Weichselbaumer und deren Pläne berichtet wurde. "Das hat mich sofort interessiert", erzählt Huber, der sich schon lange intensiv mit Herkunft, Aufzucht und den Lebensbedingungen der Schlachttiere beschäftigt. Er rief bei den Weichselbaumers an, und sie kamen ins Geschäft.

"Ich habe schon länger so etwas gesucht", erzählt der Metzgermeister. Was er bei den Weichselbaumers sofort gemerkt hat: "Die leben das auch. " Seit Jahren kauft Huber seine Schlachttiere nur bei Erzeugern, die er persönlich kennt. Die Schweine stammen von drei Landwirten, die allesamt eine eigene Muttersauenhaltung haben und ihre Ferkel selbst züchten oder nur mit einem einzigen Betrieb zusammenarbeiten. Der große Vorteil: "Die Schweine wachsen in der gleichen Keimflora auf, gegen die sie schon mit der Muttermilch Abwehrkräfte erhalten haben. Vorbeugende Antibiotika sind hier überflüssig", erzählt Huber. Das beste Merkmal für eine artgerechte Tierhaltung ist nach seinen Erfahrungen das Ringelschwänzchen. "Wenn das ganz dran ist, dann stimmt die Haltung. " Denn dann beißen die Tiere sich gegenseitig nicht. Die Landwirte, mit denen Huber zusammenarbeitet, bringen die Tiere auch selber zum Schlachthof, was deren Stress auf diesem Weg angeblich lindert. Und dort gab es in den vergangenen Jahren keine Beanstandungen.

Das Naturschwein von der Familie Weichselbaumer aus dem Landkreis Pfaffenhofen kommt bei den Verbrauchern gut an - auch wenn der Preis höher ist als bei konventioneller Ware aus dem Supermarkt. "Die Nachfrage ist da. Mittlerweile gibt es viele Kunden, die es gezielt verlangen. " Vor allem die seit einigen Jahren über das Land rollende Grillwelle sorgt für eine gute Nachfrage. "Wenn sich einer einen Grill für Hunderte von Euro kauft, dann gibt er meistens auch mehr fürs Fleisch aus", weiß Huber aus Erfahrung. Auch auf die Verarbeitung der Tiere hat sich der Trend zum Grillen ausgewirkt. Wie etliche andere seiner Kollegen auch, zerlegt Huber seine Schweine teilweise anders. In Fachkreisen wird das auch Steakschnitt genannt.

Von der Einführung von Tierwohllabels hält Joseph Huber übrigens rein gar nichts. Stattdessen plädiert er für klare gesetzliche Regeln und Vorschriften, wie sie es beispielsweise bei den Hühnern gibt. So sollte der Gesetzgeber einfach vorschreiben, dass die Schwänze von Schweinen nicht abgeschnitten werden dürfen, was einiges ändern würde. Ein Aspekt ist Huber noch besonders wichtig: Diese kurze, direkte Kette vom Landwirt über den Metzger zum Verbraucher funktioniert nur, weil die Tiere in Ingolstadt fachgerecht geschlachtet werden können. "Ohne regionalen Schlachthof geht es nicht. "

Auch beim Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten in Ingolstadt werden Huber und die Weichselbaumers als Beispiel für eine erfolgreiche Wertschöpfung regionaler Produkte zitiert. Bei einer Veranstaltung stand vor Kurzem die Regionalität von Lebensmitteln im Mittelpunkt, zu der sowohl Verbraucher als auch Direktvermarkter aus der Region eingeladen waren. Nach Angaben des Amtes gibt es in Bayern derzeit rund 3500 landwirtschaftliche Direktvermarkter. Diese müssen jedoch ihre Angebot professionalisieren, um im Wettbewerb mit dem Lebensmitteleinzelhandel bestehen zu können.

In den Praxisberichten konnte dann nicht nur Michael Weichselbaumer seine Konzept eines Stalls vorstellen. Auch die Wildkräuterpädagogin Claudia Wittmann präsentierte ihre Kräuterwerkstatt samt Küche und Veranstaltungsraum, gefördert durch das Leader-Programm zur Stärkung des ländlichen Raums, was aus Sicht des Ingolstädter Landwirtschaftsamts die Bandbreite erfolgreicher Marketing-Strategien aufzeigt.

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