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Wenn bei der EM das Bier ausgeht

erstellt am 03.07.2008 um 19:38 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 19:39 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Die Fußball-EM ist vorbei und damit auch der Bierkonsum gesunken. Das sollten die Spieler des "Beer Games", das Studenten der Fachhochschule Ingolstadt entwickelt haben, nicht übersehen. Denn nur, wer die Umstände mit berücksichtigt, kann die Kosten senken – und nur der gewinnt.
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Zu viele Bierkästen im Lager? Hier tüfteln Studenten und Manager beim "Beer Game", das Studenten der Fachhochschule Ingolstadt entwickelt haben, wie sie ihre Kosten senken können. - Foto: FH
Die Studenten der Wirtschaftsinformatik an der FHI, Thomas Jakob (Gesamtprojektleiter), René Lay (für das Brettspiel verantwortlich), Tobias Holl (Workshop) und Johannes Lechner (Software), sind die Projektleiter bei der Entwicklung von "Beer Game". Von ursprünglich 30 FH-Studenten kristallisierten sich elf heraus, die die Idee schließlich umsetzten. Jetzt sind die Tüftler soweit, dass sie ihr Spiel auch vermarkten können.

Zwei komplette Semester, 580 Projektstunden, zahlreiche Nächte, Wochenenden und Telefonate haben die angehenden Wirtschaftsinformatiker unter der Leitung von Prof. Peter Schuderer in ihr Projekt gesteckt, bis das Unternehmensplanspiel ausgefeilt auf dem Tisch stand und die dazugehörige Software so weit entwickelt war. Projektmanagerin Nicole Schwer: "Die Studenten waren wirklich überdurchschnittlich engagiert bei der Sache."

Die Pilotphase haben die Studenten mit ihrem Spiel bestanden. Erst vor einigen Wochen haben Führungskräfte des Unternehmens ABM Greiffenberger Antriebstechnik in einem Workshop das Spiel kennengelernt und gut befunden. Nach der gelungenen Premiere wollen die Studenten nun ihr Spiel in Form von Workshops kleinen oder mittelständischen Unternehmen anbieten und glauben selbstbewusst an einen Erfolg.

Auch Prof. Peter Schuderer ist überzeugt, dass dieses Spiel für Unternehmen von Nutzen sein kann: "Für die Firmen ist es gerade in der globalen Zeit wichtig, dass sie Abläufe in den Lieferketten besser und effizienter managen können. Dafür müssen sie Zusammenhänge besser verstehen." Das wird ihnen hier spielerisch vermittelt. Um das Spiel jetzt richtig zu vermarkten, könnte sich Prof. Peter Schuderer vorstellen, eventuell Studenten aus dem Fachbereich Marketing der FH ins Boot zu holen.

Die Idee des Logistikspiels ist nicht neu: In den 60er Jahren entwickelte das Massachusetts Institute of Technology das Planspiel. Neu bei der Ingolstädter Entwicklung ist, dass ein Brettspiel zusammen mit einer Software angeboten wird.

Und so funktioniert das Spiel: Die Spieler sitzen zu fünft an den Tischen, jeder mit einem PC vor sich. 50 Runden werden gespielt, in denen Tools erarbeitet werden können. Keine Gruppe weiß von der anderen, wie der Stand ist. Ein neutraler Spielmoderator beobachtet und wertet aus. Dazwischen gibt es Maßnahmen, zum Beispiel in Form der 25 Ereigniskarten (wie man sie von Monopoly kennt), auf denen "Schreckensnachrichten" wie Schneechaos. Bahnstreik, eine Hitzewelle oder sonstige unvorhersehbare Situationen stehen können. Die geplante Strategie kann also gehörig durcheinander gebracht werden, weil man sich auf immer neue Herausforderungen einstellen muss.

Die Workshops, die die FH-Studenten den Firmen anbieten wollen, beinhalten eine Einführung mit Basisinformationen zum Spiel, Expertenvorträge, die wie Vorlesungen gehalten werden, eine Auswertung mit Feedback und ein Zertifikat. Den Teilnehmern werden Kenntnisse über Lagerbestandsaufschaukelungen in mehrstufigen Lieferketten mit all ihren Auswirkungen und mögliche Verbesserungsmaßnahmen vermittelt. Diese spielerische Variante – in diesem Fall ist es ein Lager mit Bierkästen – kann auf jedes Unternehmen übertragen werden. Die Studenten unterscheiden bei ihren Angeboten zwischen einem Exklusiv-Workshop für ein Unternehmen und einem Gruppen-Workshop für mehrere Firmen. Je nach Art des Workshops schwankt dann auch der Preis, den sie erst einmal ausloten wollen.

Für die angehenden Wirtschaftsinformatiker war es eine sehr intensive Zeit, in der sie die gelernte Theorie in die Praxis umsetzen konnten. Die vier Studenten sind sich einig: "Es war viel Arbeit, hat aber Spaß gemacht und uns optimal auf das spätere Arbeitsleben vorbereitet."

Nähere Informationen für Interessenten bei: nicole.schwer@fh-ingolstadt.de, Tel: (08 41) 9 34 83 28.

 

 

Von Verena Doyé
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