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"Wachhäuschen 15" wird vom Wurzelwerk befreit

erstellt am 19.04.2006 um 19:12 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 15:09 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (vl) Die Ingolstädt-er sind bekanntermaßen stolz auf den Beinamen Schanzer. Allerdings wissen sie meistens nichts von den namensgebenden Festungsbauten. Auf diesen Mangel machte Bürgermeister Albert Wittmann bei einem Ortstermin auf dem Festungswall aufmerksam. Dabei sei die Bayerische Landesfestung einzigartig in der ganzen Bundesrepublik. Bereits 2004 gründete er zusammen mit Ernst Aichner den Förderverein Bayerische Landesfestung Ingolstadt – jetzt folgen Taten.
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Am Samstag um 9 Uhr rückt Ulrich Haertl von der Reservistenkameradschaft mit sechs Männern und einer Frau an, um die Büsche, das Wurzelwerk und Erde von einem der durchnässten Festungsgebäude zu entfernen. Bis zum Winter will der Verein aus eigener Kraft das "Wachhäuschen 15", wie das sanierungsbedürftige dicke Mauerwerk von Wittmann nicht ganz fachmännisch bezeichnet wurde, mit einem Dach vor weiterer Durchfeuchtung schützen.

Das Gebäude auf dem Wall zwischen dem Kavalier Heydeck und dem Kavalier Elbracht ist ein "Traversgebäude", verbessert ihn Schriftführer Karl Bauer. Es diente seit der Fertigstellung 1850 der Lokalisierung gegnerischer Einbrüche. Früher gab es für jeden Festungsabschnitt zwei solcher Bauten , heute ist neben dem Sanierungsfall hinter dem Vermessungsamt in der Rechbergstraße nur noch ein weiteres bewohntes Traversgebäude in der Friedhofstraße erhalten.

Glücklicherweise sei die Festung Ingolstadt, deren Bauten bis ins Mittelalter zurück reichen, nie eingenommen worden, erinnert Wittmann – bis auf ein einziges Mal durch Verrat. Nachdem noch in den 1960er Jahren viele Festungsbauten unter dem unmittelbaren Eindruck des Zweiten Weltkriegs abgerissen wurden, ist heute der bauhistorische Wert weit gehend anerkannt. Das Dach über dem Festungsbau ist nur der bescheidene Anfang der Bemühungen des Vereins um verstärkte Denkmalpflege.

Angesichts der "Unmenge kleinerer Festungsbauten" betont Wittmann den "dringenden Handlungsbedarf": "Es gäbe unendlich viel Arbeit". Das erste Projekt wird ausschließlich von handwerklich versierten Vereinsmitgliedern umgesetzt – von der Stadt erhofft man sich die Übernahme der Materialkosten.

Nicht zuletzt hofft der Verein auch auf eine Außenwirkung durch die Sanierungs anstrengungen . Die Einzigartigkeit der Landesfestung müsse nicht nur den Schanzern bewusster, sondern auch touristisch besser genutzt werden, sagt Wittmann.

 

Volker Linder
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