Mittwoch, 14. November 2018
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Stadträte besichtigen Museumsbaustelle - Schulen: "Alle Toiletten werden gründlich angeschaut"

Von der Hochkultur zum Sanitärbereich

Ingolstadt
erstellt am 12.07.2018 um 20:01 Uhr
aktualisiert am 16.07.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Der Kultur- und Schulausschuss hat in seiner Sitzung am Mittwoch ein vielfältiges Spektrum abgearbeitet: eine Sanierungsoffensive für Schultoiletten, den Bau einer Mittelschule und viele Zahlen. Der Nachmittag begann für die Stadträte mit der Besichtigung der Museumsbaustelle in der Gießereihalle.
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In einem Trümmerfeld mit vielversprechender Zukunft: die Stadträte am Mittwoch auf der Baustelle in der Gießereihalle.
In einem Trümmerfeld mit vielversprechender Zukunft: die Stadträte am Mittwoch auf der Baustelle in der Gießereihalle.
Foto: Hauser
Ingolstadt
  • Museum für Konkrete Kunst und Design: Die Mitglieder des Kulturausschusses besichtigten die Großbaustelle in der historischen Gießereihalle zusammen mit den Kollegen aus dem Stadtentwicklungsausschuss. Das 25-Millionen-Euro-Projekt könnte im Jahr 2020 fertig sein, wenn alles nach Plan läuft, was bei einem derart ambitionierten Vorhaben allerdings ungewiss ist. Laien bedurften beim Augenschein in der imposanten alten Industrieanlage der fachkundigen Erläuterungen von Tiefbau-amtsleiter Walter Hoferer, denn die Fortschritte sind mit ungeübtem Blick nur schwer zu erkennen. Der Bagger mitten im Trümmerfeld kündet immerhin optimistisch von der Zukunft. Der Zeitplan steht - noch. Hoferer verwies auf die aufwendigen, aber erfolgreichen Arbeiten in der Dachkonstruktion. Sie soll später begehbar sein. Museumspädagogik und Verwaltung erhalten dort ihre Räume, erzählte Kulturreferent Gabriel Engert. Viele Aufträge seien vergeben oder werden es bald, so Hoferer. "Wichtig ist, dass immer mehrere Arbeiten gleichzeitig ablaufen." Noch heuer soll die Bodenplatte betoniert werden. Dafür gehe es auf 7,50 Meter runter. Derzeit sei man auf 4,50 Metern. "Die Halle bleibt komplett, wie sie ist." Das Museum werde, so erklärte er es laiengerecht, quasi wie eine große Kiste in den historischen Rahmen geschoben. "Das Museum wird ein Gewinn für das ganze Gelände sein! Tür an Tür mit der Hochschule." Noch eine relevante Nachricht: Die gern erwähnte Buche neben der Halle - inzwischen wohl der berühmteste Baum Ingolstadt - bleibt erhalten.
 
  • Sanierung von Schultoiletten: Walter Hoferers Wirken ist auch abseits der Sphäre der Hochkultur sehr gerne gesehen. Sein Amt nimmt, wie er nach der Baustellenbesichtigung in der Ausschusssitzung berichtete, eine große Sanierungsoffensive bei den Schultoiletten in Angriff. "Wir schauen uns bis Herbst alle an, und zwar richtig." Dann erstelle man ein Konzept. "Unter Sanierung verstehe ich immer was Großes", sagte Hoferer, also weit über den normalen Bauunterhalt hinaus. Ausschussvorsitzender Albert Wittmann (CSU) fügte hinzu: "Wir werden alles sehr gründlich machen." Es werde keinesfalls so sein, dass man - zum Beispiel im Fall der Pestalozzi-Grundschule - sage: "Wir lassen die Toiletten noch sechs Jahre, wie sie sind, weil das Gebäude danach eh saniert wird. Was gemacht werden muss, das wird gemacht! Und zwar bald." Die Brisanz heruntergekommener bis ekliger Schultoiletten ist seit dem jüngsten Kommunalwahlkampf in München bestens bekannt. Die CSU dort entdeckte das Thema, prangerte die Missstände an und punktete damit. Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), im Amt bis 2014, hatte da einiges liegen lassen; er ist halt mehr an Hochkultur interessiert. Dass der bauliche Zustand der Ingolstädter Schulen im Schnitt deutlich besser sei als in der Landeshauptstadt, haben führende Münchner Lokalpolitiker inzwischen bestätigt.
 
  • Schulentwicklungsplan: Die Grundschule an der Pestalozzistraße war nicht nur wegen der Toiletten ein Thema. Wie berichtet, wird sie doch nicht aufgelöst. Sie soll vielmehr wegen der stark steigenden Kinderzahlen sogar zu einer reinen Grundschule werden. Die Mittelschüler bekommen - so der Plan der Verwaltung - einen Neubau im Nordosten, in dem auch die Mittelschüler aus Oberhaunstadt und Mailing unterrichtet werden. Das (geschätzt) 28,5-Millionen-Euro teure Gebäude soll bis zum Schuljahr 2024/2025 stehen. Wo, wird noch geklärt. Kulturreferent Gabriel Engert hat seinen Schulentwicklungsplan, der den Bau von drei Mittelschulen (Südost, Friedrichshofen und Nordost) sowie reine Grundschulen an der Pestalozzi- und der Lessingstraße vorsieht, 2016 vorgestellt. Doch er wurde in dieser Form nie vom Stadtrat beschlossen. Engert erklärte den Hintergrund: "Nach einer internen Prüfung" sei die geplante Mittelschule Nordost gestrichen worden; als Konsequenz habe man sich dazu entschlossen, die Schule an der Pestalozzistraße zum reinen Mittelschulstandort zu machen. Die finanziell ungewisse Situation wegen der "Diesel-Krise" bei Audi 2016 (in Ingolstadt galt eine partielle Haushaltssperre) habe bei der internen Entscheidung gegen die Mittelschule Nordost auch eine Rolle gespielt, berichtete Engert. "Die damaligen Schülerzahlen haben das gerechtfertigt." Der Stadtrat beschloss den stark gekürzten Schulentwicklungsplan daraufhin einstimmig. Die Schülerzahlen sind zwei Jahre später wirklich schon wieder andere: 2016 kamen rund 1450 Ingolstädter Kinder auf die Welt. 2017 waren es 1500, heuer werden es wohl 1600. Allein das Plus gegenüber der Geburtenzahl im Jahr 2016 beträgt rund 200. So viele Kinder füllen schon eine kleinere Grundschule. Und zwei große Kitas. Deshalb führt laut Engert "jetzt kein Weg mehr daran vorbei", an der Pestalozzistraße und an der Lessingstraße reine Grundschulstandorte einzurichten. Das erfordere wiederum den Bau einer Mittelschule im Nordosten. Wie berichtet, haben alle Fraktionen dafür ihre Zustimmung angekündigt.
 
  • Schülerzahlenprognose: Der Bau zusätzlicher weiterführender Schulen wird dagegen so bald nicht nötig sein. Das ergeben die aufwendigen, gründlichen Berechnungen des Schulverwaltungsamts. Diese spielen mehrere Szenarien durch. Das Resultat sei immer das gleiche, so Engert: "Wir werden in den nächsten Jahren bei den Gymnasien und Realschulen keinen unlösbaren Bedarf haben."

Die Schülerzahlenprognosen stehen im Internet. Man findet sie im Ratsinformationssystem über www.ingolstadt.de.
 
Christian Silvester
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